Montag, 28. November 2016

Das Leiden der Menschen im Ostteil Aleppos neigt sich dem Ende zu - für die Medien kein Grund zu Freude und Erleichterung

 Die Tagesschau meldete am Sonntag in ihrer Hauptsendung um 20:00 Uhr in feinstem Propagandasprech:
"Im syrischen Aleppo drängen die Truppen von Machthaber Assad immer tiefer in den von Rebellen gehaltenen Osten der Stadt vor. Die Armee brachte nach eigenen Angaben zwei Stadtviertel unter ihre Kontrolle. Vorausgegangen waren heftige Gefechte und Bombardierungen. Die Großoffensive auf die zweitgrößte syrische Stadt läuft seit knapp zwei Wochen. Hunderte Zivilisten wurden dabei getötet."
Da darf der böse Russe dann auch nicht fehlen. Entgegen der Tatsache, dass Russland nach der Wiederaufnahme der Kämpfe, nach der einseitigen Waffenruhe der syrischen Armee von Mitte Oktober bis Mitte November, keine Angriffe mehr auf das östliche Aleppo geflogen hat behauptet Stefan Maier in seinem Filmbeitrag, die Offensive der Syrischen Armee werde von der russischen Luftwaffe unterstützt und ruft als Zeugen einen, trotz der schlechten Ernährungslage in Ostaleppo, wohlgenährten islamistischen Söldner - erkennbar an dem obligatorischen Vollbart - vor die Kamera, der sein offenbar auswendig gelerntes Sprüchlein aufsagt:
"Russische Jets haben uns mit Raketen unter Beschuss genommen. Wie man sehen kann, ist das ein ziviles Gebiet. Hier gibt es keine Kämpfer. Das Regime unterscheidet nicht zwischen Milizen und Zivilisten".
Sehen kann man allerdings weder "Milizen" noch Zivilisten. der Mann hat sich medienwirksam auf einen Schutthaufen gestellt, im Hintergrund zerstörte Häuser, denen man nicht ansehen kann, wie sie zuvor genutzt wurden.

 Stefan Meister ist ganz Kriegspartei und auf der Seite der islamistischen Terroristen. Statt sich für die Menschen in Ost-Aleppo zu freuen, dass nun das Schlachten und Morden für sie ein absehbares Ende nimmt, bedauert Meister  dieses offensichtlich:
"Eine vollständige Einnahme Aleppos könnte ein Wendepunkt im Bürgerkrieg sein. Das Regime würde dann alle grösseren Städte im Land kontrollieren."
 Für diese Einnahme Ost-Aleppos durch die Syrische Armee hatte der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura allerdings bereits vor Tagen ein neues Inferno vorausgesehen:
"Der UN-Sonderbeauftragte de Mistura befürchtet den Fall der Stadt noch vor Weihnachten. Zigtausende Menschen würden dann vor dem Assad-Regime zu fliehen versuchen."
 Weil dem aber nun augenscheinlich nicht so ist, sondern die Menschen, die von den Terroristen in Geiselhaft genommen wurden, wenn überhaupt, dann eher in die Arme Assads und seiner Truppen in den Westteil Aleppos flüchten, dreht das fixe Reporterchen den Spieß geschwind einfach um:
"Bisher sind erst wenige Menschen in den Westteil Aleppos geflüchtet. Die meisten hält offenbar die Angst vor Assad zurück."
 Manipulation der Zuschauer und Leser durch verdrehte Wahrheiten, offensichtliche Lügen, und der Betrug an den Konsumenten des Mainstreams durch gezieltes Weglassen unangenehmer Tatsachen - so sieht sie aus, die Informationspflicht, der sich unsere Qualitätsjournalisten angeblich verschrieben haben.

 So auch vor einer Woche, als ein Rauschen durch den deutschen Blätterwald ging. Der UN-Sicherheitsrat hatte getagt und der UN-Nothilfekoordinator, der Brite Stephen O'Brien gab vor dem Gremium seinen Bericht über die Lage in Syrien ab. Nun ist dies kein aussergewöhnlicher Vorgang, weil O'Brien dem Sicherheitsrat in monatlicher Folge berichtet, aber der Mainstream sah wohl die Möglichkeit, wieder einmal die große Propagandakeule zu schwingen.

 Aus dem mehrere Seiten umfassenden und etliche Aspekte der humanitären Lage in Syrien beleuchtenden Bericht, suchten sich die den Blättern und dem Fernsehen zuarbeitenden Nachrichtenagenturen einen einzigen Aspekt, den der Belagerung von Städten und Gemeinden und der damit eingehenden schlechten Versorgung der Menschen heraus.

 Zu verlockend war wohl die große, runde Zahl, die O'Brien der Meute zum Fraß vorwarf. Annähernd 1 Million Menschen
"are living tonight under siege",
also, verbrächten diese Nacht unter Belagerungszustand. Eine Nachricht, die die Presse zu geradezu euphorischen Berichten beflügelte. Es war die Zeit der Krokodilstränen:
Die Zeit:   
Syrien: Fast eine Million Menschen leben im Belagerungszustand

FAZ :   
Syrien: Fast eine Millionen Menschen unter Belagerung

Spiegel online:
Syrien: Eine Million Menschen in belagerten Städten

Berliner Morgenpost:
Fast eine Million Syrer eingeschlossen

Handelsblatt:   
Syrien: Krieg gegen die eigene Bevölkerung
Da mochten auch die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten nicht abseits stehen:
Deutsche Welle:
UN: Fast eine Million Menschen in Syrien unter Belagerungszustand

Deutschlandfunk:   
UNO - In Syrien werden Orte mit insgesamt mehr als einer Million Menschen belagert

Heute.de:
UN: Fast eine Million Syrer unter Belagerung
 Den Vogel aber schoss wieder einmal die ARD ab. Während sich die Tagesthemen noch für ARD-Verhältnisse moderat äusserte:
"In Syrien wird die Situation der Zivilbevölkerung immer dramatischer. Nach Angaben der UN leben inzwischen fast 1 Million Menschen in Städten und Dörfern , die belagert werden. Allein im Ostteil von Aleppo seien etwa 250.000 Einwohner von der Aussenwelt abgeschnitten. Der UN-Koordinator für Humanitäre Hilfe O’Brian warf der syrischen Regierung vor, sie wolle die Menschen so zwingen, sich unterzuordnen oder zu fliehen",
durfte der Hörfunk-Korrepondent Kai Clement mit Heimathafen WDR, richtig aus dem Vollen schöpfen:
"Ins Gesicht gespuckt",
erschien ihm die richtige Wortwahl für den Titel seines Beitrages zu diesem ernsten, für viele Syrer lebensbedrohenden Thema. Clement stellt seinen Beitrag ganz auf Angriffe auf Krankenhäuser und medizinisches Personal ab. Während sich O'Brien vor dem Weltsicherheitsrat durchaus ausgewogen äussert:
"Tatsache ist, dass seit dem 3. Mai 2016, als der der Sicherheitsrat die Resolution 2286 verabschiedete, über 130 Angriffe auf medizinische Einrichtungen dokumentiert wurden. Der syrische Krieg hat bereits mehr als 750 Menschen des medizinisches Personal getötet. Es ist eine widerliche und eklatante Missachtung des besonderen Schutzstatus' von Einrichtungen des Gesundheitswesens im Rahmen des humanitären Völkerrechts, ein klares "Spucken ins Gesicht" Ihrer (des Weltsicherheitsrates) Entschließung",
wird bei Clement daraus ein Vorwurf ausschliesslich an die syrische und russische Seite. Zwar zitiert er O'Brien durchaus richtig, wenn er auch etwas verkürzt sagt:
"Tatsache ist doch: Seit der Sicherheitsratsresolution vom Mai sind über 130 Angriffe auf medizinische Einrichtungen dokumentiert. Der syrische Krieg hat schon mehr als 750 medizinische Helfer getötet. Das ist eine widerliche und himmelschreiende Missachtung für deren speziellen geschützten Status. Damit wird auch Ihrer Resolution geradezu in Gesicht gespuckt",
wendet aber zuvor einen kleinen Trick an. Der Einleitungssatz seines Berichts beginnt nämlich mit den Worten:
"Mehrfach wurden Krankenhäuser bombardiert, medizinische Helfer getötet".
 Da aber jeder weiss, dass die terroristischen Söldner nicht über Flugzeuge verfügen ist mit diesem Satz die Schuld eindeutig der syrischen bzw. russischen Seite zugewiesen. Ab jetzt kann Clement gewissenhaft zitieren - er sagt immer die Wahrheit und lügt trotzdem.

 Dass O'Brien durchaus auch die Seite der von den USA, Saudi Arabien, Quatar und Israel unterstützten terroristischen Söldner mit in seine Anklage einbezieht, darauf lässt ein kleiner Nebensatz am Ende dieser Aussage schliessen. Darin weist er auf die Stellungnahme seiner norwegischen WHO Kollegin Elisabeth Hoff, der Repräsentantin der Organisation für Syrien hin.

 Elisabeth Hoff vermeidet die Worte Bomben und Bombardierungen gänzlich. Zunächst hebt sie ab auf den Vorkriegszustand des syrischen Gesundheitswesens vor dem Krieg, um dann den Istzustand zu schildern:
"Nachdem es eines der modernsten Gesundheitssysteme der Welt hatte, ist Syriens Gesundheitswesen verwüstet worden. Über die Hälfte seiner öffentlichen Krankenhäuser und Primärversorgung wurden entweder geschlossen oder sie funktionieren nur noch teilweise. Fast zwei Drittel der Beschäftigten im Gesundheitswesen haben das Land verlassen. Der Impfschutz ist halbiert worden, so dass Kinder wieder anfällig für einmal bereits ausgerotte Krankheiten sind. Die Syrer haben keinen zuverlässigen Zugang zu notwendigen Medikamenten, Behandlungen für traumatische Verletzungen, sichere Lieferungen zur Pflege für Kleinkinder oder für andere Hilfsbedürftige."
 Auch Hoff spricht von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen. Allerdings hat die WHO nur 126 Vorfälle verzeichnet und das in einem wesentlich längerem Zeitraum, nämlich nicht wie bei O'Brien von Mai bis heute, also 6 Monaten, sondern von Januar bis September, also 9 Monate. Aber sie sieht einen zweiten entscheidenden Einfluss auf das syrische Gesundheitswesen:
"Ebenso beunruhigend waren die Militarisierung von Einrichtungen des Gesundheitswesens durch mehrere Konfliktparteien, die Ausrichtung des Gesundheitspersonals und die Verweigerung medizinischer und chirurgischer Versorgung in vielen Bereichen. Viele Patienten hatten Angst, die verbliebenen Einrichtungen aufzusuchen."
 Eine Bemerkung, die darauf hindeutet, dass Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser von den terroristischen Söldnern als Schutz und Deckung genutzt werden, oder Gebäude, die als Krankenhäuser dienen, nicht als solche bekannt gegeben werden. Hoff weiter:
"Ich fordere den Sicherheitsrat auf, dafür zu sorgen, dass die beteiligten Parteien über die Koordinaten aller humanitären Konvois der Gesundheitseinrichtungen verfügen, um Angriffe auf diese Einrichtungen ungeachtet der Täter zu beenden und um eventuelle Angriffe zu registrieren und einen nachhaltigen, bedingungslosen Zugang zu allen Bereichen für medizinische Versorgung und Evakuierungen sicherzustellen."
  Im östlichen Aleppo, so Hoff, seien alle acht Krankenhäuser entweder außer Betrieb oder funktionierten kaum, und die wenigen verbliebenen Ärzte wären erschöpft und überfordert, fuhr sie fort. Die WHO warte auf die Beseitigung von Hindernissen für ihre Pläne, Patienten in kritischem Zustand zu evakuieren und es Konvois zu ermöglichen, medizinischen Nachschub zu liefern. Aber auch
"die Krankenhäuser im westlichen Aleppo waren von verwundeten Patienten überfüllt, nachdem diese von 'nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen', wie bei dem Mörserangriff am vergangenen Samstag auf eine Schule, wahllos beschossen wurden."
 Von diesen Fakten bei Clement, sowie auch bei allen anderen Publikationen kein Wort. Ihnen ist es scheinbar nicht an einer lückenlose Berichterstattung gelegen, sondern eher an einseitiger Propaganda. Clement will Stimmung machen:
"Ins Gesicht gespuckt."
 An diesem Satz berauscht er sich geradezu. Vier mal zitiert er ihn innerhalb der ersten paar Zeilen. Im Stile einer Reportage fährt Clement fort, so als sei er selbst in der Uno gewesen, täuscht vor ,Augenzeuge der Sitzung des Weltsicherheitsrates gewesen zu sein:
"O'Brien schaut über seine Halbbrille hinweg in die Runde. Ihm gegenüber sitzt der syrische UN-Botschafter, die Arme über der Brust verschränkt."
 Vor unseren Augen entsteht das Bild eines unsypathischen Zeitgenossen, der in einer Abwehrhaltung dasitzt, "die Arme über der Brust verschränkt":
"Als Gast im Gremium wird er am Ende wieder eine seiner endlosen Reden halten, in der es vor allem um die Abwehr von Terroristen gehen wird und um Angriffe auf den Westen Aleppos, der von der syrischen Armee gehalten wird."
 Ein Gast, der sich nicht zu benehmen weiß, wie schon so oft, indem er "eine seiner endlosen Reden" hält, mit denen er, die Wahrheit verdrehend, so will uns Clement jedenfalls suggerieren, die Anwesenden zu Tode langweilt. Ein dummer, ignoranter Schwätzer eben.
"Vorerst aber muss er sich viel anhören, was er ganz überwiegend für falsch hält. So korrigiert der UN-Nothilfechef die Zahl der in Syrien belagerten und eingeschlossenen Menschen drastisch nach oben. Verdoppelt habe sie sich binnen nur eines halben Jahres auf jetzt fast eine Million."
 Clement vergisst scheinbar, dass zu allervorderst er sich einiges anhören musste, das ihm anscheinend so wenig gefiel, dass er es einfach unter den Tisch fallen lässt. So spricht O'Brien ganz zu Anfang seiner Erklärungen über die einseitige Waffenruhe, die Russland und die syrische Regierung am 18. Oktober für Aleppo erklärten:
"Und es gab einen Hoffnungsschimmer. Eine einseitige russische und syrische Feuerpause für Luftangriffe auf den östlichen Teil Aleppos, die am 18. Oktober zunächst für 72 Stunden verkündet wurde und über das angegebene Ende beibehalten wurde."
Und O'Brien fährt fort:
"Tag für Tag, auch Woche für Woche, hielt die Pause über dem östlichen Aleppo. Das gleiche war für den westlichen Teil Aleppos nicht der Fall, da nichtstaatliche bewaffnete Gruppen Hunderte von Mörsergranaten in Zivilgebiete in den westlichen Teil der Stadt starteten. Hätten alle Parteien die Kraft gehabt, alle Angriffe auf Aleppo einzustellen, wäre das heute ein anderes Briefing geworden."
 Auch, so O'Brien, hätten Russland und Syrien Fluchtkorridore für die Zivilbevölkerung Ost-Aleppos bereitgestellt. Aber diese seien, wie verlautete, unsicher oder als unsicher wahrgenommen worden. Ob diese Annahmen der Wahrheit entsprachen oder ob von den Terroristen entsprechende Gerüchte gestreut wurden, lässt sich schwer beurteilen. Allerdings deutet viel auf die zweite Annahme hin. O'Brien:
"Es gab auch Berichte, dass nichtstaatliche bewaffnete Gruppen im östlichen Aleppo diejenigen, die die Stadt verlassen wollten, daran hinderten."
Der Nothilfekommissar der Uno benennt also ganz klar und eindeutig die Schuldigen für das Ende der verkündeten Waffenruhe über Aleppo - die terroristischen Söldner. Eine Tatsache, die in deutschen Medien einfach totgeschwiegen wird.

 Wer sich die Mühe macht, den Bericht O'Briens vollständig und aufmerksam durchzulesen, der findet weitere, für Konsumenten des Mainstreams erstaunliche Tatsachen. Geschehnisse, die uns vorenthalten werden, weil sie nicht in das Weltbild unserer Qualitätsjournalisten passen und weil sie manch einen zum Nachdenken darüber bringen würden, ob er sich noch von den jetzigen Eliten vertreten fühlt. So wird auch aus dem Westteil Aleppos berichtet.
"Parallel dazu (gemeint sind die Luftangriffe auf Ost-Aleppo) sollen seit dem 1. November mehr als 350 Mörsergranaten und Raketen von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen wahllos auf West-Aleppo abgeschossen worden sein, wo sie über 60 Personen, darunter Frauen und Kinder, töteten und mehr als 350 weitere Menschen verletzten."
Besondere Erwähnung fand der Angriff auf eine Schule und auf die Universität im Westteil Aleppos:
"Am Wochenende hat ein Angriff auf eine Schule im Al-Furqan-Distrikt im westlichen Aleppo mit Mörsergranaten und Raketenprojektilen durch nichtstaatliche bewaffnete Gruppen acht 8 Kinder getötet und mehrere andere verletzt."
 Auch die Universität wurde getroffen. Praktisch kein Wort davon in unseren Medien. "Der Spiegel" berichtet darüber in nur einem einzigen Satz, nachdem er zuvor gemeldet hatte, dass in Aleppo 11 Kinder ums Leben gekommen seien:
"Sieben von ihnen starben durch Granaten, die von Aufständischen am Sonntag abgefeuert wurden und eine Schule trafen".
Anschliessend widmet er sich dann in epischer Breite und Länge den "Verbrechen" des "Regimes:
"In der Nacht seien sechs Mitglieder einer Familie getötet worden, als Regime-Helikopter Fassbomben über dem von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt abwarfen - dort kamen vier Kinder ums Leben. Auch die Weißhelme in Syrien berichten von Gasangriffen, denen Kinder zum Opfer gefallen sind"
   ...Die syrische Armee attackiert den Osten der Stadt dabei mit Raketen, Fassbomben und Artilleriefeuer.
    …Allein am Samstag waren bei den Bombardements nach Angaben von Aktivisten mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Zudem wurden mehrere Krankenhäuser getroffen, die einzige Kinderklinik musste nach Angaben der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen wegen der Beschädigungen ihren Betrieb einstellen. Das Vorgehen des Regimes sorgte international für Wut und Entsetzen."
  Nicht vergessen ist auch die Berichterstattung über den Angriff auf eine Schule in Haas, Mitte September, bei dem die Verursacher bis heute nicht identifiziert sind, der von unseren Qualitätsjournalisten monströs ausgeschlachtet wurde. Diese unterschiedliche Sichtweise auf die Opfer eines grausamen Krieges, der sich jeglichen Regeln entzieht, desavouiert die Mainstreampresse als skrupellose Heuchler und Propagandisten. Der Unterschied, der die toten Kinder aufteilt in beklagenswerte, laut zu bedauernde Opfer und anonyme, in keiner Statistik auftauchende, mit Nichtachtung gestrafte tote Körper, ist einzig und allein die Richtung aus der die Granate kam, die ihre kleinen Körper in tausend Stücke riss.

 Wobei zu fragen bleibt, wer mehr zu bedauern ist, die anonymen Toten oder jene, denen man die ewige Ruhe verweigert, weil man sie immer und immer wieder missbraucht, weil man aus ihnen politischen Nutzen ziehen will.
"Insgesamt,"
so O'Brien weiter,
"sind im westlichen Aleppo in den letzten Wochen rund 25.000 Menschen infolge der Beschiessung durch nichtstaatliche bewaffnete Gruppen vertrieben worden."
 Auch hier menschliches Leid und Flüchtlingselend. Die Welt allerdings darf und soll davon nichts erfahren. Denn diese Welt ist streng geteilt in gut und böse. Während die Zeitungen, Zeitschriften und die Rundfunk- und Fernsehsendungen voll sind von Fassbomben und ihrer angeblich verheernden Wirkung, finden die Hell Cannons, diese aus Gasbehältern selbstgebastelten völlig unlenkbaren, mit Sprengstoff, Metallsplittern, Schrauben und Nägeln gefüllten Geschosse, die von den terroristischen Söldnern zumeist aus Wohngebieten auf Wohngebiete abgefeuert werden, in der westlichen Presse keinerlei Erwähnung.

  Die Belagerung von Städten und Dörfern, auf die die Berichte hauptsächlich abstellen, nimmt in O'Briens Bericht nur einen geringen Teil seiner Ausführungen in Anspruch. Zunächst geht er auf das Nichtfunktionieren des "Vier-Städte-Abkommens" für Madaya, Zabadani, belagert von regierungsnahen Einheiten, und Foah und Kefraya, belagert von Jaysh al Fatah, einem Bündnis der Muslimbrüder mit den Kopfabschneidern von Ahrar Al-Scham und der Al-Nusra-Front ein. - Interessant am Rande: Ein Video aus dem März 2015 zeigt den Abschuss einer US-amerikanischen Tow-Rakete mit den Enblemen der Nusra-Front und dem des Jaysh al Fatah am oberen linken Bildrand.

 So scheinen auch die USA angesprochen, wenn O'Brien fordert:
"Diejenigen, die Einfluss auf die Vertragspartner - vor allem Jaysh al Fatah und Iran - haben, müssen alles tun - ich fordere sie alle auf - sicherzustellen, dass die benötigte Hilfe sofort geliefert wird und dass diejenigen, die eine medizinische Versorgung benötigen, evakuiert werden können."
 Das starke Anwachsen der Anzahl unter Belagerung stehender Menschen, von vor einem Jahr 393.700, über 486.700 vor sechs Monaten, auf nunmehr nach Schätzungen der UN 974.080, ist wohl hauptsächlich auf das starke Vorrücken der Syrischen Armee zurückzuführen. Die Terroristen verbarrikadieren sich in den Städten und Dörfern und nehmen die Einwohner als Geiseln, worauf O'Brien schon weiter oben, im Zusammenhang mit der Lage im Osten Aleppos hingewiesen hatte :
"Es gab auch Berichte, dass nichtstaatliche bewaffnete Gruppen im östlichen Aleppo diejenigen, die die Stadt verlassen wollten, daran hinderten."

 Ein Beleg für diese Annahme ist die schwierige Einnahme der vom IS besetzten Stadt Mossul im Norden des Irak, die von einer Allianz der USA, Grossbritanniens, Frankreichs, Kurdenmillizen und der Irakischen Armee abgeriegelt und belagert wird. Unter anderem, "Spiegel online" berichtete darüber am 23. November. Allerdings erwähnt Spon die Zivilbevölkerung mit keinem Wort:
"Die Offensive der Anti-IS-Koalition auf die irakische Stadt Mossul kam zuletzt langsam voran. Jetzt meldet das Militär einen Erfolg: Es will die Stadt eingekesselt haben.
 ...Alle Verbindungen der irakischen IS-Hochburg Mossul zu anderen Dschihadistengebieten sollen gekappt worden sein - die Versorgung mit weiteren Kämpfern und Material sei damit nicht mehr möglich. Das meldet die irakische Armee.
 ...Demnach haben schiitische Milizen die Stadt und das Umland von der Außenwelt abgeschnitten."
 Was hier eine eher positive Meldung über einen wichtigen Etappensieg gegen den IS ist, die Einkesselung und Belagerung der Millonenstadt Mossul, ist in Syrien ein grausamer Akt gegen die Menschlichkeit. In Mossul leben weit über drei Millionen Menschen, die vom IS als Geiseln gehalten werden. Nichts anderes in in Ost-Aleppo geschehen, wo 250.000 Menschen von der Al-Nusra und weiteren islamistischen Kopfabschneidern seit 2012 in Geiselhaft genommen worden sind. Und auch hier werden die IS-Terroristen aus der Luft unter Feuer genommen:
"Auch in Mossul selbst verliert die Terrormiliz weiter an Bewegungsfreiheit. Das IS-Sprachrohr Amak bestätigte im Internet Medienberichte, ein Luftangriff der US-geführten internationalen Koalition habe eine weitere Brücke über den Tigris zerstört."
 Nur wird hierüber ganz anders berichtet. So verliert nach den Worten des Spiegels scheinbar einzig und allein "die Terrormiliz weiter an Bewegungsfreiheit". Die Zivilbevölkerung muss hinter dem militärischen Erfolg zurückstehen.

 Anders als die Presse und das Fernsehen uns weismachen wollen, ist der Bericht Stephen O'Briens vor dem Weltsicherheitsrat keine einseitige Abrechnung mit der Syrischen Regierung und ihren Verbündeten. O'Brien, ein konservativer britischer Politiker, ist somit immerhin der Vertreter einer der kriegführenden Nationen in Syrien. Großbritannien unterstützt die islamistischen Söldnergruppen nicht nur mit Waffen, Munition und Geld sondern auch direkt, durch den Einsatz eigener Truppen. So meldete die Online-Plattform "Deutsche Wirtschaft Nachrichten" am 09. August:
"Die BBC berichtet, dass in Syrien in der Nähe der Grenze zu Jordanien britische Soldaten gesichtet wurden. Sie sollen über Scharfschützengewehre, schwere Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen verfügen. Nach offiziellen Angaben unterstützen die Briten die „Rebellen“ im Kampf gegen die syrische Armee."
In Anbetracht dieser Tatsachen muss man die Aussagen, die das Treiben der islamistischen Söldner schildern, wohl als um so zutreffender bezeichnen.

Montag, 21. November 2016

"ARD-Tagesschau" außer Rand und Band: Der "POTUS" in Berlin.

 Ein tiefer Einblick in die miserabele Verfasstheit des deutschen Qualitätsjournalismus bot sich uns, hier einmal stellvertretend für den gesamten journalistischen Mainstream dargestellt,  anhand der Tweets der Redaktion von "ARD-Aktuell", mit Chefredakteur Dr. Kai Gniffkean der Spitze auf dem Account der "Tagesschau", anlässlich des Besuchs des US-Präsidenten Barack Obama in Berlin.

 Aufgeregt wie ein pubertierender Teenager ist Sonia Mikich. Dabei ist die Dame bereits 65 Jahre alt und sollte nach 30 Jahren WDR eigentlich schon längst ihren Ruhestand angetreten haben.
"Pause vor Obama-Interview, vorbereitet u. vorfreudig",
twittert sie am 16. November und fügt noch einen Dank an den zweiten Chefredakteur von ARD-Aktuell an:
"Danke, Christian Nitsche",



 Ein Verhalten wie bei einem pubertierenden Teenie, die ihrem Vater um den Hals fällt, der ihr soeben widerstrebend den Besuch eines Konzerts der derade angesagtesten Boygroup mit dem strengen Hinweis: "Um zehn bist du aber wieder zu Haus" erlaubt hat.



"Vorfreudig", in ihrem schönen roten Kleid extra fein herausgeputzt, so sehen wir sie auch auf dem Bild der letzten Nachricht, die wir von ihr bekommen haben. Ein Bild, das an kreischende, der Ohnmacht nahe Halbwüchsige erinnert, die sich bereits am frühen Morgen und bei schlechtem Wetter für einen Blick auf ihr Idol die Füße platt stehen. Seitdem ist sie verschollen.

 Das heisst nicht so ganz. Am Abend wurde sie dann doch noch einmal gesehen, als sie gemeinsam mit dem Spiegelredakteur Klaus Brinkbäumer ihrem grossen Idol Obama in devoter Haltung mit vor  Anspannung verkrampften Fingern gegenübersaß und ihm endlich ihre drei Fragen stellen konnte:


"Herr Präsident, vielen Dank. Wir wissen das hier sehr zu schätzen. Donald Trumps Sieg hat die grosse Unzufriedenheit der Amerikaner und eine massive Spaltung innerhalb der Gesellschaft offen gelegt. Hat sie dieses Ausmaß an Wut überrascht?"
"In vielen westlichen Gesellschaften beobachten wir eine Entfremdung zwischen Politikern und Bürgern. Bürger fragen sich wie nahe Politiker noch am wirklichen Leben sind. Sie haben Ängste. Es ist die Zeit der Populisten. Ist dies ein entscheidender Moment, eine Zeitenwende, in der sich politische Führung bewähren muss?"
"Mr. Präsident, was war der dunkelste Moment ihrer Amtszeit? Hier in Europa wurde viel über die Drohnenangriffe, die sie anordneten geredet, über Guantanamo und natürlich über Terroranschläge, aber auch Amokläufe?"
 Das war's dann schon. Zwölf Minuten und 33 Sekunden Geplauder mit der "Lame Duck" Obama, der es sich dann aber zum Schluss doch nicht verkneifen konnte, ein wenig vorgezogenen Wahlkampf für Angela "Mörkel" zu machen, indem er den deutschen Wählerinnen und Wählern einige Wesenszüge ihrer Kanzlerin ans Herz legte, von denen diese bisher so recht keine Ahnung hatten:
"Sie steht für große Glaubwürdigkeit, und sie ist bereit, für ihre Werte zu kämpfen."
 Der deutschen Öffentlichkeit fällt dabei Merkels Haltung zur Atomenergie ein. Eben noch will sie die Laufzeiten der Kernkraftweke bis zum St. Nimmerleinstag verlängern, als in Japan so ein Teufelsding in die Luft fliegt und gleichzeitig damit ebenfalls die Chancen der CDU, die Landtagswahl in Baden-Württemberg zu gewinnen. Da plötzlich legt sie alle Atommeiler vorläufig und viele davon für alle Zeiten still.
"Sie ist ehrlich!"
 Die Anzahl der CDU-Politiker, denen ihre Chefin in schweren Zeiten ihre "volle Unterstützung" zugesagt, und die sich im nächsten Moment im einstweiligen bis endgültigen Ruhestand oder in der Diaspora Brüssel wiederfanden, ist Legion.

Wer nun meint, schlimmer geht's nimmer, der hat sich nicht den Twitter-Account der Tagesschau angesehen. Da brannte der Dr. Gniffke ein wahres Feuerwerk des Obamakultes ab, dass der eine oder andere auf die Idee hätte kommen können, der Herr Jesus Christus sei zurück auf der Erde.

 Folgerichtig und in Kenntnis des Evangeliums des Johannes, der Apocalypse, betitelte "Der Spiegel" auch seine 46. - und wenn sich die Prophezeiungen des Johannes erfüllen - höchstwahrscheinlich eine seiner letzten Ausgaben vor dem mit Sicherheit bevorstehendem Weltuntergang:
"DAS ENDE DER WELT",
und fügte in Beachtung des physikalischen Grundsatzes, dass Materie nie verloren geht, sich nur in einen anderen Aggregatzustand, in Energie verwandelt, in Klammern und kleinen Buchstaben hinzu:
"(wie wir sie kennen)" 
 Ein riesiger Himmelkörper geformt wie der Kopf Donald Trumps, das blonde Haar sich auflösend in einem Flammenschweif, fliegt auf die Erde zu, und der weit geöffnete Mund des "Trumperoiden" droht die viel kleinere Weltkugel im nächsten Augenblick zu verschlucken.



 Dr. Gniffkes Messiasvisionen beginnen bereits einen Tag vor der Ankunft des Erlösers. Ereignisse von epochaler Bedeutung kündigen sich an. Sogar die Tagesschau rüttelt an den Grundfesten ihres Selbstverständnisses und verkürzt ihre Sendezeit.


 Obama, den Kopf leicht angehoben, der Blick geht kühn nach vorn, gleich einem in edlen Marmor gehauenen Antlitz einer griechischen Heldenskulptur. Dr. Gniffke versteht es, Spannung aufzubauen.

 Noch ist der Erlöser allerdings nicht in Berlin. Es gilt die Wartezeit zu füllen. Wir kennen diesen Zustand der Erwartung aus unserer Kindheit, wenn sich am Heiligen Abend die Stunden bis zur Bescherung zur Unendlichkeit dehnten. Ein kurzer Bericht über den Griechenlandbesuch versetzt uns in frohe Erwartung auf das, was da kommen wird, und überbrückt ein paar Minuten.



Spannung hochhalten ist die ausgegebene Devise. Die Berliner Polizei hilft mit einem Tweet aus.


Aber ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. Nur eine knappe halbe Stunde später twittert Dr. Gniffke erneut. Er weiss eigentlich nichts neues zu berichten. Aber der Dr. ist doch schon so aufgeregt und wie die Kinder kurz vor der Bescherung am Heiligen Abend plappert er ständig das Gleiche und strapaziert unsere Nerven. Dabei verrutscht ihm schon mal gern die Begrifflichkeit. So kündigt er uns im nächsten Tweet an,
"Obamas Stationen bei seinem Deutschlandbesuch"
offen zu legen. Nun weiss allerdings selbst der uninteressierteste und in des Dr. Gniffkes Universum sicher der ignoranteste Zeitgenosse, dass Obama nur eine Station auf seiner Agenda hat, und die ist Berlin. Was die "Tagesschau" uns wirklich verklickern will, ist wohl eher das Programm, das der scheidende US-Präsident abzuarbeiten gedenkt, also den Inhalt des Terminkalenders Barak Obamas.


 Und da "überrascht" uns der Tweet der Tagesschau mit Erwartbarem. Obama macht, was ein Präsident halt so macht, wenn er in fremden Landen unterwegs ist - er plaudert mit seinesgleichen, den Regierungschefs anderer Länder.

 Indes, so scheint es, steigert sich die Aufgeregtheit bei "ARD-Aktuell" ins schier unerträgliche. Folglich wird auch die Hysterie geradezu unerträglich. Darum will das "ARD-Hauptstadtstudio" etwas zur Ablenkung beisteuern. Zunächst einmal wird die deutsche Öffentlichkeit beruhigt:


 Und dann wird uns die Wartezeit durch eine kleine, in den Augen von "ARD-Aktuell" wohl witzige Animation verkürzt. Hierin verwandelt sich "@POTUS", von Obama sukzessive in den neuen: "Gottseibeiuns", Donald Trump.


 Kaum hat sich ein Lächeln in die Gesichter gezeichnet, legt Dr. Gniffke nach. Da es aber kein neues Material gibt, twittert er ein kurzes Filmchen mit einem Ausschnitt aus der Rede Obamas, die dieser in Athen gehalten hat. Worte des Präsidenten, die Dr. Gniffke wohl für besonders weise und weitsichtig erachtet, weswegen er sie schriftlich dokumentiert ins Bild einblendet und auf diese Weise unübersehbar macht. Es soll etwas bleiben vom Guru, das sich die Deutschen ins Poesiealbum kleben, an die Wand pinnen, oder auch, und das vor allen Dingen, hinter den Spiegel stecken sollten.

 Ganz nebenbei wird auch noch ein wenig Bildung für die breite Masse betrieben. Speziell für die Generation Internet:  
"Griechenland - die Wiege der Demokratie".

 So lässt sich auch die überaus lästige Wartezeit bis zur Ankunft des Messias noch nützlich verbringen.

Apropos nützlich verbringen - zu diesem Schlagwort hat das "ARD-Hauptstadtstudio" noch etwas wichtiges zu vermelden.

Und dann endlich - Tusch:
"Tätärätä!"

 Dr. Gniffke lässt die Kameras surren und verheddert sich vor lauter Aufregung schon wieder in der deutschen Sprache. Ein Umstand, der den User Lars S. nachdenklich stimmt:
"Ich denke eher, das Flugzeug landet bzw. die Piloten landen das Flugzeug."
Dr. Gniffke hat wohl einmal zu viel die Hollywood-Schnulze "Airforce One" mit Harrison Ford gesehen, in der der staunenden Welt ja vorgeführt wird, dass US-amerikanische Präsidenten ausser übers Wasser gehen, auch noch ganz andere Fähigkeiten haben. Ein Film, über den der österreichische Drehbuchautor und Regisseur Michael Haneke sagte:
"Wenn ich mir zum Beispiel ‚Airforce One‘ anschaue, von Herrn Petersen, das ist ein übles Propaganda-Machwerk",
und die Fachzeitschrift "CINEMA" urteilt, in dem Film
"schlägt der mental aufgerüstete Petersen jetzt zackig die Hacken zusammen."
Eine Handlung, die wir auch immer öfter bei "ARD-Aktuell" und deren Chefredakteur Dr. Gniffke beobachten können.

Es ist vollbracht: Auch hier, wie in Petersens Machwerk - ein Wunder geschuldet der Kraft, der Zuversicht und dem unbändigen Willen:


"Potus", zumindest phonetisch ganz nah bei "Jesus".

 Melancholie breitet sich aus:
"Time to say good bye",
schluchzt Dr. Gniffke in sein Taschentuch und lässt die faszinierte Nation daran teilhaben.



Aber sofort fängt er sich wieder, kommt seiner Aufgabe als Zeitzeuge nach und meldet pflichtschuldigst und in Anbetracht des obersten Oberbefehlshabers militärisch kapp, aber absolut präzise:
"Berlin, 17:56. Gelandet."


 Endlich hat sich ein lang gehegter Traum erfüllt. Für eine kurze Zeit stand die Welt still. Zumindest wenn man dem Twitter-Account der Tagesschau vertraut. Nichts ist passiert. Es gab nur ein Ereignis über das zu berichten war. Ein Ereignis, das alles andere auf der Welt in den Schatten stellte.

 Aber nicht Dr. Gniffke, sondern ein gewisser "harry.berlin" fasst für uns alle nicht nur das Wichtigste des Besuchs des "POTUS", sondern praktisch die Quintessenz der gesamten Amtszeit Obamas in knappen, bewegenden Worten zusammen und wagt einen Ausblick auf die düstere Zeit, die jetzt vor uns liegt:
"Ich habe noch nie einen Politiker so locker und cool die Gangway hinab schlendern sehen. Schade, dass seine Amtszeit nach acht Jahren enden muss.
Der Nachfolger wird eher poltern."
Besser kann man es nicht sagen. Hallelujah!

Mittwoch, 16. November 2016

"Der Spiegel" verhohnepiepelt seine Leser. So sagen die feinen Hamburger Pfeffersäcke, wenn sie verar... meinen.

Da lässt man die Kinder jahrelang studieren und dann das:
"Großoffensive in Syrien - Putins Botschaft an Trump",
 verbrochen von Christina Hebel, so berichtet uns ihr Arbeitgeber "Der Spiegel" zumindest:
"Journalistik, Politik und Osteuropastudien in Bremen, London, Hamburg, Lublin und Warschau. 2006 und 2007 Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung und der Besser- und Studienstiftung in Warschau. Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München mit Stationen bei Spiegel online, Deutschlandradio und FAZ in Berlin",
 und Christoph Sydow. Auch hier gibt uns "Der Spiegel" Auskunft:
"Studierte Islamwissenschaft und Geschichte an der Freien Universität Berlin."
(Für den kruden Satzaufbau - der Autor kommt gänzlich ohne Subjektiv aus - kann ich nichts. Dafür sind die anderen, teuer auf Kosten der Allgemeinheit ausgebildeten Mitarbeiter des Blattes zuständig.)

 Scheinbar aber verfügen beide Autoren über keinerlei Textverständnis. Nicht einmal ihre eigenen Elaborate scheinen sie zu verstehen. So schreiben sie im ersten Absatz ihres Artikels:
"Moskau wolle mit der neuen US-Regierung einen partnerschaftlichen Dialog führen - auf Grundlage 'von Gleichberechtigung, gegenseitigem Respekt und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten', hieß es in einer Erklärung des Kreml",
um dann mit einer klar verständlichen Bekundung gemeinsamer Bemühungen fortzufahren:
"Beide Staaten würden ihre Kräfte 'im Kampf gegen den Feind Nummer eins: den internationalen Terrorismus und Extremismus' bündeln."
 Jeder, der eine normale schulische Bildung genossen hat müsste in der Lage sein, diese zwei einfachen und klar strukturierten Sätze zu lesen und zu verstehen. Nicht so die zwei Spiegel-Redakteure.

 Davon kündet gleich ihr nächster Satz, der uns zunächst etwas ratlos zurücklässt:
"Davon kann seit Dienstagnachmittag keine Rede mehr sein."
 Was denn, so fragen wir uns? Hat Putin, der Schlächter von Aleppo, der Vergewaltiger der Krim und der Kriegsfürst in der Ostukraine wieder einmal seine hässliche Fratze und unseren amerikanischen Freunden, das heisst natürlich ausser dem Lügner, Egomanen, Frauenbegrabscher, Populisten, Faschisten und nebenbei und zum Leidwesen aller aufrechten Spiegelredakteure gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, die lange Lügennase gezeigt? Der nächste Satz könnte Aufklärung bringen:
"Russland fliegt wieder massive Luftangriffe auf Ziele in Syrien."
Halt, Moment mal! War nicht in den ersten beiden Sätzen die Rede davon, dass beide Länder, die USA und die Russische Föderation, in Zukunft bei der Terrorismusbekämpfung zusammen arbeiten wollten? Und nun, da der eine Partner dieser Verabredung die Initiative ergreift, und schon mal mit der Bekämpfung islamistischer Terroristen in Syrien anfängt, soll von partnerschaftlichem Dialog und gegenseitigem Respekt schon keine Rede mehr sein? Zumal Russland anscheinend seine Bemühungen noch verstärkt?
"Erstmals sind an den Bombardements auch der in die Jahre gekommene Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" und die Fregatte "Admiral Grigorowitsch" beteiligt. Für den russischen Flugzeugträger ist es der erste Kampfeinsatz überhaupt."
Ist die Behauptung, es sei schon wieder vorbei mit dem partnerschaftliche Dialog und dem gegenseitigen Respekt, ein Versehen? Haben die beiden sich vielleicht einfach nur vertippt?  Nein, die Aufklärung des offensichtlichen Missverständnis folgt ein paar Absätze später:
"Russland geht es in Syrien aber nicht darum, 'den internationalen Terrorismus und Extremismus" zu bekämpfen'. Putins Ziel ist es, seinen Verbündeten Baschar al-Assad an der Macht zu halten - und dafür ist ihm offenbar jedes Mittel recht."
Da nicht anzunehmen ist, dass die beiden oder eine von beiden, vornehmlich dann die neue Korrespondentin des Spiegels in Moskau Frau Christina Hebel, bei den Besprechungen im Kreml einen Stammplatz auf dem Schosse Putins hat, ist zu vermuten, dass die beiden irgendwie gemerkt haben müssen, dass sie schlechten Stoff geraucht haben oder sonst irgendwie durcheinandergekommen sind. Zum Glück hält für solche Fälle "Der Spiegel" für alle seine Redakteure zugängliche Notfallboxen bereit. Darin finden die Verwirrten schön übersichtlich angeordnete Sätzchen, die bei eigener absoluten Ratlosigkeit und fortgeschrittener Verwirrtheit anzuwenden sind. Einer dieser, im übrigen schon öfter verwendeten Sätze lautet:
"Russland geht es in Syrien aber nicht darum, 'den internationalen Terrorismus und Extremismus' zu bekämpfen'. Putins Ziel ist es, seinen Verbündeten Baschar al-Assad an der Macht zu halten - und dafür ist ihm offenbar jedes Mittel recht."
Ehrlich gesagt: Bei einem dermaßen oft benutzten Satz sollten die Satzzeichen mittlerweile korrekt sein. (Beachten sie den willkürlichen Einsatz der Anführungsstriche - "den internationalen Terrorismus und Extremismus" zu bekämpfen").

 Nach diesem kleinen Ausflug in die deutsche Zeichensetzung und das Innere der Spiegelredaktion, zurück zum Text. Wir waren bis zu jener Stelle gekommen, an der die Autoren uns von den verstärkten Anstrengungen Russlands bei der Bekämpfung der islamistischen Terroristen in Syrien durch den erstmaligen Einsatz des einzigen Flugzeugträgers über den die russische Marine verfügt, "Admiral Kuznezow." und der Fregatte "Admiral Grigorowitsch" berichteten. Sie fahren fort in ihren Betrachtungen:
"Das Eingreifen des Flottenverbands zeigt einmal mehr, wie zweifelhaft die Behauptungen des Kreml zum Syrienkrieg sind",
und fügen die Erklärung sofort an:
"Vor knapp drei Wochen hatte das Außenministerium in Moskau noch vehement dementiert, dass die 'Admiral Kusnezow' und ihre Begleitschiffe für Angriffe auf Aleppo genutzt würden. Entsprechende Bedenken der Nato seien 'grundlos' und 'absurd', so Außenamtssprecher Andrej Kelin am 27. Oktober".
Aber leider verstehen wir immer noch nicht. Bisher war von Aleppo überhaupt noch keine Rede. Bisher hiess es lediglich:
"Russland fliegt wieder massive Luftangriffe auf Ziele in Syrien."
Und auch der nächste Satz bringt keine Erklärung:
"Am Dienstag strahlte nun das russische Staatsfernsehen Bilder von Verteidigungsminister Sergej Schoigu aus, der die neuen Luftangriffe verkündete. 'Wir haben heute um 10:30 Uhr bzw. 11.00 Uhr eine große Operation begonnen, bei der Stellungen des 'Islamischen Staats' (IS) und der Nusra-Front in den Provinzen Idlib und Homs massiv beschossen werden', sagte er während einer Besprechung mit Putin in Sotschi."
 Wieder, von Aleppo keine Rede. Vielmehr ist von "Stellungen des 'Islamischen Staats' (IS) und der Nusra-Front in den Provinzen Idlib und Homs" die Rede. Also von der Bekämpfung von islamistischen Terroristen, getreu der Absprache mit den US-Amerikanern und weitab von Aleppo?

 Verwirrung und Ratlosigkeit machen sich breit. Und nicht nur bei den beiden Redakteuren, wie wir schon weiter oben erfahren durften, sondern auch bei der immer mehr irritierten Leserschaft. Ist nun der verstärkte Kampf gegen Terroristen eine die Interessen beider Seiten befriedigende Handlung oder ist es diese dem Slawen in die Wiege gelegte Verschlagenheit, die schon Napoleon und Hitler zum Verhängnis wurde?

 Keines von beidem. Dieses eine Mal wollen wir die zweifellos vorhandene Unehrenhaftigkeit des Slawen im allgemeinen und Putins im besonderen ausser Betracht lassen. Es war lediglich ein kleines Versehen der beiden Schreiberlinge, die in ihrem vorauseilenden Gehorsam die beiden Worte Aleppo und Syrien verwechselten und in der Folge dann die Faulheit der gesamten Redaktion, die entscheidenen Sätze umzuformulieren oder sie ganz einfach zu streichen.

 Aufklärung finden wir ganz am Ende des Artikels. Dort steht nämlich erklärend geschrieben:
"Korrektur: In einer früheren Version des Textes hieß es, das Außenministerium in Moskau habe dementiert, dass der russische Flugzeugträgerverband für Angriffe in Syrien genutzt werde. Die Aussage des russischen Außenamtssprechers Kelin bezog sich aber nur auf Angriffe gegen die Stadt Aleppo. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen."
 Nun ja, scheint man beim Spiegel gedacht zu haben, ob Syrien, ob Aleppo, ob Homs oder Idlib, der IS oder Al Nusra, ist doch eh' alles dasselbe. Wen interesiert schon, welchem Syrer die Bomben um die Ohren oder auf den Kopf fliegen? Hätten sich andere Eltern suchen sollen. Eltern wie die der Spiegel-Schreiberlinge, die ihrer Brut nicht nur ein warmes kuscheliges sicheres zu Hause bieten können, sondern diese auch jahrelang studieren lassen, damit sie dann solchen Blödsinn absondern können.

 Allerdings scheint auch diese Annahme nicht so ganz zu stimmen. Wenigstens die Kopfabschneider von der Nusra-Front scheint der Spiegel von der allgemeinen Interesselosigkeit ausnehmen zu wollen. Beschweren sich die beiden Autoren doch bitter darüber, dass die russischen Kampfbomber besonders die dem Spiegel scheinbar in Freundschaft zugetane Nura-Front unter Beschuss nehmen:
"Die jüngsten Angriffe richten sich vor allem gegen ein islamistisches Rebellenbündnis, das von der Provinz Idlib aus versucht, den Belagerungsring um Ost-Aleppo von außen zu durchbrechen. Die sogenannte Eroberungsfront Syriens, die sich bis Juli dieses Jahres Nusra-Front genannt hatte, ist Teil dieses Bündnisses."
 Es hat den Anschein, dass die Terroristen von al-Nusra irgenwie menschlicher als der IS Köpfe von Körpern wehrloser Gefangener trennen, zumindest wenn man dem Spiegel folgt.

 Aber nicht nur die al-Nusra bekommt die Hinterhältigkeit und den ungebremsten Machthunger des Kremlherrn zu spüren. Auch der Blöd, der in naher Zukunft in die Polster des Oval-Office im Weissen Haus zu Washington pupst:
"Dass Putin nun wieder bombardieren lässt, ist eine Machtdemonstration in Richtung Trump."
Und es ist nicht Christina Hebel, die ich fälschlicherweise auf dem Schosse Putins sitzend vermutete, sondern die ominösen - niemand hat sie je gesehen, niemand kennt ihre Namen - "Kreml-nahen Experten" die
"vermuten, dass der künftige US-Präsident sein Hauptaugenmerk auf innenpolitische Probleme lenken wird. Das legt auch das erste Interview mit Trump nahe, in dem er vor allem über die geplante Abschiebung illegaler Migranten und die Gesundheitsreform sprach."
Es gibt allerdings Hinweise, dass diese "Kreml-nahen Experten" in Hamburg an der Ericusspitze 1 ihren Sitz haben, in dem Glaspalast im mondänen, exclusiven neuen Hamburger Hafenviertel, der zufällig auch die Adresse des Spiegels ist. Denn ganz unaufgefordert und ohne eine zusätzliche Berechnung der Kosten erhalten wir abschliessend noch eine Exclusivmeldung aus dem innersten Zirkel um Putin:
"Putin nutzt nun die verbleibenden Wochen bis Trumps Amtseinführung am 20. Januar, um Fakten in Syrien zu schaffen."
Anmerkung:
 Meine lieben Damen und Herren vom Spiegel, das ständige Deklarieren offensichtlicher Propagandatexte als journalistische Arbeit ist ihrer Leserschaft gegenüber schon erniedrigend genug. Können Sie es nicht dabei bewenden lassen? Oder müssen Sie nun auch noch durch die grenzenlose Dummheit ihrer Texte die Intelligenz ihrer letzten Getreuen verhöhnen?

Donnerstag, 10. November 2016

Hasskommentar des Carsten Luther auf "Zeit-online" - nur Wählerbeschimpfung oder Handlungsanweisung für einen Putsch?

 Es gibt eine alte Weisheit unter den Fußballtrainern dieser Welt: Gib keine Interviews kurz nach einem verlorenen Spiel. Zu gross ist die Gefahr, Dinge zu sagen, die aus der abgeklärten Situation nach einer durchschlafenen Nacht und etwas zeitlichem Abstand, dumm und wenig hilfreich erscheinen.

 Diesen alten Grundsatz hätte sich auch Carsten Luther von "Zeit-online" zu eigen machen sollen. Sein von Enttäuschung und Wut getriebener Kommentar wäre dann vielleicht um einiges disziplinierter und sachlich fundierter ausgefallen. Allerdings muss auch die Frage erlaubt sein, wie ein Artikel, in dem der nächste Präsident der Vereinigten Staaten als ein
"totalitärer Blender und betrügerischer Dilettant, epochales Desaster, sexuell übergriffiger Rassist, pathologischer Lügner, nervöser Egomane, pubertierender Rotzlöffel,  Serienbankrotteur, Rechnungspreller und Steuertrickser, irrationaler, affektgetriebener empathieloser Selbstdarsteller"

bezeichnet wird, überhaupt online gestellt wird, ohne dass er durch die diversen "Filter", die bei der Zeit eingebaut sind, zumindest entschärft worden wäre. Es verwundert ein wenig - es sei denn, diese Hassrede, die als Kommentar getarnt daherkommt, ist von der Leitung der Zeit genauso gewollt worden. Eine Reaktion des Etsablishments auf eine für dieses Klientel ungewohnte Niederlage. Eine Reaktion der wahren Herrscher der Welt, der Banken, der Grossindustrie und der international agierenden Unternehmen.

 Denn ohne Zweifel war Hillory Clinton die Kandidatin derer, die die Welt unter sich aufgeteilt haben. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass Donald Trump der Kandidat der kleinen Leute, der Retter der Unterdrückten und der Entrechteten auf diesem Globus war und nun deren,auf einem Schimmel reitender und das Schwert der Gerechtigkeit schwingender Erlöser ist. Trump hat es nur verstanden, die Wut und die Verzweiflung der Übervorteilten, der ungerecht Behandelten und der Vergessenen für sich zu nutzen.

 Die "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" schrieben am 8. November:
"Die Hälfte von ihnen lebt von Monat zu Monat, ohne jegliche finanzielle Reserve. 56 Prozent aller Amerikaner ist nicht ausreichend kreditwürdig, wie das Time Magazine berichtet. Dennoch stieg die Privatverschuldung in den letzten drei Jahren dort um 22 Prozent an. …Etwa die Hälfte der amerikanischen Hausbesitzer, kann sich die Hypotheken-Raten nicht mehr leisten. …Gleichzeitig nahmen die Kredite aufs Eigenheim im ersten Quartal um 8 Prozent zu. …Hinzu kommt die exorbitante Summe an Studentenkrediten. Insgesamt sind derzeitige und ehemalige US-Studenten mit 1,08 Billionen Dollar verschuldet, wie die Federal Reserve New York berichtet. Davon sind Kredite im Umfang von 124,3 Milliarden Dollar vom Ausfall bedroht, da ihre Tilgung seit mehr als 90 Tagen überfällig ist."
und in einem weiteren Bericht über die Lage der US-amerikanischen Rentner:
"Viele Amerikaner aus den geburtenstarken Jahrgängen erkennen, dass sie für das Alter nicht vorgesorgt haben. Ihre Renten sind mickrig, viele Firmenrenten wegen der Niedrigzinsen sogar in Gefahr. Zugleich haben sich die meisten Mit-Fünfziger bis ins hohe Alter verschuldet und erkennen nun, dass sie bis ans Lebensende für ihren Schuldendienst arbeiten müssen. …Aus einem Bericht der US-Großbank Citigroup geht hervor, dass die Betriebsrenten vieler großer Unternehmen unterfinanziert sind. Bei den 500 Unternehmen des S&P-Index belaufe sich das Gesamtdefizit mittlerweile auf 375 Milliarden Dollar. …Besonders bedenklich sei die Schieflage bei den 25 größten Unternehmen des Index – dazu gehören Konzerne wie General Electric, General Motors, Boeing und Exxon Mobil: hier fehlten 225 Milliarden Dollar an Einlagen zur Bezahlung künftiger Rentenansprüche der Arbeiter.
Die Unterfinanzierung der Betriebsrenten ist eine logische Folge der Ausschüttungs-Politik der meisten betroffenen Firmen. Diese hatten in den vergangenen Jahren nicht nur massiv Aktien zurückgekauft, sondern auch hohe Dividenden ausgeschüttet. Beides kommt den Aktionären der Unternehmen – meist Banken oder andere Großkonzerne zugute – vernachlässigt aber die Bildung von Rücklagen für die Betriebsrenten."
 Diese Menschen fühlen sich übervorteilt und von der Politik allein gelassen. Man hat Hillary Clinton einfach ihren Schwenk hin zu den sozialen Themen, zu einer Politik der sozialen Gerechtigkeit nach ihrem Sieg bei den Vorwahlen über Bernie Sanders nicht abgenommen, ihn als das gesehen was er wohl auch war: Ein taktisches Lippenbekenntnis, um die Sanders-Anhänger hinter sich zu scharen.

 Ist es nur Wut und Enttäuschung über einen schon so sicher geglaubten Sieg bei den Wahlen, oder ist es die Art von Reaktion, die uns in den nächsten Wochen Monaten und vielleicht Jahren erwartet, mit der diejenigen zurückschlagen werden, die sich in ihrem asozial ungerechten und weite Teile der Menschheit entwürdigendem Tun gestört fühlen? Die, die immer Demokratie sagen, wenn alles in ihrem Sinne geschieht, wenn die breite Masse, dumm und verblendet die schmale Bandbreite ihrer Kandidaten, mögen sie sich nun als links oder rechts bezeichnen, wählt und die immer dann Populismus schreien, wenn die Kälber nicht mehr ihren eigenen Schlächter wählen.

 So gibt sich denn auch Carsten Luther gar nicht mehr die Mühe, seine antidemokratische Haltung zu verschleiern. Trump, so wütet er gleich im ersten Satz
"hat es geschafft, sich ins Weiße Haus wählen zu lassen."
So als hätten die Wähler in den USA nur eine Weisung Trumps, ihn zu wählen umgesetzt, statt frei und unabhängig ihre Entscheidung getroffen zu haben. Die Könige in den sich selbst als aufgeklärte Monarchien bezeichnenden Ordnungen des neunzehnten Jahrhunderts liessen Abgeordnete in ihre Scheinparlamente wählen. Und auch Diktatoren von rechts und links bedienten und bedienen sich immer wieder dieser Scheinlegitimation. Nun, so scheint es, zumindest wenn man Luther und der Zeit glauben will, hat der Immobilienmogul Trump, dieser "betrügerische Dilettant" dieser "pubertierende Rotzlöffel,  Serienbankrotteur, Rechnungspreller und Steuertrickser" die grösste und älteste Demokratie der Welt, so hat man uns die USA schliesslich jahrelang verkauft, und auch Luther schwärmt
"von der grossen Demokratie der Vereinigten Staaten",
zu einer Bananenrepublik umfunktioniert, in der die Bürgerinnen und Bürger den Wünschen und Forderungen eines "sexuell übergriffigen Rassisten, pathologischen Lügners und nervösem Egomanen" folgendermassen wählen:
"Indiskutabel für alle, die an Demokratie und Menschenrechte oder wenigstens an den gesunden Verstand der Menschen im Allgemeinen, der Amerikaner im Besonderen glauben."
Dabei war doch alles so einfach, die Wählerinnen und Wähler hätten doch nur tun müssen, was man ihnen gesagt hatte von den Mainstreammedien, den Chefs von Apple, Goldman Sachs, Exxon, Google und den anderen Multimilliarden-Dollar-Unternehmen:
"Verdammt, sie hatten nur einen Job: diesen Mann zu verhindern!"
So sieht es aus, das Demokratieverständnis eines Carsten Luther und der Wochenzeitung "Die Zeit": Die Menschen sollen tun, was ihnen befohlen wird! Statt dessen:
"Trumps fanatische Anhänger interessierte nicht, was wahr und richtig ist",
oder besser gesagt, was ihnen als wahr und richtig eingebläut wurde.

 Wie denn auch? Erstens sind die Menschen, die Trump ihre Stimme gaben, keine Wähler, also nicht so Richtige, so wie Luther und die Zeit sie sich wünschen, sondern "fanatische Anhänger", und zweitens nicht interessiert an der Wahrheit - jedenfalls nicht an der Wahrheit des Carsten Luther und seiner Brötchengeber und diese Wahrheit, das steht mal fest, ist einzig und allumfassend wie die ewige Wahrheit der unzähligen Religionen dieser Welt.

 So sind denn auch Trumps Wähler, die immerhin für die Mehrheit der Wahlmänner stimmten, nicht nur
"fanatische Anhänger ...eines pubertierenden Rotzlöffels"
 sondern sie sind auch
"fraglos Teil eines antidemokratischen Aufruhrs, (…) dessen Antreiber nicht mehr an viel glauben, was einen modernen Staat zusammenhält".
Und als Antidemokraten haben sie sich unzähliger Verfehlungen und Verbrechen schuldig gemacht:
"Sie haben ihm (Trump) zugejubelt, wenn er gegen Minderheiten hetzte. Sie haben geklatscht, wen auch immer er beleidigte, erniedrigte oder lächerlich machte. Sie haben alle Lügen und inhaltlichen Leerstellen ignoriert. ...Einige bereiteten sich am Schießstand auf den Wahltag vor."
 Trumps Wähler haben sich entschieden, zur dunklen Seite der Macht zu wechseln:
"Der Traum von einem Amerika, in dem jeder die gleiche Chance hat, bedeutet ihnen nichts mehr. Ihr entfesselter Hass richtet sich wahlweise gegen Schwarze, Muslime, Hispanics, Frauen, Journalisten – die Liste kann nur unvollständig sein."
 Aber dieser Wechsel von der strahlend hellen Seite, mit den Glaspalästen der Banken, den Milliardengewinnen durch einen Knopfdruck, den Millionenverdiensten, nicht in einem Leben, nicht in einem Jahr, sondern in einem Monat, einem Tag oder gar einer Stunde, der Welt der Villen mit dutzenden Schlafzimmern, Bädern und Swimmingpools, die mehr Wasser verschlingen als ein Mensch in seinem ganzen Leben trinken kann, den privaten Yachten, die grösser sind als ein Fussballfeld führt direkt ins Verderben.
"Sieg oder Untergang – darauf hat Trump seine Anhänger eingeschworen."
Carsten Luther lässt Trump den Hitler machen, der Millionen Menschen Tod, Verderben, Krankheit, Hunger und Tod brachte und für den es auch nur
"Sieg oder Untergang",
gab, denn:
"das ist der Weg aller totalitären Bewegungen."
Man muss kein Freund der Politik des Donald Trump sein, aber man sollte den Willen der Wähler der USA respektieren. Man kann ihre Entscheidung kritisieren. Wer sich allerdings zu einer solchen Reaktion wie Carsten Luther hinreissen lässt, der ist um keinen Deut besser als der so vehement Populist gescholtene Trump.

Dienstag, 1. November 2016

Ein kleines Beispiel für die Wahrheitsliebe und das Verantwortungsbewusstsein deutscher Qualitätsblätter

 Grosse Aufregung herrschte vor knapp einem Jahr, Anfang November 2015, im deutschen Blätterwald. Den üblichen Hetzern und Verschwörungstheoretikern bescherte der Tod des ehemaligen Beraters der russischen Präsidenten Medwedew und Putin, Gründers des Senders Russia Today und Pressechefs von Gazprom Michail Lesin (oder Lessin) in einem Hotel in Washington reihenweise feuchte Träume.

 Ein toter Russe aus dem weiteren Dunstkreis Putins in einem Hotelzimmer in der Hauptstadt des Erzfeindes USA, noch dazu mit Verletzungen an Kopf, Hals Oberkörper und Extremitäten, ein Geschenk von der Sorte, die es nur gibt, wenn Ostern und Weihnachten zusammenfallen.

Die Süddeutsche titelte:
"Ex-Putin-Berater Lessin starb gewaltsam",
das Handelsblatt:
"Früherer Putin-Berater Lessin starb gewaltsam", 
Spiegel online sah sich gar genötigt, sich am gleichen Tag, dem 11. März 2016, gleich zweimal dem Thema zu widmen. Meldete das ehemalige Nachrichtenmagazin am Morgen um 10:59 Uhr noch für Spiegel-Verhältnisse vergleichsweise neutral:
" US-Gutachten - Putin-Berater Lessin kam gewaltsam ums Leben",
so hatte um 18:18 der damalige Moskauer Korrespondent Benjamin Bidder sein in aller Eile zusammengeschmiertes Propagandaelaborat fertiggestellt und Spon konnte, bereits das Ergebnis der Untersuchung der Us-amerikanischen Ermittlungen vorwegnehmend, verkünden:
"Mord an Putin-Berater - Der mysteriöse Tod des Bulldozers",
während man bei Zeit-online, wenigstens noch in der Überschrift Seriosität vortäuschend, allerdings sechs Stunden, um 12:17 Uhr, vor Spiegel-Bidder fragte:
"Warum starb Michail Lessin",
näherte man sich im Text dann aber dem so sehr herbeigewünschten Untersuchungsergebnis, zwar immer noch in eine Frage gekleidet, schon etwas mehr an:
"Wurde Lessin zu Tode geprügelt? …war sein Tod geplanter Mord?"
 Um den Eindruck, hier sei eine Verschwörung im Gange, zu untermauern, war man sich bei der "Zeit" auch nicht zu schade, seinen Leserinnen und Lesern eine dicke Lüge aufzutischen:
"Warum sie so lange brauchten, um das herauszufinden, dazu geben die Behörden keine Auskunft."
 Das ist schlichtweg falsch. Und dieser Umstand kann dem oder den Autoren, die es vorzogen, lieber nicht als solche benannt zu werden, auch nicht entgangen sein, denn die Washington Post berichtete bereits einen Tag, bevor Zeit-online seine wüste Mord-und-Totschlaggeschichte ins Netz stellte:
"Ein Beamter des D.C. Medical Examiner’s Office sagte, dass die Sektionsbefunde eine ungewöhnlich lange Zeit in Anspruch nahmen, weil Beamte Drogentests abgewartet hätten, und die Ergebnisse einem Peer-Review unterzogen hätten, ein Schritt, der nur in besonderen Fällen Anwendung fände"
 Ein Peer-Review, so wurde es am 24. März hier in diesem Blog bereits erklärt, ist ein Kreuzgutachten zur Qualitätsicherung bei wissenschaftlichen Publikationen und kann sich oftmals über Monate hinziehen.

 Dass der unwahrscheinliche Fall eingetreten war, die Redaktion von Zeit-online habe den Artikel der Washington Post nicht gelesen, widerlegt das Blatt selbst. In dem bereits am frühen Morgen online gestellten Artikel:
"Früherer Putin-Berater starb an Kopfverletzungen",
zitiert "Zeit online" selbst aus der Post. Allerdings ist der einzige Satz des gesamten Artikels, der sich für die Verschwörungsgeschichte der "Zeit" eignet, wenn man ihn denn aus dem Zusammenhang reisst:
"Ein Sprecher (der Polizei) wollte laut Washington Post nicht sagen, ob es sich bei der Gewalteinwirkung um ein Verbrechen gehandelt habe."
 Es ist, aus Sicht der "Zeit" durchaus verständlich, warum man die werte Leserschaft nach Strich und Faden belügt, wenn man ihr Erkenntnisse vorenthält, die ebenfalls von der Washington Post recherchiert, allesamt daraufhindeuteten, dass der schwer alkoholkranke Lesin sich zum Zeitpunkt seines Todes schon mehrere Tage auf einer exessiven Sauftour befunden hatte.

 Welchen Propagandawert hat schon der Tod eines alkoholkranken Russen?  Wenn hingegen der durch Andeutungen und Vermutungen genährte Verdacht eines Mordes vorliegt, dazu auch noch begangen durch die "Schergen" Putins, da weiss der deutsche Qualitätsjournalist, was er zu machen hat.

 Hier im "Spiegelkabinett" wurde bereits im März, in Abwägung aller zugänglichen Informationen der übermässige Alkoholgenuss Lesins als Todesursache für die wahrscheinlichste aller Todesursachen vermutet:
"In einem Washingtoner Hotel ist Michail Lesin höchstwahrscheinlich an den Folgen seiner akuten Alkoholsucht gestorben."
 Eine Sichtweise, die nun die Behörden in Washington amtlich bestätigten. So musste denn auch "Die Zeit" zähneknirschend in einigen dünnen Worten berichten:
"Behördenvertreter sagten, im Zuge der einjährigen Ermittlungen seien Zeugen befragt, Videoaufnahmen analysiert und andere Beweise gesichtet worden. Demnach sei der am 5. November 2015 gestorbene Lessin gestürzt, als er alleine auf seinem Zimmer gewesen war. Zudem habe er eine Alkoholvergiftung gehabt. In den Tagen zuvor habe sich der 57-Jährige häufig betrunken."
 Nun hätte man sich bei seiner Leserschaft für die wilden Spekulationen, die falsche Berichterstattung und das böswillige Unterschlagen von Fakten im März dieses Jahres entschuldigen können, und der Fall wäre gegessen.

 Nicht so "Die Zeit". Dort scheint man, dem Dünkel der Edelfedern entsprechend, nachdem sich ein Qualitätsjournalist niemals und unter gar keinen Umständen irrt und entsprechend dem Grundastz
§ 1. Die Zeit hat immer Recht
§ 2. Sollte dies einmal nicht zutreffen, so tritt automatisch § 1 in Kraft
zu verfahren.

 So nährt "Die Zeit" denn auch weiterhin, entgegen allen Fakten, die Verschwörungstheorie:
"Es bleibt abzuwarten, ob die von den Behörden veröffentlichten Ermittlungsergebnisse die Spekulationen tatsächlich beenden",
und zitiert David J. Kramer, den Senior Director for Human Rights and Democracy, am "McCain Institute for International Leadership".  Ein "Thinktank" der seine Daseinsberechtigung aus der uneingeschränkten Kriegshetze gegen die Russische Föderation bezieht und zu dessen Finanziers die Sklaventreiber von Wal Mart, die Botschaft des Kopf-Abschneider-Staates Saudi-Arabiens, der von seinen Kollegen ob seiner Skrupellosigkeit bewundernd "Aasgeier" genannte Hedgefondmanager Paul E. Singer und einmal mehr die deutsche Daimler AG gehören:
"Angesichts der Anzahl der Morde von Putin-Kritikern und anderen wie Lessin, die über die inneren Zirkel des Kreml Bescheid wissen, ist es schwer, Fremdeinwirkungen auszuschließen."
 Eine solch unqualifizierte und durch rein gar nichts gestützte Aussage kann niemanden verwundern, der sich einmal mit dem beruflichen Werdegang des Herrn Kramer auseinandergesetzt hat. Kramer war acht Jahre im State Department für George W. Bush tätig. Zuvor war er Senior Fellow des Projekts "The New American Century", praktisch die Geburtsstätte der Neocon-Bewegung in den USA. Hier wurde weit vor dem 11. September bereits der Irak-Krieg geplant. Er war leitender Mitarbeiter fast aller neokonservativen US-Thinktanks: Dem Carnegie Endowment for International Peace, dem Center for Strategic and International Studies, Freedom House, German Marshall Fund of the United States, dem Halifax International Security Forum, dem Center for Strategic and International Studies und dem George W. Bush Presidential Center’s Human Freedom Project. In der Tat ein objektiver Beobachter.

Aber "Die Zeit" scheut weder Kosten noch Mühen und ruft sogar noch einen zweiten Zeugen auf:
"Auch Paul Royel von National Strategies, einem Thinktank aus Washington, sagte, der Verdacht auf eine russische Verwicklung in den Tod Lessins sei nicht ganz ungerechtfertigt. Er wisse nicht, ob es ein Unfall war oder nicht. 'Aber das Ganze ist sicherlich merkwürdig.'"
 In ihrem Belastungseifer sind den Qualitätsjournalisten der "Zeit" dabei nur zwei klitzekleine Fehler unterlaufen. In Washington gibt es weder einen Paul Royel noch einen Thinktank namens "National Strategies".

 "Die Zeit" zitiert hier in fast wörtlicher Übersetzung aus  einem Artikel der "New York Times" vom 28. Oktober, der sich wiederum auf die Nachrichtenagentur "AP" bezieht. Der Verdacht über eine russische Beteiligung am Tod Lesins sei nicht unberechtigt:
"Ob es ein Zufall ist oder nicht, weiß ich nicht, aber es ist sicher seltsam",
sagt dort ein gewisser Paul Joyal, der geschäftsführende Direktor für öffentliche Sicherheit und Staatssicherheit in der in Washington ansässigen Beratungsfirma National Strategies Inc.

 Recherche á la "Zeit": Die hochbezahlten Herrschaften in den Redaktionsstuben des Wochenblattes sind scheinbar intellektuell nicht einmal fähig, einen kurzen Namen abzuschreiben, noch kennen sie  den Unterschied zwischen einem Thinktank und einer Beratungsfirma. Dafür aber verstehen sie es umso besser, die Wahrheit zu verdrehen: Hauptsache der Russe war's!

"Der Spiegel", der sich im März, vertreten durch seinen Moskau-Korrespondenten Benjamin Bidder schwer in das Thema gehängt hatte und der weiträumig Unterstellungen und Verdächtigungen streute bis zu der oben zitierten Behauptung, Lesin sei ermordet worden, will plötzlich nichts mehr von seinen wilden Spekulationen wissen. Es waren, wie bei unreifen Pennälern, die etwas ausgefressen haben, wie immer die anderen.

 So hat nicht etwa der unsägliche Schreiberling Bidder von Mord geredet. Nein. die Amis waren's:
"Im Frühjahr hatten US-Behörden noch mitgeteilt, Lesin sei im Hotel erschlagen worden."
Und nicht etwa "Der Spiegel" hatte behauptet, Lesin wolle sich scheinbar in die USA absetzen und sei somit in Moskau zum Abschuss freigegeben worden. Die Russen selbst, so schreibt ein unbekannter Autor mit dem Kürzel"mja"bezugnehmend auf die Nachrichtenagentur "Reuters", seien Urheber der Falschmeldung:
"Sein früherer (Lesins) Rivale bei Gazprom-Media, Alexej Wenediktow, glaubte, dass Lesin die Krebs-Geschichte nur erfunden habe: Lesin habe sich nach Amerika absetzen wollen."
 Nicht einmal für eine Richtigstellung und eine Entschuldigung bei den Leserinnen und Lesern haben "Der Spiegel" und sein Redakteur Benjamin Bidder genug Arsch in der Hose.

Übrigens - allen anderen Blättern, die noch im März über den von russischen Dunkelmännern kaltblütig erschlagenen Lesin berichteten, ist ihre Leserschaft nicht einmal eine Erwähnung des offiziellen Untersuchungsergebnis aus Washington wert.

Freitag, 21. Oktober 2016

Unser täglich Manipulation gib uns heute - Der Tagesspiegel zum Besuch Putins in Berlin

 Wie ein kleiner, unschuldig daherkommender Artikel im Tagesspiegel, vollgestopft mit Manipulationen, Halbwahrheiten und unbelegten Behauptungen, dem grossen Ganzen dient.

 Unerhörtes hat sich abgespielt, gestern im Berliner Regierungsviertel. Jedenfalls wenn man dem Tagesspiegel Glauben schenken will. Denn der hatte festgestellt, dass der russische Präsident in seinen Bestrebungen, Deutschland zu unterwandern und die hier herrschende freiheitlich-demokratische Grundordnung und den damit einhergehenden westlichen Wertekanon bloßzustellen, einmal mehr erfolgreich war. Putin, so musste der erschreckte Leser dieses Qualitätspresseerzeugnisses lesen, schickt nicht nur seine Trolle, hetzt die Gemeinde der Deutschrussen auf und paktiert ganz offen mit der AFD, die, eine andere Nachricht des gleichen Blattes, von der Tagesschau ab sofort nun nicht mehr permanent als rechtspopulistisch bezeichnet wird, sondern greift neuerdings höchstselbst in das unmittelbare Leben der Bewohner unserer Hauptstadt ein.
"Putin legt das Regierungsviertel lahm"
berichtet eine gewisse Melanie Berger. Den Namen sollte man sich merken. Berger beim Tagesspiegel, bisher ausschliesslich für Nachrichten im kommunalen Teil des Blattes zuständig, scheint ein Händchen für das richtige - neuhochdeutsch - wording, zu haben und empfiehlt sich dadurch für höhere Aufgaben.

 Es ist schon hohe Kunst, aus einem für die Berliner geradezu alltäglichen Ereignis, zeitweilig gesperrten Strassen und U- und S-Bahnstationen und den daraus sich ergebenden Verkehrsstörungen mit so viel Feingefühl für unterschwellige Propaganda und einem gerüttelten Mass an Chuzpe einen nahezu faktenlosen Bericht hochzustilisieren.

 Aber spielen Fakten überhaupt noch eine Rolle in der täglichen journalistischen Arbeit? So wurde im Tagesspiegel offensichtlich die Tatsache, dass ausser Putin auch noch der französische Staatspräsident Hollande und das Hündchen der US-Neocons, der ukrainische Präsidentendarsteller Poroschenko nach Berlin eingeschwebt waren, völlig unter den Tisch gekehrt. Wichtig war die Botschaft: An allem Ungemach ist Putin schuld:
"Im Regierungsviertel sind U-Bahnhöfe gesperrt, gepanzerte Fahrzeuge fahren auf. Der Grund ist der Besuch des russischen Präsidenten Putin." 
 Fakten, so scheint's, haben in der öffentlichen Berichterstattung eher nur mehr eine zweitrangige Bedeutung. Es geht immer mehr um Emotionen. Emotionen, die die Menschen von der Faktenlage ablenken sollen, damit die Interessen der wahren Herrscher der Welt, der Rüstungsindustrie, der Wallstreet, des "Big Money" besser umgesetzt werden können. So brachte es der Tagesspiegel denn auch fertig, direkt unter die völlig irreführenden Überschrift, das Bild eines anscheinend blöde feixenden Putins zu plazieren.

Sreenshot: Tagesspiegel

 Beides, Bild und Überschrift sollen beim Betrachter das Gefühl erzeugen oder vertiefen, es bei Putin mit einem sehr unangenehmen Zeitgenossen zu tun zu haben, der sich dreist herausnimmt, in unserem Land unsere Regeln zu missachten und sich darüber auch noch köstlich zu amüsieren. Natürlich wird das nicht offen ausgesprochen. Klopft man aber einmal den Artikel nach übermittelten Fakten ab, so ergibt sich ein erschreckendes Bild. Wenn denn überhaupt einmal konkrete Orte genannt werden (durch das nur durch Gedankenstriche getrennte Aneinanderreihen hier genau dreier Orte wird der Eindruck einer grossen Reihe vermittelt):
"U-Bahnhof Bundestag - geschlossen. U-Bahnhof Brandenburger Tor - geschlossen. S-Bahn-Ausgang Pariser Platz - geschlossen. Die U55 ist damit komplett eingestellt, "
werden diese spärlichen Tatsachen gleich mit einem Emotionen weckenden Hinweis auf Unannehmlichkeiten für die Betroffenen verbunden:
"wer von der S-Bahn zum Brandenburger Tor möchte, muss Umwege laufen",
und der dafür angeblich Schuldige beim Namen benannt:
"Grund ist der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin."
 Das gleiche Spiel wiederholt sich mehrfach:
"Im Regierungsviertel, rund ums Brandenburger Tor und die russische Botschaft herrscht Ausnahmezustand." 
Zunächst eine, wenn auch dürre Meldung (rund ums Brandenburger Tor, eine äusserst unpräzise Ortsangabe) mit dem versteckten aber eindeutigem Hinweis auf die Verantwortlichen (die russische Botschaft). Danach werden Emotionen geweckt (herrscht Ausnahmezustand). Darauf erfolgt eine Aufzählung von, so wird unterschwellig induziert, Ungeheuerlichkeiten:
"In der Wilhelmstraße fahren Panzerwägen auf, Anwohner kommen kaum in ihre Häuser, Sicherheitsbeamte leuchten in jeden Gulli",
die anschliessend, ganz im Stil der Bildzeitung, mit einem ganz persönlichen Schicksal verbunden, und für die nicht betroffenen, unbeteiligten Leserinnen und Leser konkretisiert und so unmittelbarer und leichter nachvollziehbar gemacht werden:
"Ein Tagesspiegel-Redakteur befürchtet, dass ihn wegen der ganzen Sicherheitsvorkehrungen sein Sohn an seinem heutigen Geburtstag gar nicht besuchen kann."
 Es scheint sich etwas aussergewöhnlich dramatisches abzuspielen in der Deutschen Hauptstadt. Selbst die an Staatsbesuche und an die mit diesen verbundenen Sicherheitsmassnahmen gewöhnte Berliner Polizei scheint ob der Ausserordentlichkeit dieses Mal ratlos:
"Welche Maßnahmen getroffen werden, welche Straßen wann und wie lange gesperrt sind und wann man wieder am Pariser Platz aus der S-Bahn aussteigen darf, kann die Berliner Polizei nicht sagen."
 Der Kommentator "ralffrh" scheint allerdings andere Erfahrungen gemacht zu haben,als Polizei und Tagesspiegel:
"'Bis etwa 22 Uhr wird es kurzfristige Sperrungen auf der Straße des 17. Juni, der Dorotheenstraße, in der Ebertstraße, der Scheidemannstraße, der Paul-Löbe-Allee, der Yitzhak-Rabin-Straße, der Heinrich-von-Gagern-Straße, am Pariser Platz, und der Wilhelmstraße geben.'
Also alles wie immer.
'Welche Maßnahmen getroffen werden, welche Straßen wann und wie lange gesperrt sind und wann man wieder am Pariser Platz aus der S-Bahn aussteigen darf, kann die Berliner Polizei nicht sagen.'
Zum einen sagt die Polizei das nie, zum anderen, es ist nur ein Ausgang am Pariser Platz gesperrt, also auch wie immer."
 Der Tagesspiegel besteht allerdings darauf,  dass Putin den Berlinern exorbitante Schwernisse auferlegt und belegt diese Behauptung mit der Beobachtung einer scheinbar grossen Anzahl von Berliner Bürgerinnen und Bürgern, ohne allerdings die Anzahl genauer zu benennen:
"Berlin hat schon viele Staatsbesuche gesehen, aber der Besuch des umstrittenen Putin fällt selbst den abgeklärten Berlinern als etwas Besonderes auf."
 So scheint das einzig Besondere zu sein, wie es dem Tagesspiegel gelingt, durch das auf Putin bezogene Adjektiv "umstrittenen", das hier durch keinerlei Fakten belegt oder begründet wird (Putin ist gänzlich unumstritten der Präsident der Russischen Föderation und als solcher Gast von Bundeskanzlerin Angela Merkel) einmal mehr von der eigentlichen Story abzulenken und Emotionen gegen Putin zu schüren.

 In dem fast schon missionarischem Eifer, der Welt klar zu machen, dass Alles und Jedes Ungemach einzig vom russischen Präsidenten ausgeht, scheint der Autorin ganz zu entgehen, dass der Sicherheitsaufwand anlässlich des US-amerikanischen Präsidenten Obama in Berlin vor drei Jahren erheblich grösser war. Der Kommentator "Schenkelklopfer" zitiert unter anderem aus einem Spiegel online-Bericht von Severin Weiland vom 19. Juni 2013:
"...Vor dem Potsdamer Platz stehen die grünen Räumpanzer der Landespolizei, alles ist weiträumig abgesperrt. Wer zur Arbeit muss, wird streng kontrolliert. Die Menschen ertragen es mit Geduld. Alltag? Gibt es heute nicht. Schließlich steht am Rande des Platzes das Hotel Ritz-Carlton, in dem Barack Obama und seine Familie Quartier bezogen haben. Auf den Dächern rund um die Gebäude sind Scharfschützen postiert. Nichts wird hier dem Zufall überlassen. Es herrscht Sicherheitsstufe 1+. Rund 8000 Polizisten der Länder und des Bundes sind im Einsatz - aus Berlin, aus dem Osten und Süden der Republik. Fahrzeuge mit Leipziger Kennzeichen sind in der Wilhelmstraße zu sehen. Auf dem Pariser Platz, auf dem Obama am Nachmittag geredet hat, plaudern Männer und Frauen auf Schwäbisch - Polizeibeamte aus Baden-Württemberg."
 Und er hätte noch weiter zitieren können:
"Seit Tagen wurden Anwohner und Angestellte vorgewarnt. Am Pariser Platz dürfen in den Büros - auch die des Spiegel und von Spiegel online - die Fenster nicht geöffnet werden. Die Vorschriften gelten auch für die Bürger, die rund um das Charlottenburger Schloss wohnen, wo Obama am Abend auf Einladung der Kanzlerin zum Abendessen erscheint. Wer hier wohnt, kann nur mit Eskorte der Polizei zu seiner Wohnung oder diese verlassen."
 Aber es handelt sich ja hier nur um den Besuch des "umstrittenen Putin" und nicht um den Friedensnobelpreisträger und mächtigsten Mann der freien Welt Barack Obama. Der Unterschied ist gravierend, denn wie Spiegel online damals schrieb:
"Alle wissen: Dies ist ein besonderer Tag. Ein US-Präsident kommt nicht alle Jahre in die deutsche Hauptstadt."
 Und so ist denn auch die Befindlichkeit eine ganz andere:
"Berlin, das zeigt auch dieser Besuch, kennt sich mit Großlagen aus. Und reagiert gelassen. Es ist ja auch nur für 25 Stunden",
weiss der Spiegel im Juni 2013. Was sind schon 25 Stunden gegen die Last, eines Putinbesuchs bei dem es in ca. 6 Stunden
"kurzfristige Sperrungen auf der Straße des 17. Juni, der Dorotheenstraße, in der Ebertstraße, der Scheidemannstraße, der Paul-Löbe-Allee, der Yitzhak-Rabin-Straße, der Heinrich-von-Gagern-Straße, am Pariser Platz, und der Wilhelmstraße geben"
wird.

 Aber wer will den Besuch des Heilands aus Washington mit dem Besuch des Finsterlings aus dem Kreml vergleichen, dem schnell noch, Melanie Berger kennt ihre Pflichten und weiss um ihre Chance, sich einen Namen zu machen und ihre Karriere durchzustarten, seine Verfehlungen nachgeworfen werden:
"die Bombardierung des syrischen Aleppo durch die Russen, den Konflikt mit der Ukraine und die Verfolgung der Krim-Tataren."
Welch ein Finsterling da den Berlinern so viel Ungemach bringt, davon weiss Bergers Chef, der etwas misslungene Sohn des grossen Journalisten Claus-Hinrich Cassdorff,  Stephan-Andreas Casdorff zu berichten, wenn er davor warnt, wie gut Putin der deutschen Sprache mächtig ist:
"Wie gut, davon könnten seine Dolmetscher erzählen, wenn sie dürften und nicht fürchten müssten, anschließend nach, sagen wir, Sibirien versetzt zu werden."
 Sicher keine grosse Sache, dieser "Bericht" über den Besuch Putins in Berlin. Aber er zeigt einmal mehr auf, wie selbst nebensächlich erscheinende Ereignisse wie die kurzzeitige Sperrung von U- und S-Bahnstationen oder Strassen im Berliner Regierungsviertel von den "Qualitätsmedien" dazu genutzt werden, die Bürger zu manipulieren und sie zu einer ganz bestimmten Betrachtungsweise der politischen Geschehnisse zu verleiten. Die Methode: Steter Tropfen höhlt den Stein!

 Dabei ist es wichtig, die gleiche Botschaft immer und immer wieder zu wiederholen, und dieses Trommelfeuer auf die Gehirne der Menschen muss dabei aus allen Richtungen auf sie einprasseln, damit sie keinen Absender mehr verorten können und so annehmen, diese Botschaften seien allgemein verbindliches Wissen.

 Umstände, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben, werden immer wieder in einen kausalen Zusammenhang gebracht. So ist die Tatsache , dass ein Sohn daran gehindert wird seinen Vater zu dessen Geburtstag zu besuchen darauf zurückzuführen, dass Putin, der Kindermörder von Aleppo, mit seiner Soldateska in Berlin einfällt.

 Dabei spielen die Fakten überhaupt keine Rolle. Die Tatsache, dass Putin am 19. Oktober 2016 zu einem Kurzbesuch in Berlin war und es dabei zu kurzfristigen Verkehrsbehinderungen gekommen ist, ist bereits nach ein paar Wochen vergessen. Das unangenehme Gefühl aber, das Melanie Berger zu erzeugen beabsichtigt, bleibt latent bestehen. Man weiss gar nicht mehr warum, aber im Unterbewussten verbindet sich mit dem Namen Putin, natürlich nicht nur durch diesen Artikel, aber in der Summe der Artikel mit immer der gleichen Tendenz, eine Ablehnungshaltung. Nicht nur gegen den Mann, sondern auch gegen das Land, das er repräsentiert - Russland. Eine Abneigungshaltung, die uns dazu verführt, Sanktionen und eventuelle kriegerische Handlungen gegen Putin und Russland eher als gerechtfertigt anzusehen, als diese abzulehnen.

 Ein Umstand, der es überflüssig macht, unmittelbaren Zwang auf die Menschen auszuüben, um bestimmte, eigentlich verfemte Handlungen wie zu Not und Elend führende Sanktionen oder Krieg durchzuführen. Alle scheinen einverstanden. Die Illusion der Demokratie bleibt gewahrt.



 

Dienstag, 18. Oktober 2016

Demokratie? - Längst abgeschafft!

 Drei Nachrichten von gestern - drei Nachrichten, die Auskunft geben über den Zustand unserer Demokratie:
"Ecuador kappt Wikileaks den Zugang zum Internet"
"Wallonen: Offener Druck, um Widerstand gegen CETA zu brechen"
"Alle RT-Konten in Großbritannien aufgelöst"
Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass diese Meldungen in den Mainstream-Medien nicht oder nur sehr eingeschränkt zu finden sind. Ein Umstand, der fast schon für eine vierte Skandalmeldung ausreichen würde:
"Demokratie? - Längst abgeschafft!"
Beginnen wir mit der letzten der drei Überschriften. Die "National Westminster Bank", eine Tochter der "Royal Bank of Scottland", hat dem russischen Sender "Russia Today" (RT) sämtliche Konten zum 12. Dezember gekündigt. Die Begründung:
"Wir haben vor kurzem die Bedingungen Ihrer Zusammenarbeit mit uns überprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir diese Einrichtungen nicht mehr bereitstellen werden."
Eine weitere Erläuterung - Fehlanzeige.

Sreenshot Sputnik

  Die Kontokündigung muss als vorauseilender Gehorsam der Bank gegenüber der britischen Regierung gesehen werden. Hatte doch der britische Aussenminister, der noch vor Monaten wegen seines Engagement für den Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der EU, in den Mainstreamblättern ob seines wüsten Haarschnitts und seiner ungepflegten Kleidung verhöhnte Boris Johnson kurz zuvor in schönster Eintracht mit dem US-amerikanischen Aussenminister Kerry neue Sanktionen gegen Russland gefordert.

 Da scheint man sich in der "Royal Bank of Scottland" gedacht zu haben, dass es für die Geschäftsentwicklung sicherlich nicht von Schaden sein könnte, wenn man den Russen die Konten dicht macht. So könnte eine unbeliebte und unbequeme Stimme elegant und ohne sich des Vorwurfs der Zensur auszusetzen, zum Schweigen gebract werden. Während die britische Premierministerin Theresa May ihre Hände in Unschuld wusch:
"Es ist eine Sache für die Bank, und es ist an ihr zu entscheiden, wem sie Dienstleistungen auf der Grundlage ihrer eigenen Risikobereitschaft bietet",
frohlockte die BBC:
"Russische Medien haben vor kurzem Einzug in das Vereinigte Königreich gehalten."
so zum Beispiel auch:
"die staatlich finanzierte Nachrichtenagentur Sputnik, die im August in Edinburgh eingerichtet wurde".
Denn diese
"sendet Live-Sendungen aus Schottland. Sie behauptet, dass es ihr Ziel sei, dem schottischen und britischen Publikum das Unerzählte zu erzählen 'telling the Untold' -  derweil Kritiker behaupten, dass Sputnik als ein Sprachrohr des Kremls fungiert."
Und auch
"RT, das vom Kreml geleitet wird, dem zuvor eine verzerrte Berichterstattung vorgeworfen worden war".
Der US-amerikanische Filmregisseur Oliver Stone scheint das ein wenig anders zu sehen:
"Man hält Sie für Propagandatreiber, wenn ich aber die Londoner Zeitungen lese, frage ich mich, wer hier der Propagandist ist? Ich glaube, es geht hier um einen Informationskrieg. Es ist bedauerlich, dass die Wahrheit geopfert wird".
 Man mag über RT denken wie man will, aber nichts rechtfertigt das Mundtotmachen einer divergierenden Meinung. Das wissen natürlich auch May und Johnson, aber was will man machen, wenn sich eine Bank ihr Recht vorbehält, sich ihre Kunden auszusuchen.

 Der britischen Regierung dürfte allerdings gerade zum jetzigen Zeitpunkt das Verstummen einer grundsätzlich oppositionellen Stimme in den Medien entgegenkommen. Der Grossangriff auf die unter Besatzung durch den IS stehenden irakischen Grossstadt Mossul dürfte im Laufe der Kampfhandlungen zu gewaltigen Opfern unter der Zivilbevölkerung, ähnlich wie im syrischen Aleppo führen, da der IS ebenso wie die al-Nusra-Font seine Stellungen in Wohnvierteln, Krankenhäusern und Schulen einrichtet.

 Es steht für die Briten zu befürchten, dass RT im Fall von "Kollateralschäden", wie sie die Vertreter der öffentlichen Meinung schon einmal prophylaktisch ankündigen, mit dem Finger auf die USA und Großbritannien zeigen wird.

 Margarita Simonjan, Chefredakteurin von RT kommentierte die Vorgänge mit Zynismus:
"Gelobt sei die Meinugsfreiheit!"
 Auch in der zweiten Geschichte über die Meinungsfreiheit im freiheitlichen Westen hat allem Anschein nach eine Bank die Finger im Spiel. Wenige Stunden, nachdem Wikileaks eine weitere Charge angeblich verschwundener E-Mails der US-Präsidentschaftsbewerberin und ehemaligen Aussenmisterin der USA Hillary Clinton veröffentlicht hatte, unter anderem mit den Reden Clintons bei Goldman Sachs, wurde der Internetanschluss des seit vier Jahren in der Botschaft Ecuadors festsitzenden Gründers der Enthüllungsplattform Julian Assange gekappt.

 Zunächst meldete WikiLeaks auf Twitter:
"Julian Assange 's Internet-Link wurde absichtlich von Seiten eines Staats gesperrt. Wir haben die entsprechenden Notfallpläne aktiviert."

Screenshot Wikileaks

Kurze Zeit später dann:
"Wir können bestätigen, dass Ecuador die Internetverbindung von Herrn Assange am Samstag um 17.00 Uhr GMT gekappt hat, kurz nach Veröffentlichung der Reden von Frau Clinton bei Goldman Sachs."
Screenshot Wikileaks

 Die ganze Geschichte gewinnt an Brisanz durch die Tatsache, dass Ecuador 2014 seine Goldreserven an Goldman Sachs verpfändet hatte um an Bares zu kommen. Auf der Online Pattform von Bloomberg rätselte damals George Gero, Vizepräsident und Edelmetallstratege in New York bei RBC Capital Markets:
"Es ist nicht klar, was Goldman Sachs mit dem Goldbarren zu tun plant. Es ist wirklich eine rätselhafte Transaktion".
 Nun wissen wir es. Es kann ja nicht schaden wenn man der zukünftigen Präsidentin der USA einen kleinen Gefallen tut. Wenn man schon nicht in der Lage ist, Assange mittels einer Drohne zu töten, wie Clinton es angeregt haben soll, so kann man ihn zumindest mittels einer kleinen versteckten Drohung Richtung Ecuador mundtot machen.

Während der US-Journalisten Doug Henwood vor Clinton in einem Interview mit der "Welt" warnt:
 "Hillary Clinton wird sehr aggressiv vorgehen",
und:
"Die E-Mails geben mir Recht. Sie ist eine Kreatur des Status quo. Sie dient der Wall Street und der militärischen Macht",
möchte die US-amerikanische Schauspielerin Jamie Lee Curtis, die in so epochalen Werken der Filmgeschichte wie "Prom Night – Die Nacht des Schlächters" und "Monster im Nachtexpreß" glänzte, am besten gleich das lästige Wählen abschaffen:
"Ich glaube, dass Worte und Taten wichtig sind. Dass unser nächster Präsident nach Qualifikationen, Taten, Wirksamkeit und Worten gewählt werden sollte. Das lässt unsere Abstimmung unnötig erscheinen".
Unerwartete Unterstützung erhielt Clinton auch aus dem münsterländischem Ort Ochtrup. Denn einen bisher nicht für möglich gehaltenen Höhepunkt der Clintonmania in der hiesigen Presse setzte "TB - Tageblatt für den Kreis Steinfurt". Das wusste unter der Überschrift:
"Ochtruper halten es eher mit Hillary Clinton",
nämlich zu berichten
"Auch die Ochtruper sind sehr interessiert an der Entscheidung darüber, wer am 8. November die Nachfolge von Barack Obama als neues Staatsoberhaupt der USA antreten wird."
So findet z.B.:
"Jorn ten Bruggecate, Fischhändler auf dem Ochtruper Wochenmarkt, (…)  dass die 68-Jährige vertrauenswürdig ist".
 und auch Yvonne Böwing findet etwas. Nämlich das:
"Donald Trump aufgrund seiner frauenfeindlichen Äußerungen sehr unsympathisch. Deshalb sollte Hillary Clinton gewinnen".
Dem pflichtet Hermann Kemper, der Wurst- und Käsewaren auf dem Pottbäckerplatz verkauft, auf die Vernunft der Wähler vertrauend, zu:
"Wenn die amerikanischen Wähler vernünftig sind, wählen sie Hillary Clinton".
In der südlichsten der belgischen Provinzen, der Wallonie, hat man derweil zur Zeit ganz andere Sorgen. Das kleine francophone Völkchen der Wallonen hatte es gewagt, in seinem Regionalparlament das Handelsabkommen mit Kanada CETA abzulehnen. Bleiben die Wallonen bei ihrer Meinung, ist das Abkommen geplatzt, da Belgien dann nicht zustimmen kann und das Abkommen von allen EU-Staaten unterschrieben werden muss.

 Weil aber nicht sein kann, was nicht sein darf, setzt man nun deren Regionalpräsidenten Paul Magnette brutal unter Druck, wie die "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" berichten:
"'Dies ist ein sehr schwieriger Kampf, wir erdulden manchmal sogar kaum verhüllte Drohungen in den vergangenen Stunden', sagte Magnette."
Es ist schon ein Kreuz mit der Demokratie. Ist man doch in Kreisen der EU-Bürokraten der Meinung, das dumme, dumme Volk möge sich doch gefälligst der Meinung der US-Schauspielerin Jamie Lee Curtis anschliessen:
"Das lässt unsere Abstimmung unnötig erscheinen!"