Montag, 13. November 2017

Nato fordert Umstellung auf Kriegswirtschaft

Nato-Generalsekretär Stoltenberg hat aus Anlass der Tagung der Nato-Kriegsminister eine Ausrichtung der zivilen Infrastrukturplanung auf die Bedürfnisse der Militärs gefordert:
"Es geht nicht nur um Befehle. Wir müssen auch dafür sorgen, dass die Straßen und Brücken stark genug sind, um unsere größten Fahrzeuge tragen zu können, und dass die Schienennetze für den schnellen Transport von Panzern und schweren Geräten gerüstet sind".
 Dazu käme den nationalen Regierungen, dem privaten Sektor und der Europäischen Union Schlüsselrollen zu.

 Welche Richtung die Truppenbewegungen haben werden, darüber ließ Stoltenberg keinen Zweifel:
"Für Panzertransporte nicht geeignete Straßen und Gleiswege erschweren derzeit etwa eine schnelle Truppenverlegung ins Baltikum."
 Es geht ein weiteres Mal gegen Russland. So wie der Führer in den dreißiger Jahren das Autobahnnetz mit allen Mitteln ausbaute, um Truppen und Gerät schnellstmöglich nach Osten zu verlagern, (der letzte Bauabschnitt der A2, die Berlin mit dem Ruhrgebiet verband, wurde pünktlich zum Beginn des 2. Weltkrieges am 23. September 1939 eingeweiht) so gehört wohl auch heute noch zu einer gewissenhaften, verantwortungsvollen Kriegsvorbereitung die Stärkung der Verkehrsinfrastruktur.

Die gesamte EU nahm sofort Haltung an, knallte die Hacken zusammen und gelobte feierlich in Zukunft das verlotterte Verkehrswesen in Europa umgehend auf "Vordermann" zu bringen. "Die Zeit" berichtet:
"Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kündigte in Brüssel an, dass die EU-Kommission bis Ende der Woche Vorschläge unterbreiten wolle, wie der Truppentransport innerhalb Europas verbessert werden könne."
 Dieses massive Eintreten der Politik für eine Kriegswirtschaft, in der alle wirtschaftlichen Tätigkeiten nur auf die Stärkung der Fähigkeit Krieg zu führen gerichtet sind, ist nur der vorläufuge Höhepunkt einer sich ständig zuspitzenden Kriegspropaganda. Dabei bedingt immer der eine Schritt den anderen, nachfolgenden. Und immer sieht es so aus, als sei die Nato in der defensiven Rolle gegenüber Russland und zudem noch diesem an militärischer Stärke haushoch unterlegen.

 So werden die derzeitigen Aggrssionen der Nato gegen Russland mit der Lage in der Ukraine, der angeblichen Annexion der Krim durch Russland und dessen Eingreifen in den Krieg in Syrien begründet. Dabei spielen die wahren geschichtlichen Tatsachen und Zusammenhäge keine Rolle. Wichtig ist die Darstellung aller Aggressionen durch die USA und die Nato als reine Verteidgungsmaßnahme. Dabei lassen sich fast immer am Anfang einer Krise, eines Konflikts die Fußabdrücke von Natostiefeln erkennen.

 So zündelten die USA in der Ukraine bereits seit einigen Jahren, als dort 2004 für die Augen der Öffentlichkeit, ein überzeugendes Stück Schmierentheater gegeben wird.
"65 Millionen Dollar an US-Steuergeldern fließen seit 2002 allein vom US-Außenministerium für die Wahl in der Ukraine über die NED und die Parteistiftungen NDI und IRI",
 schreibt "Der Spiegel" in seiner Ausgabe 46 im Jahr 2005. Er zitiert den Republikaner und Senator Ron Paul:
"Wir wissen nicht genau, wie viele Millionen oder Dutzende Millionen Dollar die Regierung der USA für die Präsidentenwahl in der Ukraine ausgegeben hat, Aber wir wissen, dass der Großteil des Geldes zur Unterstützung eines bestimmten Kandidaten gedacht war“,
und erklärt dann seinen Lesern:
"Wiktor Juschtschenko."
Bemerkenswerte Tatsachen in dieser Zeit, in der die USA behaupten, ihre Präsidentschaftswahlen seien von Russland manipuliert worden und daraus einen weiteren Hebel zur Stigmatisierung Russlands entwickeln.

 Wie man weiß, ging die Sache Regimechange und Eingliderung der Ukraine in die Nato damals schief. Allerdings schrieb "Der Spiegel" bereits 2005 die prophezeihenden Worte:
"Andererseits führt nun für die USA und ihre westlichen Verbündeten kein Weg mehr zurück. Viel Geld, viel Mühe ist investiert worden. Kofferweise wird in den Wochen vor der Wahl (Juschtschenkos zum Präsidenten der Ukraine) Bargeld aus den USA am Flughafen Kiew ausgeladen, erzählt die Buchhalterin der oppositionellen Organisation "Unsere Ukraine" Vertrauten. Eine amerikanische Privatspende über 150 000 Dollar sei vorübergehend beiseite gelegt worden, weil keiner mehr gewusst habe, wohin mit ihr."
Was damals galt, gilt heute um so mehr. Waren es damals "viele Millionen oder Dutzende Millionen Dollar", so waren es 2014, zehn Jahre später laut der damals stellvertretenden Aussenministerin der USA, Victoria Nuland mehr als 5 Milliarden Dollar, die die USA und ihre Verbündeten in einen Regime-Change in der Ukraune, dessen einziges Ziel war Russland weiter einzukreisen, investiert hatten. Nuland nannte diese Summe in einem, vom ukrainischen Geheimdienst abgehörten, Telefongespräch am 28. Januar 2014.

 Investitionen, dass weiß jeder müssen Rendite bringen. Rendite, die in einer vom Westen kolonialisierten Ukraine vor allem darin liegen würde, dass man Russlands Öl-  und Gaslieferungen leicht blockieren könnte, da die russischen Energielieferungen in die EU durch das ukrainische Pipeline-System geleitet werden. Einspringen würden dann US-amerikanisch dominierte Energielieferanten.

Die Wochenzeitung "Die Zeit" zitiert Prof. John Mearsheimer, der an der Universität von Chicago Politikwissenschaft lehrt, in einem Artikel von Alice Bota vom 17. Mai 2015, in dem diese sich jede erdenkliche Mühe gibt, wortreich die US-amerikanische Einflußnahme in der Ukraine wegzulügen:
"Ihm (Prof Maersheimer) zufolge setzt Washington die Politik der Einmischung in der Ukraine noch immer fort, auch zehn Jahre nach der Orangenen Revolution. Für ihn steht daher fest: Die Proteste auf dem Maidan, die schließlich am 22. Februar 2014 in dem Sturz von Ministerpräsident Viktor Janukowitsch mündeten, waren von den Amerikanern über Jahre mit viel Geld vorbereitet worden. Ein Staatsstreich. Amerika wollte einen Machtwechsel, denn es wollte Einfluss auf die Ukraine gewinnen."
 So sehr man uns Glauben machen will, die Maidan-Proteste hätten zum Sturz Yanukowitschs geführt, die Protestierenden waren bestenfalls Statisten in einem vor der Weltöffentlichkeit aufgeführten Actiondrama, dessen Ablauf und Ausgang längst beschlossen war. Die Zeiten ändern sich, versuchte Sergei M. Eisenstein 1928 mit den Mitteln des Stummfilms und tausenden von Komparsen der Welt ein Bild von der Oktoberrevolution in Russland zu zeichnen, dass sehr wenig mit der Realität zu tun hatte, so zeichneten die Drahtzieher in den USA mithilfe der Neuen Medien ein Bild von einem Volksaufstand in der Ukraine, der so niemals stattgefunden hat.

 Der Umsturz in Kiew war seit langem beschlossen. Der Maidan war nur der willkommene Anlass dazu, endlich loszuschlagen. Nach mehreren Wochen der Proteste gegen eine korrupte Regierung, die auch vor "Gewalt gegen das eigene Volk" nicht zurückschreckte, war die Welt bereit für den "Final Countdown". Am 20. Februar eskalierte die Gewalt. Es wurde scharf geschossen. Am Ende des Tages lagen an die 70 Menschen tot auf dem Pflaster. Die Verantwortlichen für die Schüsse aus dem Hinterhalt sind bis heute noch nicht identifiziert, geschweige denn abgeurteilt. Nicht zuletzt weil die neue Regierung bei der Aufklärung wenig Elan an den Tag legte.

 Wichtig war ja auch nicht die Wahrheit, wichtig war das, was in der Öffentlichkeit für die Wahrheit gehalten wurde und das war die Geschichte, die die Medien bereits erzählten, als die toten Körper noch nicht einmal kalt waren: Yanukowitsch Sondereinheit Berkut, so hieß es, habe wahllos in die Menge geschossen - auf Befehl des Präsidenten. Damit war Yanukowitsch endgültig diskreditiert und zum Abschuss freigegeben. Der floh vor dem vom "Rechten Sektor" aufgehetzten Pöbel:
"Sie fordern die Todesstrafe, sie wollen ihn pfählen, zumindest aber soll er vor ein Tribunal",
freute sich noch am 24. Februar "Der Spiegel", auf eine Show wie der öffentlichen Hinrichtung Saddam Husseins oder der grauenvollen Ermordung Gaddafis, letztendlich nach Russland.

 In der Ukraine befanden sich nun Kräfte an der Macht, die einen Großteil der ukrainischen Bevölkerung gar nicht mehr vertreten wollten. Laut der letzten halbwegs verläßlichen Volkszählung lebten in der Ukraine etwa 8.334.100 ethnische Russen, das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 17,3 %. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung war die Abschaffung des Russischen als zweite Amtssprache. Das empörte die Menschen besonders in den Oblaten Luhansk und Donezk mit einem russischen Bevölkerungsanteil von 39,0 % bzw. 38,2 % und auf der Krim, wo die Russen gar in der Mehrheit sind. Das Gesetz besteht bis heute. Es ist lediglich ausser Kraft gesetzt und könnte jederzeit sofort wieder Gültigkeit bekommen.

 Es kam zu Protesten der Bevölkerung, die die neue Regierung in Kiew im März dazu veranlasste Truppen zu schicken, die bis an die Zähne bewaffnet, sogar Artillerie einsetzte. Im Juli tönte der neue Präsident der Ukraine der Schokoladenfabrikant und Oligarch Poroschenko ganz im Stile deutscher Wehrmachtsgeneräle im zweiten Weltkrieg:
"Die Militanten werden mit Hunderten ihrer Leben für das Leben eines jeden Soldaten von uns zahlen."
Die "Welt" schreibt am 19. Dezember 2012:
"Die Richtlinien des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) von September 1941 ordneten zum Beispiel die Erschießung von 50 bis 100 „Kommunisten, Nationalisten oder Demokraten“ für jeden getöteten deutschen Soldaten an.…Im besetzten Jugoslawien legte General Franz Böhme fest, dass für jeden getöteten deutschen Soldaten 100 Geiseln und für jeden verwundeten Landser 50 Geiseln zu erschießen seien."
 Wilhelm Keitel, der Oberkommandierende der Deutschen Wehrmacht, wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher am 1. Oktober 1946 unter anderem auch wegen des sogenannten „Sühnebefehls“ zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Strafe wurde am 16. Oktober 1946 in Nürnberg vollzogen.

Auf der Krim musste die russische Führung um den Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol fürchten. Immer wieder wurde bereits unter dem westlich orientierten Präsidenten Juschtschenkos der 1997 geschlossene und bis 2017 laufende Vertrag zur Nutzung der Anlagen in Sewastopol durch die russische Flotte, von der Ukraine zur Erpressung Russlands genutzt.

 Im Gasstreit 2005 - 2006 schlug das "Institut für nationale Sicherheit der Ukraine" das
"in der Bindung des ukrainischen Einverständnisses für die rasante Preisanhebung für die Gaslieferungen an eine Reihe politischer Konsensen anzustreben sein. Darunter fiel das Übereinkommen zum vorzeitigen Abzug (bis zum 1. Januar 2012) der russischen Schwarzmeerflotte aus der Krim und das Prolokoll, worin Russland ausdrücklich erklären sollte, dass es keine Einwände gegen die ukrainische N/ATO-Mitgliedschaft in einer absehbaren Zeit (2008 - 2010) haben würde",
wie etwas umständlich Lyudmyla Synelnyk in dem 2013 erschienen Buch "Energieressourcen und politische Erpressung: Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine" schreibt. Im Jahr 2008 legte Juschtschenkow noch einmal höchstpersönlich nach. Lyudmyla Synelnyk schreibt:
"So wurde am 20. Mai 2008 (also Monate vor dem Georgienkrieg im August 2008 - entgegen den Behauptungen in der westlichen Presse, diese Forderung sei eine Reaktion auf die Teilnahme von Teilen der Flotte an den Kriegshandlungen gewesen) die ukrainische Regierung durch den Präsidentenerlass beauftragt, einen Gesetzesentwurf über die Beendigung des russisch-ukrainischen Übereinkommens zur Stationierung der russischen Scbwarzmeerflotte nach 2017 vorzubereiten."
Obwohl der Vertrag 2010 bis 2042 verlängert wurde, wusste Putin, dass Russland spätestens 2017 der Rausschmiss der Flotte aus Sewastopol mit anschliessender Übernahme der Anlagen durch die USA drohte, erkannten doch die jetzt in Kiew an der Macht befindlichen Kräfte, die Vertragsverlängerung von Anfang an nicht an.

 Man mag das Machtpolitik nennen, aber Russland musste handeln, sowohl in der Ostukraine, deren Abtrennung vom restlichen Teil des Landes in westlichen Medien schon zu Anfang des Maidan ganz offen, schulterzuckend eingeplant und akzeptiert wurde, als auch auf der Krim. Russland war von den USA, der NATO und der EU massiv herausgefordert worden. Nun aber wurde es als der alleinige Agressor dargestellt.

 Im Falle Syriens läßt sich unschwer das gleiche Muster erkennen. Begrenzte innere Unruhen wurden genutzt, um unter dem Vorwand des Schutzes der Bevölkerung vor einem, sein eigenes Volk abschlachtenen Diktator, Söldner, Waffen und Munition in grossem Stil ins Land zu bringen.
 Das es den USA keinesfalls um Freiheit und Menschenrechte der syrischen Bevölkerung ging, zeigt ein Memorandum, das sich in den geleakten E-Mails Hillary Clintons fand. Es besitzt weder Datum noch den Namen des Autors, daher wird davon ausgegangen, das es sich hierbei um einen engen Mitarbeiter Clintons handelt oder die damalige Aussenministerin der USA höchstselbst. Die Entstehung des Papiers lässt sich anhand einiger Textpassagen leicht auf die Zeit April/Mai 2012 datieren, zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Syrienkrieges also.

Gleich der erste Satz in dem Wikileaks-Dokument straft die offizielle Version US-amerikanischer Einmischung Lüge:
"Der beste Weg, um Israel zu helfen, mit der wachsenden nuklearen Fähigkeit des Iran umzugehen, besteht darin, den Syrern zu helfen, das Regime von Bashar Assad zu stürzen."
Es ging also augenscheinlich daru den Iran zu schwächen, indem man ihm seinen treuesten Verbündeten nahm. Es ging darum Israels Monopol an Atomwaffen im Nahen Osten zu erhalten:
"Worüber sich israelische Militärs wirklich Sorgen machen - darüber aber nicht offen sprechen können - ist der Verlust ihres Atommonopols. Eine iranische Atomwaffenfähigkeit würde nicht nur dieses Atommonopol beenden, sondern könnte auch andere Gegner, wie Saudi-Arabien und Ägypten, veranlassen, ebenfalls nuklear aufzurüsten."
Die Aussenministerin der USA oder einer ihrer engsten Mitarbeiter, legen im Frühjahr 2012 die wahren Überlegungen der Obama-Administration offen:
"Es ist die strategische Beziehung zwischen dem Iran und dem Regime von Bashar Assad in Syrien, die es dem Iran ermöglicht, Israels Sicherheit zu untergraben ....durch seine Verbündeten im Libanon, wie die Hisbollah, die vom Iran über Syrien unterstützt, bewaffnet und ausgebildet werden."
Daraus ist nur ein Schluß zu ziehen:
"Das Ende des Assad-Regimes würde dieses gefährliche Bündnis beenden."
Offensichtlich vertraute man den eigenen Verhandlungen mit dem Iran über die Begrenzung seines Atomprogramms nicht oder die Verhandlungen hatten von vornherein nur eine Alibifunktion:
"Verhandlungen zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms werden Israels Sicherheitsdilemma nicht lösen. Sie werden den Iran auch nicht davon abhalten, den entscheidenden Teil eines Atomwaffenprogramms weiterzuentwickeln - die Fähigkeit, Uran anzureichern."
Und so wurde 2012 in Washington der Sturz Assad nur als erster Schritt einer großen, endgültigen Lösung gesehen. Der kleine Krieg vor dem ganz großen gegen den Iran:
"Es wäre nicht nur ein gewaltiger Segen für Israels Sicherheit, Assad zu Fall zu bringen, es würde auch Israels verständliche Angst vor dem Verlust seines Atommonopols erleichtern. Dann könnten Israel und die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Sichtweise entwickeln, wann das iranische Programm so gefährlich ist, dass eine militärische Aktion gerechtfertigt sein könnte."
Mit Assad und seiner Familie gedachte man so zu verfahren wie zuvor mit Saddam Hussein im Irak oder Muammar Gaddafi in Libyen:
"Mit seinem Leben und seiner Familie in Gefahr, wird nur die Androhung oder Anwendung von Gewalt den Geist des syrischen Diktators Bashar Assad verändern."
Auch vom Völkerecht gedachte man sich nicht weiter aufhalten zu lassen. Der Weltsicherheitsrat, der einer Militäraktion gegen Syrien zustimmen müsste, wurde in eigener Machtvollkommenheit beiseite geschoben:
 "Russland wird niemals eine solche Mission unterstützen, also hat es keinen Sinn, durch den UN-Sicherheitsrat zu handeln."
Und das mit Syrien verbundene Russland, das immerhin seinen einzigen Militärposten im Mittelmeer in Syrien hat, sah man wohl immer noch als viel zu schwach an, als dass man sich mit der russischen Reaktion allzu lange zu befassen gedachte:
"Einige argumentieren, dass die US-Beteiligung einen weiteren Krieg mit Russland riskiert. Aber das Kosovo-Beispiel zeigt etwas anderes. In diesem Fall hatte Russland echte ethnische und politische Verbindungen zu den Serben, die es zwischen Russland und Syrien nicht gibt, und selbst dann hat sich Russland kaum mehr als beschwert."
 Wie man weiß hat sich dann alles etwas anders entwickelt. Wahrscheinlich auch weil Hillary Clinton in der zweiten Amtszeit Obamas nicht mehr Aussenministerin der USA war und sich mit ihrem Team von Neocons und Kriegstreibern auf ihre eigene Präsidentschaftskampagne 2016 vorbereitete. Obama schreckte mehrfach vor einer direkten Beteiligung der USA am Syrienkrieg zurück.

 Russland allerdings griff im September 2015 auf Bitte Assads, mit Luftschlägen gegen die islamistischen Terroristen, aktiv in den Krieg ein und beendete das endlose Blutvergießen des syrischen Volkes, bis auf wenige kleine Ausnahmen. In der Propaganda aber war fortan Russland der Aggressor, so als habe Putin das große Sterben in Syrien aus gestrategischen Überlegungen heraus initiiert und nicht die USA.

 Und nun sind wir wieder bei der Forderung der Nato unsere Wirtschaft allmählich auf eine Kriegswirtschaft umzustellen. Mit der Stigmatisierung als Aggressor der völkerrechtswidrig andere Staaten überfiel, wie die Ukraine und Syrien wird die durch nichts zu begründende Warnung verbunden, der russische Bär könne auch gegen andere Länder militärisch vorgehen, zu vorderst die Baltischen Staaten. So wurde Angst geschürt und schnell ertönte der Ruf nach Aufrüstung. Russland verstehe nur die Sprache der Gewalt, man müsse gegenhalten, Stärke zeigen.

 Kein Schreckgespenst, kein Vergleich mit Ereignissen der Geschichte war  und ist den Claqueuren der Rüstungsindustrie und den Kriegstreibern zu dämlich. Da wurde immer wieder die Appeasmentpolitik des britischen Premiers  Neville Chamberlain 1938 Hitler gegenüber zitiert. Hätte Chamberlain damals Hitler energisch in seine Schranken gewiesen, so wird immer wieder unbelegt behauptet, so wäre es nie zum 2. Weltkrieg gekommen.

 Mit dem dummen Vergleich Putins mit Adolf Hitler soll den Menschen Angst gemacht werden. Sie sollen bereit gemacht werden für die große Konfrontation mit dem ewig Bösen. Sie sollen, wie in jeder Kriegswirtschaft ihre persönlichen Bedürfnisse hintanstellen für die große Kraftanstrengung, den übermächtig gezeichneten Feind niederzuringen.

Adieu, neue Kitaplätze, adieu Ganztagsschulen, Betreung von Kindern und Jugendlichen, adieu gerechte Alterssicherung, Würde im Alter, Investitionen ins Gesundheitssystem und in Pflege. Ab jetzt wird jeder Euro zur Wehrertüchtigung gebraucht. Zwei Prozent des jährlich erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt soll jedes Land in seine Rüstung stecken. Dazu kommen jetzt noch einmal die imensen Kosten für breite Straßen auf denen Panzer gen Osten rollen können, für Brücken die die enormen Kolosse aus Stahl tragen können. Autobahneen werden ohne jede Rücksicht schnurgerade ins Gelände getrieben, damit sie im Kriegsfall als Lande- und Startbahnen für die todbringenden Bomber genutzt werden können. Bahnstrecken müssen modernisiert werden, nicht um besser, schneller und pünktlicher von A nach B zu kommen, sondern damit im Bedarfsfall darauf Räder rollen für den Sieg.

 Aber liebe Landsleute seit getrost und gebt gerne für Panzer, Raketen und Bomber. Im Moment wollen sie ja nur euer Geld. Früher oder später aber werden sie kommen und dann werden sie eure Kinder und Enkelkinder von euch forden.


Freitag, 3. November 2017

ARD-Aktuell: New York, Mogadischu, Ost-Ghouta, drei Ereignisse, dreimal Manipulation der Zuschauer

 Täglich werden wir durch die Medien manipuliert. Allein durch die Auswahl der Beiträge, die uns das Fernsehen vorsetzt, wird unsere Meinungsbildung beeinflußt. Nun muß man aber auch anerkennen, dass die Medienanstalten natürlich eine Auswahl der ihnen täglich angebotenen Beiträge treffen müssen. Und dabei ist es zwangsläufig, dass diese nicht allen gefallen.

 Wenn aber die Auswahl und die Gewichtung der Geschehnisse über die berichtet wird immerfort die gleiche ist, dann verzerrt sich sehr schnell der Blick auf die Welt. Wenn z. B. wie hier dargestellt über einen Terreorangriff in der westlichen Welt deutlich detaillierter und intensiver berichtet wird als über einen in der dritten Welt, der den Menschen dort mindestens genau so viel Leid bringt wie der in New York, und wenn dieses regelmäßig geschieht, dann setzt sich bei den Menschen der Eindruck fest, wir im Westen hätten am meisten unter dem Terror zu leiden, obwohl es eher andersherum ist.

Wenn es den Tagesthemen dann auch noch wichtiger erscheint, eine mühsam, unter Mißachtung aller menschlichen Werte zusammenkonstruierte Propagandageschichte ausgedehnt über 6 Minuten zu senden, anstatt über die Opfer eines brutalen Bombenterrors über die Hintergründe und Zusammenhänge, dann gerät die Berichterstattung vollends aus den Fugen. Wir werden nicht mehr informiert, sondern manipuliert.


New York

 Am 13. Oktober hat es in New York eine schwere Terrorattacke gegeben. 8 Menschen kamen dabei ums Leben, mehrere wurden, zum Teil schwer verletzt. Ein Mann war mit einem geliehenen Van auf einen Fahrradweg entlang des Hudson Rivers gefahren und hatte dabei die Menschen niedergefahren. Die Tagesthemen berichteten bereits wenige Stunden nach der Bluttat ausführliche 4:14 Minuten.

 Augenzeugen kamen zu Wort, der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio setzte sich in Szene und selbst der von ARD-Aktuell so verachtete US-Präsident Donals Trump kam mit einem seiner, so oft belachten, Tweets zu Wort. Die Tagesthemen zeigten uns den demolierten Van, ein völlig zerstörtes Fahrrad, den mit Flatterbändern abgesperrten Fahrradweg, patrollierende Polizisten. Google Earth wurde bemüht um Anhand von Luftaufnahmen den Weg des Vans nachzuzeichnen und zum Schluss musste dann noch der bedauernswerte Korrespondent der ARD in New York Markus Schmidt den Zuschauern erklären, dass er eigentlich eigentlich nichts wisse.

 Susanne Stichler im Tagesthemenstudio in Hamburg:
"Markus Schmidt ist in New York am Ort des Anschlags. Was weiß man denn bisher über die Hintergründe?"
Markus Schmidt in New York vor den roten und blauen Blinklichtern eins Einsatzfahrzeuges stilgerecht in Szene gesetzt:
"Nur herzlich wenig."
Aber die Welt schien ab jetzt nur noch ein Thema zu kennen: Den Anschlag von New York. Das setzte sich auch am nächsten Tag, dem 1. November so fort. Die Tagesschau berichtete zwischen 6:00 Uhr am Morgen und 17:00 am späten Nachmittag fast stündlich. Ausser um 10:00 und um 13:00, als diese Aufgabe vom Mittagsmagazin übernommen wurde.

Um 6:00 Uhr widmete die Tagesschau 1:05 Minuten seiner insgesamt 2:31 Minuten Sendezeit; um 7:00 Uhr 1:11 Minute von 2:54 Minuten Sendezeit; um 8:00 Uhr waren es gar 1:14 Minute von 2:39 Minuten Sendezeit. die längere Sendezeit der 9:00 Uhr Tagesschau von 4:16 erlaubten auch einen umfangreicheren Bericht aus New York. Wieder wurde knapp die Hälfte der Sendezeit dafür aufgewendet, 2:02 Minuten. In den restlichen Sendungen am Vor- und Nachmittag waren die Beiträge etwa gleichlang, etwas über zwei Minuten bis dann in der Hauptsendung um 20:00 Uhr noch einmal mächtig draufgesattelt wurde.

 In den 4:32 Minuten hatten die Redakteure von ARD-Aktuell dann auch wieder in ihr gewohntes Fahrwasser zurückgefunden. Es setzte ein gehöriges Mass an US-amerikanischer Innenpolitik, bei der Trump erwartungsgemäss ordentlich sein Fett wegbekam. Was das den deutschen Fersehzuschauer interessieren soll, bleibt aber wohl ausschliesslich den seltsamen Erkenntnissen des Dr. Gniffke vorbehalten.

Allerdings hatte die Tagesschau noch ein besonderes Bonmot für seine Zuschauer bereit. Zu den Worten des Sprechers aus dem Off:
"Am Tag nach dem Terror ringen die USA um den richtigen Weg den "American Way of Life" zu verteidigen",
zeigte uns die Kamera die Freiheitsstatue vor der Skyline von Manhattan. Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Nun wusste auch der Dümmste worum es geht.




Mogadischu

 Am 28. Oktober hatte es bereits den zweiten schweren Terroranschlag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu es innerhalb weniger Tage gegeben. 27 Menschen kamen ums Leben und etliche wurden verletzt. Die Attentäter brachten zunächst zwei Autobomben zur Explosion und stürmten dann ein Hotel.

 Ein Zusammenschnitt von Agenturmaterial von gut 30 Sekunden, hinterlegt mit einem Text aus dem Off reichten der Tagesschau um 20:00 Uhr scheinbar aus, um ihre Zuschauer umfassend zu informieren. Der in etwa gleiche Beitrag war in den Nachrichtensendungen der Tagesschau über den Tag hinweg gezeigt worden.


Ost-Ghouta, Syrien

In den Tagesthemen um 23:13 Uhr waren die 27 Terroropfer von Mogadischu dann nicht einmal mehr Geschichte. Tote "Neger" eben - noch dazu auf der falschen Seite der Geschichte - Bürger eines Schurkenstaates.

Tote Syrer, noch dazu Kinder und aus den, wie die offizielle Sprachregelung des Dr. Gniffke immer noch lautet, "Rebellengebieten" sind auf der richtigen Seite. So musste zwar ein gemeiner, folgenschwerer Terrorangriff in Mogadischu aus dem Programm weichen, dafür aber konnte nach langer Zeit, wieder einmal, der Chefpropagandist für Syrien, der Studioleiter der ARD in Kairo, Volker Schwenck, ihm zugespieltes Bildmaterial aus Ost-Ghouta mit seinen sinnverdrehenden Texten versehen.

 06:11 Minuten war der Beitrag lang, der ausser der bekannten Propaganda nur vollkommen unverdauliches Bildmaterial und eine menschenverachtende Einstellung gegenüber den Kinderopfern des großen Schlachtens in Syrien zu bieten hatte.

Pinar Atalay moderiert die Sendung aus dem Studio in Hamburg:
"Für viele Kinder in Syrien Ist das Normalität"
Atalay weist auf die Videowand hinter sich. Darauf das Bild eines kleinen Mädchens im Vorschulalter. Die Kleine, bekleidet mit einem roten Pullover und einer dunklen Hose, kommt auf einer von Trümmern notdürftig freigeräumten Straße direkt auf die Kamera zu. Dabei tritt sie just in dem Moment, in dem der Fotograf auf den Auslöser drückt, aus dem Schatten, den ein Schuttberg auf die Straße wirft. So steht die Kleine als strahlende Gestalt vor einer Trümmerwüste. Niemand sonst ist auf der Abbildung zu sehen, nur Trümmer und die rostigen Überreste eines zerschossenen Fahrzeuges im Hintergrund - und dieses Kind - einsam und verlassen.


 Es ist eines dieser Fotos, die von PR-Agenturen in Auftrag gegeben werden und für die Spendensammler auf der ganzen Welt und auch andere Institutionen, die mit Emotionen versuchen, ihre, nicht immer ganz redlichen Ziele zu erreichen, viel Geld bezahlen.
"Sie kennen gar kein anderes Leben als jenes im Bürgerkrieg, der seit sechs Jahren Elend und Tod bringt. Heute hat uns ein Bericht unseres Korrespondenten Volker Schwenck erreicht, der nur schwer zu ertragen ist, weil er das Leid der Unschuldigsten zeigt. Doch wegschauen hilft niemandem. Besonders schlimm ist die Lage in Rebellengebieten, die von Streitkräften des Assad-Regimes belagert werden, so etwa direkt neben der Hauptstadt Damaskus und auch nur 20 Kilometer von einem gut geführten UN-Lager entfernt, im Gebiet Ost-Ghouta."
 Diese Anmoderation lässt nichts Gutes erwarten. Sie enthält keinerlei Informationen, sie ist ausschliesslich auf die Ezeugung von Emotionen ausgerichtet: "...Leid der Unschuldigsten, ...schwer zu ertragen". Zudem versorgt Atalay die Zuschauer mit Plattitüden wie der"Bürgerkrieg", der "Not und Elend bringt" oder "wegschauen hilft niemandem".  Dazu die alten Floskeln, die Schuld zuweisen sollen, wie etwa "Assad Regime" oder Schuld verharmlosen: Gebiete unter der Herrschaft der Islamisten, Salafisten und Kopfabschneider werden als "Rebellengebiete" bezeichnet, oder ein erbarmungsloser Stellvertreterkrieg zwischen dem Westen und Russland, zwischen Saudi-Arabien und dem Iran und zwischen Israel und dem Iran, in dem vorwiegend Söldner gegeneinander und alle zusammen gegen die syrische Bevölkerung kämpfen wird fast schon glorifizierend als "Bürgerkrieg" bezeichnet.

 Atalay und später auch der Bericht von Volker Schwenk verschweigen aber beharrlich, wer denn da in dem "Rebellengebiet" Ost-Ghouta die Macht hat, einen aussichtlos gewordenen Vernichtungskrieg gegen alle Menschen in den betroffenen Gebieten weiterzuführen. Durch immer wieder neue Feuerüberfälle auf Damaskus in einem sogenannten Deeskalationsgebiet und die dadurch ausgelöste Gegenreaktionen versucht die Dschabhat Fatah asch-Scham (die ehemalige Al-Nusra-Front/Dschabhat al-Nusra der syrischer Zweig der Al-Qaida) mit ihren Verbündeten, die den Muslimbrüdern nahestehende und von Saudi-Arabien finanzierte salafistische Jaish Al Islam die verlorengegangene Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zurückzugewinnen.

 Um die Zusammenhänge richtig zu verstehen: Die syrische Schwesternorganisation Dschabhat Fatah asch-Scham der somalischen Al Shabbat, die in Mogadischu gerade wieder durch einen feigen Terrorangriff 27 Menschen getötet hat, wird von der ARD, zumindest wertneutral, mit "Rebellen" bezeichnet.

 Volker Schwenk ist Bildmaterial zugespielt worden. Die Quelle verät er uns nicht.
"Sahar ist schon vom Tod gezeichnet als ihre Eltern sie zum Arzt bringen. Ihre Mutter kann sie nicht stillen, die hat selbst zu wenig zu essen. Einen Tag später stirbt das kleine Mädchen in Ost-Ghouta. Sahar wird nur 34 Tage alt."
 Zu diesen Worten zeigt uns Schwenk ein völlig abgemagertes Kind, das sichtbar um Luft ringt. Diese Bilder sind nicht nur unerträglich, wie Pinar Atalay meint, wegen der offensichtlichen Qualen, die das Kind erleidet, sie sind vor allem unerträglich weil hier das Leiden eines Menschen ausgenutzt wird um Stimmung zu machen. Dabei zählen den Machern der ARD selbst die simpelsten Regeln eines verantwortlichen Journalismus nichts bei ihrem Bemühen Hass und Wut zu erzeugen.

 Nicht nur dass Schwenck den Autor dieses Horrors verschweigt, er zeigt das wehrlose Kind, ohne dessen Gesicht unkenntlich zu machen, ohne den geringsten Anstand und Rücksichtnahme auf das Recht am eigenen Bild, das auch einem syrisches Mädchen zusteht und ohne den besonderen Schutz von Kindern in den Medien zu beachten. Würden Sahar die gleichen Rechte zugebilligt, die jedes deutsche Kind hat, das versehentlich ohne unkenntlich gemacht zu werden im Rahmen einer Gruppenaufnahme auf Facebook gepostet wird, so hätte die Tagesschau diese widerlichen Bilder schon längst aus dem Netz nehmen müssen.

 Schwenck hingegen nutzt das Leid eines kleinen Kindes intensiv um mit Bildern Stimmung zu machen. Zu den Worten:
"Einen Tag später stirbt das kleine Mädchen in Ost-Ghouta. Sahar wird nur 34 Tage alt."
fährt die Kamera ganz dicht an das Kind heran, zeigt seine grossen aufgerissenen Augen seinen zum Schrei, für den die Kraft fehlt, verzerrten Mund. Bilder, die ihre Wirkung nur dann erreichen, wenn man die Augen, den Mund, das ganze nur noch aus Haut und Knochen bestehende Gesicht in Großaufnahme zeigt, ohne es mithilfe eines starken Weichzeichners unkenntlich zu machen.

 Ich möchte hier auf den Beweis für diese Tatsache verzichten, da ich sonst gezwungen wäre, das Bild des Mädchens zu zeigen, so wie es die ARD tut.  Ich möchte mich nicht auf die gleiche, menschenverachtende Stufe mit ARD-Aktuell, Dr. Gniffke und Volker Schwenck stellen. Möge sich jeder selbst ein Bild machen.

 Schwenck schmiedet das Eisen solange es heiß ist. Von den schrecklichen Bildern der sterbenden Sahar völlig aufgewühlt wird den Zuschauern jetzt ein Doktor präsentiert,
"Dr. Hamza, aus Ost-Ghouta, den wir via Skype erreichen",
der helfen soll, sie, die Zuschauer, nicht etwa in den Glauben verfallenzu lassen, es handelte sich bei der kleinen Sahar um einen bedauerlichen Einzelfall. Der wohlgenährte Doktor, dem es augenscheinlich an nichts fehlt, während die Kinder rundherum qualvoll an Unterernährung sterben erzählt:
"Hier leben 60.000 Kinder unter fünf Jahren."
Eine Zahl, die zumindest zweifelhaft sein dürfte. Wird in den meisten Medien von einer Bevölkerungszahl von 350.000 bist 400.000 für Ost-Ghouta berichtet, so entsprächen 60.000 Kinder unter fünf Jahren einem Bevölkerungsanteil von 17 % bis 15 %. In Deutschland beträgt der Anteil dieser Altersgruppe 3,59 %, in Bangladesch, einem der bevölkerungsreichsten Länder der Erde beträgt ihr Anteil in etwa 10 %.


"Wir haben keine Impfstoffe, keine Medikamente, kaum Essen. In einigen Orten der Region haben die Menschen seit 2016 keinerlei Hilfe mehr bekommen."
Angesichts dieser Worte darf gefragt werden, wie es möglich ist, das Kinder verhungern, gleichzeitig aber Männer offensichtlich dazu in der Lage sind, einen gänzlich sinnlos gewordenen Kampf immer weiter zu führen? Woher bekommen sie Nahrungsmittel, Medikamente und vor allen Dingen immer wieder Waffen und Munition?

 Aus dem ebenfalls bis zum letzten Dezember eingeschlossenem und angeblich vom "Assad-Regime" ausgehungertem Ost-Aleppo ist mittlerweile bekannt, dass die von der ARD so liebevoll als Rebellen bezeichneten Islamisten, den Salafisten und Söldnern aus aller Herren Ländern der Bevölkerung strikt alle Lebensmittel und Medikamente vorenthielt um sich, erstens prächtig selbst zu versorgen und zweitens, die hungernden Menschen als eine Art von Erpressungsgrund zu benutzen. Schwenck und die ARD setzen hier wohl auf die Vergesslichkeit der Massen.
"Diese Aufnahmen stammen von Oppositionsaktivisten."
 Schwenck hat eine neue Stufe seiner Desinformation mittels Sprachakrobatik erklommen. Aus den islamistischen Terroristen wurden islamistische Kämpfer, daraus simple Rebellen und aus diesen macht er jetzt gar "Oppositionsaktivisten". Die Bilder aber sind seit den letzten Tagen von Ost-Aleppo immer noch die gleichen geblieben.




Schwenckes "Aufnahmen von Oppositionsaktivisten": Kinder, Kinder, immer wieder Kinder, ob auf der Flucht oder auf dem Arm auf dem Transport in einen Krankenwagen. Kinder verkaufen sich eben gut, wenn es darum geht Hass zu sähen.
 "Wir können sie nicht überprüfen,"
schnell nimmt er sich heraus as der Verantwortung - keiner soll behaupten können, er, Volker Schwenck habe falsches Bildmaterial verwendet, um dann aber wieder durch eine abermalige Wendung unausgesprochen dem Fimchen Authentizität zuzuweisen,
"aber unstrittig ist, dass Ost-Ghouta seit vier Jahren von der syrischen Armee belagert und beschossen wird. Auch heute soll es Angriffe gegeben haben."
Natürlich will er sich keine Einseitigkeit nachsagen lassen. Darum ein zwei Alibisätze, auf die man dann immer verweisen kann:
"Bewaffnete Rebellen schiessen zurück. Auch in den Regime-Gebieten gibt es Tote. dabei gehört Ost-Ghouta zu den sogenannten Deeskalationszonen",
und schnell noch die Binsenwahrheit drangehängt:
"Die Hauptleidtragenden des Krieges sind die Zivilisten."
 Es bleibt allerdings die Frage, warum uns Schwenck und die ARD immer nur die unscharfen, verwackelten Handy-Videos der Islamisten zeigt, obwohl man deren Echtheit doch gar nicht überprüfen kann, anstatt auch einmal ein paar Aufnahmen von den Opfern "in den Regime-Gebieten"?
"In den letzten Monaten hat sich die Belagerung deutlich verschärft. Die syrische Armee hat Schmuggeltunnel zerstört, über die Nahrung und Medikamente in das belagerte Gebiet kamen",
eine Praxis die im Umgang der Isrealis mit den Bewohnern des Gaza-Streifens seit Jahren alltäglich ist. Allerdings so wird uns immer wieder erzählt, schmuggeln die Palästinenser Waffen durch die "Terrortunnel" (Die Welt 2016), islamistische Kopfabschneider ausschliesslich Medikamente und Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung.

 Schwenk zeigt uns dazu Bilder einer Mutter, die gerade ihr spärliches Süpplein kocht. Auf dem Arm einen Säugling, der wohlgenährter kaum sein kann. Ein merkwürdiges Paradoxum zu den fürchterlichen Eingangsbildern. Scheinbar gibt es gravierende Unterschiede bei der Zuteilung von Nahrungsmitteln.



 Die syrischen Behörden genehmigten kaum Hilfstransporte der Vereinten Nationen in das Oppositionsgebiet., empört sich Volker Schwenck:
"Zuletzt kam ein Konvoi am 23. September mit Hilfe für 25.000 Menschen von mindestens 350.000."
 Warum diese Hilfstransporte nicht genehmigt werden verrät Schwenck nicht. Die UN verlangt von Syrien eine Sicherheitsgarantie für die Mitarbeiter der Transporte. Die kann Syrien aber nicht geben für die Gebiete, die sich einer Hoheit entziehen. so scheitern Hilfstransporte immer wieder daran, dass die Islamisten nicht bereit und, wahrscheinlich wegen innerer Streitigkeiten, auch nicht in der Lage sind auf ihrer Seite der Kampflinie sicheres Geleit zu gewährleisten. Inwieweit solche Hilfslieferungen dann überhaupt bei der Bevölkerung ankommen, mag man der unterschiedlichen Gesundheit der sterbenden Sahar und dem Baby auf dem Bild oben entnehmen.

 Da hilft auch das Poltern der, in den letzten Jahren immer mehr unter den Einfluss der USA und Israels geratenen, UN nicht weiter. Schwenk kann allerdings der Versuchung nicht widerstehen, dass bei vielen Menschen immer noch hohe Ansehen der Vereinten Nationen, für seine Zwecke einzusetzen:
"Das gezielte Aushungern von Zivilisten, als Methode der Kriegsführung so der Sprecher des UN-Menschenrechtskommissars, ist eine klare Verletzung des UN-Völkerrechts, möglicherweise ein Kriegsverbrechen".
Wer bis hierher gezweifelt hat, der muss doch mindestens ab jetzt den ganzen zusammengereimten Murks des Volker Schwenck glauben, so die Hoffnung.

 So moralisch in die richtige Position gerückt, holt Schwenck zum letzten vernichtendem Schlag aus. Noch einmal zerrt er in der widerlichsten Form unschuldige Kinder vor die Kamera. Verletzt deren fundamentalsten Rechte. Missbraucht sie, ihre Armut, ihre Krankheit, ihre unterernährten, misshandelten Körper. Aber schliesslich müssen Bilder her die haften bleiben - da spielen die Rechte der Kinder keine Rolle:
"Eine oppositionsnahe Ärztevereinigung meldet 68 Fälle extremer Unterernährung. Jedes dritte Kind sei unterentwickelt. Alaa ist zwei Jahre alt. Ein ordentliches Krankenhaus und Nahrung würden ihr helfen. In Ost-Ghouta gibt es beides nicht."
Kinderleben als Mittel zum Zweck.

 So ist es nicht von vornherein unbedingt schlecht und böse, Kinder verhungern zu lassen. Madeleine Albright, die Aussenministerin der USA unter Bill Clinton sagte einmal in einem Fernsehinterview auf die Frage ob das Embargo der USA gegen den Irak, dem eine halbe Million irakischer Kinder durch Hunger und Mangel an Medikamenten zum Opfer fielen, diesen Preis wert gewesen sei:
"Es ist diesen Preis wert."
 Man sieht nicht nur Terroropfer sind nicht gleich Terroropfer, wie man oben an den Opfern in New York und Mogadischu sehen konnte, auch Kinderleben ist nicht gleich Kinderleben. Soeben noch hunderttausende Kinder mit gutem Recht für die Ölinteressen der USA im Irak geopfert, sind verhungernde Kinder in einem Syrien aufgezwungenen Krieg, gänzlich unerträglich und nur im Sinne der Propaganda zu begrüssen.

Alle Bilder: Screenshots ARD



Montag, 30. Oktober 2017

Platz 1 auf der nach oben offenen Ekelskala deutscher Journalistenergüsse

Anfang Oktober schrieb der "Tagesspiegel" mit dem Beitrag
 "Die 'Dolch Brigade' lernt Polen kennen",
ein denkwürdiges Stück Pressegeschichte. Sebastian Leber hatte wohl den Auftrag, der immer widerstrebenderen Bevölkerung die Kriegstreiberei der Nato an ihrer Ostgrenze etwas schmackhafter zu machen. Dabei stellten Leber und der "Tagesspiegel" offenbar jegliche journaistische Berufsethik hinter ihre große Aufgabe zurück.

 Recherche, Informationen aus verschiedenen, unabhängigen Quellen gegeneinander abwägen, das öffentlich machen der Quellen, differierende Meinungen, zumindest erwähnen, natürlich die finanzielle Unabhängigkeit von den Quellen, die gebotene intellektuelle Distanz und der weitgehende Verzicht auf ungeprüftes PR-Material - kurz eine vom Autor auf seine Recherche fussende eingenständig erstellte Arbeit, sollte das Ziel jedes verantwortlichen Journalisten sein.

 Von alledem hat der Artikel Sebastian Lebers nichts aufzuweisen. Geht es nach den bisher gültigen Regeln des Pressewesens, so müsste sein Beitrag als Anzeige gekennzeichnet sein. Als Anzeige der US-Army.

 Was war geschehen? Die USA hatten entgegen aller Warnungen und wissend, dass die Spannungen an den Ostgrenzen der Nato eine neue Hürde vom kalten zum heissen Krieg nehmen, eine weitere Brigade, die "Zweite gepanzerte Kampfbrigade der ersten Infanteriedivision" mit 3.300 Mann, 975 Fahrzeugen, 85 Panzern, 103 Schützenpanzern, 15 109-Millimeter Panzerhaubitzen und 390 weiteren Kettenfahrzeugen nach Polen gebracht. Alles da, um einen kleinen Krieg zu führen.

 Die Massnahme, die von den Revanchisten der rechtspopulistischen Regierung in Polen enthusiastisch gefeiert wurde, wird von den meisten Menschen in den westeuropäischen Ländern durchaus kritisch gesehen. Besonders die deutsche Bevölkerung, deren Vertretungen im letzten Jahrhundert zwei Kriege gegen Russland vom Zaun brachen, und die diese mit Millionen Opfern bezahlen musste, zeigt wenig Bereitschaft sich von den USA in einen letzten, finalen, alles Leben auslöschenden Vernichtungskrieg mit Russland hineinziehen zu lassen.

 Also sah man es geboten, die Truppe, die bis an die Zähne bewaffnet ist, als eine Abordnung zur Friedenssicherung und einen Beitrag der USA zur Völkerverständigung darzustellen. Da Presseverlautbarungen der Militärs aber von vornherein eine nur äußerst beschränkte Glaubwürdigkeit eingeräumt wird, schien es geboten, die Mär von der Friedenssicherung und der Völkerverständigung nicht durch die eigene Pressestelle zu veröffentlichen. Besser schien es den PR-Fachleuten auf die große Schar von Möchtegernjournalisten zurückzugreifen, die für ein paar schöne Fotos und ein paar als exklusive, angeblich aus eigener Feder stammende Zeilen, bereit waren ihre Berufsehre zu vergessen.

 So wurde denn wohl auch Sebastian Leber vom "Tagesspiegel" ins Westpolnische Zagen eingeladen, um sich ein paar Tage zwanglos, natürlich bei freier Kost und Logis, bei der "Dolch-Brigade" umzusehen. Eine Info-Mappe und ein tägliches Briefing durch die Militärs und bestens organisierte Sightseeing-Touren sollen wohl auch noch bei der ganzen Sache herausgesprungen sein.

 Leber selbst hat keinerlei Skrupel, als ein, wie es so schön sinnverklärend heisst, "embedded Journalist", Propaganda der US-Army im Tagesspiegel als Journalismus zu verkaufen:
"Wer als Journalist eingeladen wird, die Camps rund um Zagan zu besuchen, erhält erstaunlich freien Zugang zu den Soldaten."
 Will er uns etwa weismachen, die PR-Fachleute der Army wären so dämlich, dass sie nicht den Eindruck erwecken könnten, alles sei frei und zwanglos, alle Äußerungen der Soldaten deren eigene Erkenntnis? Natürlich sind alle Soldaten gebrieft und werden keine Aussagen machen, die ihnen während ihrer verbleibenden Zeit beim Militär Nachteile eintragen könnten - wer lässt sich schon gern über Jahre von seinen Vorgesetzten schikanieren?

Leber aber spielt uns weiter den Naiven vor. Eines dieser gut organisierten Briefings leitet Batallionskommandeur John Donlin:
"Die Pilze sind schuld, sagt John Donlin. Im Grunde seien die Panzer vom Typ Abrams schon gestern feuerbereit gewesen. Wenige Stunden nach dem Abladen vom Zug."
Der Grund dafür, dass die US-Kriegsmaschine leicht ins Stocken geriet, lag nicht etwa an seinen hochmotivierten Kriegern sondern an einer merkwürdigen Angewohnheit der putzigen Eingeborenen. Dolin
"musste sich das Problem von seinen polnischen Kollegen erklären lassen, doch wenn er es richtig versteht, strömen die Einheimischen zu dieser Jahreszeit scharenweise in den Wald, um Steinpilze zu suchen, die sie dann trocknen und Weihnachten verspeisen."
Dabei machen sie sich dass merkwürdige, selbstmörderische Verhalten der Lemminge zu eigen und lassen sich bei ihrem Tun
"auch vor Warnschildern militärischer Sperrzonen nicht abschrecken."
Der Kommandeur nahm Rücksicht auf das merkwürdige Verhalten der Polen, denen scheinbar ein paar getrocknete Pilze zu Weihnachten, die man in jeden US-Supermarkt für ein paar Dollar erstehen kann, wichtiger waren als ihr Schutz vor dem, gegen die polnischen Grenzen anrennenden Iwan:
"Weil es gestern neblig war, verschob Donlin die Schießübungen. Er wollte kein Unglück riskieren."
Welch tröstliche Botschaft: der Hegemon verzichtet zugunsten einiger durchgeknallter Pilzsammler auf ein schönes Gemetzel. Für Leber eine kleine Tragödie. Wie schön hätte sich doch eine Geschichte gemacht wie: Putin opfert Leben hunderter polnischer Pilzsammler um Verteidigung der westlichen Hemmisphäre an der Nato-Ostgrenze zu behindern!

 Dieser Megastory beraubt bleibt dem Mann vom Tagesspiegel im Herzen des Widerstandes gegen die russische Übermacht nur, weiter vom fröhlichen Soldatenleben zu berichten:
"Nun aber klingt es, als stehe das ganze Camp unter Beschuss. Obwohl die Panzer in hunderten Metern Entfernung feuern, dröhnen die Explosionen durch Schlafsäle, Duschen, die Essensausgabe."
Und anders als im vom ständigen Nörgeln und von Wutbürgern in seiner Heimat Deutschland bedrohten unbedingten Verteidigungswillen regt sich niemand über den höllischen Lärm auf:
"Keinen stört es."
Ein Paradies für Schlachtenlenker, Tötungsspezialisten und deren journalistischen Hofschranzen.

Leber kann keine gefährliche Konfliktsituation erkennen, läßt kein Gefühl der Bedrohung bei den in den letzten Jahrhunderten ständig aus dem Westen überfallenen Russen gelten. Für ihn zählen nur die platten eindimensionalen, dazu noch keiner sachlichen Überprüfung standhaltenden Behauptungen der ihm überreichten "Infomappen":
"Die Präsenz der Dolch-Brigade soll Russland abschrecken. Und gleichzeitig die Nato-Partner der Region beruhigen, die nach der Annexion der Krim und dem Eingreifen in der Ostukraine weitere russische Aggressionen fürchten."
 Wie schön einfach doch die Welt der Kämpfer und der Informationskrieger des modernen PR-Journalismus ist. Leber jedenfalls wird nicht fürs Reflektieren bezahlt. Er soll Stimmung machen, weshalb er auch ohne Umschweife, wie in einem Schulaufsatz von Viertklässlern (Meine schönsten Ferienerlebnisse) weiter fröhlich von seiner gesponserten Tour durchs von detonierenden Granaten durchwühlte polnische Übungsgelände berichtet:
"20 Kilometer südlich des „Camp Karliki“ genannten Lagers steht Captain Terry Battison auf einer Aussichtsplattform. Vor ihm ein riesiges freies Feld, auf dem vier Panzer und sechs gepanzerte Fahrzeuge abwechselnd vor- und zurücksetzen. Sie feuern auf Holzgestelle in der Ferne. Man sieht erst das Mündungsfeuer, nach einer Sekunde hört man den Knall."
Und nun aufgepasst liebe Kinder: Der Onkel Battison aus Ohio erklärt euch die Welt:
"'Physik', sagt Battison",
und er hat noch einen kleinen Trost für alle, die dereinst, wenn die Kriegstreiber dieser Welt wieder einmal alle anderen niedergebrüllt haben, im Granatfeuer für Ruhm Ehre, Vaterland und natürlich für die gesamte westliche Welt ganz unpathetisch ins Gras beissen:
"Deshalb wirst du die Kugel, die dich tötet, niemals hören."
Sebastian Leber hat wohl das Gefühl uns die inneren Beweggründe des Berufssoldaten Terry Battison, warum er durch die Welt reist und Leute totschießt, etwas näher zu bringen. So sollen wir auf keinen Fall annehmen, der Beweggrund für Terry Battison sei,
"dass die Armee für viele die Chance zum sozialen Aufstieg ist, denn wer sich für drei Jahre verpflichtet, startet mit mindestens 2000 Dollar netto im Monat und hat gute Chancen auf ein College-Stipendium."
Terry ist Patriot. Nur hehre ethisch einwandfreie Gründe liessen ihn zum Killer werden:
"Terry Battison ist 35 und in Ohio aufgewachsen. Dass er zur Armee ging, sagt er, hing mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zusammen. 'Ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen.' "
 Was jetzt das sinnentleerte Ballern von Kettenfahrzeugen auf polnischen Truppenübungsplätzen mit dem 11. September 2001 zu tun haben soll, bleibt ungeklärt. Es scheint wohl seine Begründungung in der Tatsache zu haben, dass der "War on Terror" jede Schandtat der USA entschuldigt, Ob Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, der Drohnenterror in Pakistan, Jemen, Somalia oder die widerlichen Regimechangeversuche in Georgien, der Ukraine, Honduras, Ägypten oder Myanmar, der 11. September 2001 rechtfertigt jegliches Morden, Vergewaltigen, Aushungern und verwüsten fremder Länder.

 Eine Tatsache, der auch die nächste, von Leber geschilderte Szene nur bei ihm euphorische Freude aufkommen läßt, bei den meisten Leserinnen und Lesern seine Pamphletes aber eher Bilder des Grauens aus dem Vietnamkrieg, aus Afghanistandem Irak oder aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu hervorrufen:
"...von Süden nähern sich zwei tieffliegende Apache-Kampfhubschrauber. Einer der Soldaten sagt: 'Da kommt die Freiheit.'"
Es darf angenommen werden, das die Menschen des Südens unserer Erdkugel, sich die Freiheit ein kleinwenig anders vorstellen und bei solchen Bildern gewohnheitsmässig zusammenzucken und eiligst Deckung suchen:
"Die Apaches haben ihr Ziel schnell erreicht, bleiben in der Luft stehen, feuern Raketen und Kugelsalven. Sie lassen an diesem Tag keinen Holzgegner übrig."
Leber berichtet lieber noch über ein paar Belanglosigkeiten aus dem, ach so lustigem Soldateneben, z. B.:
"dass Panzerfahren in Polen angenehmer ist als in Kuwait, weil die Abrams zwar über Heizungen, nicht aber über Klimaanlagen verfügen, …dass sich die Soldaten über die deutschen Leopard-Panzer wundern, weil diese noch mit Diesel betrieben werden, …dass manche Einheiten bereits zum Bemalen von Keramiktassen eingeladen wurden, eine Spezialität der Region, und dass dies am Ende tatsächlich Spaß gemacht habe."
Mit diesem eleganten Schwenk ist Sebastian Leber dann beim zweiten Teil seiner Aufgabe angelangt: Der Völkerverständigung:
"Das überrascht in diesen Tagen im Westen Polens am meisten: wie ein Konflikt zwischen der mächtigsten und der zweitmächtigsten Streitmacht der Welt gleichzeitig zum Fest der Völkerfreundschaft und Verständigung geraten kann."
 Wer das jetzt für ausgemachten Schwachsinn hält und die Argumentation in ihrer Schlüssigkeit mit jener die behauptet "Nachts ist es kälter wie draußen" in etwa auf demselben intellektuelln Niveau sieht, der wird umgehend eins Besseren belehrt. So weiß Leber von einer Begebenheit aus dem vergangenen Februar zu berichten, die er zwar nicht selbst miterlebt hat, die ihn aber mit der Wärme der inneren Zufriedenheit erfüllt:
"In Boleslawiec, einer 40 000-Einwohner-Stadt nahe Zagan, wurden die Soldaten im Februar mit einer Feier begrüßt. In der Fußgängerzone standen Raketenwerfer, Konfetti-Kanonen schossen in die Luft, dazu ertönte die Musik aus „Rocky“ - und oben auf der Bühne behauptete der Brigade-Kommandeur ernsthaft, er blicke hier, auf dem Marktplatz von Boleslawiec, auf die großartigsten Menschen der ganzen Welt." 
Nach solch Schmeicheleien nimmt es nicht wunder, dass auch die betroffenen Polen voll des Lobes für ihre Beschützer sind:
"Montagnachmittag im Rathaus von Zagan. Bürgermeister Slawomir Kowal lädt zu einer Pressekonferenz, um den positiven Einfluss der Soldaten auf seine Stadt zu loben."
Zwar hat der hochverehrte Herr Bürgermeister zunächst noch nur den schnöden Mammon im Auge:
"Wegen der Gäste aus Übersee hätten neue Restaurants eröffnet, "
findet aber erstaunlich schnell zu der nicht kommerziellen, eher auf den Werten von Freundschaft und tätiger Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe beruhenden Sichtweise zurück:
"Einige Soldaten der jetzt abreisenden Brigade hätten an Schulen beim Englischlernen geholfen. Andere hätten auf dem Marktplatz kleine Geschenke an Kinder verteilt. Slawomir Kowal lässt keinen Zweifel daran, dass die US-Truppen das Beste sind, was seiner Gemeinde passieren konnte."
Da will auch das gemeine polnische Volk nicht abseits stehen. Vom einsetzenden Dollarregen etwas schwindelig geworden, singt sie das Lied vom "Big Spender":
"Wer durch die Innenstadt von Zagan spaziert und Einheimische fragt, wie sich die US-Soldaten bisher benommen haben, bekommt eine einhellige Antwort: Extrem höflich sind sie. Angenehm, unauffällig und zuvorkommend. Nie laut oder sonst wie störend."
In eben dieser "Innenstadt von Zagan, ...am Rand der Fußgängerzone":
"...stehen sechs junge US-Soldaten in Zivil vorm Geldautomaten und ziehen sich ihre ersten Zlotys. Jeder erst mal 200, das sind 55 Dollar. Einer sagt, die Gegend erinnere ihn an Oregon. So viele Bäume überall",
und er äußert den Wunsch, den wohl jeder junge Soldat hat, wenn er in einem fremden Land, fern der Heimat stationiert wird:
"Die nächsten neun Monate möchte er nutzen, um möglichst viel polnische Kultur und Geschichte kennenzulernen."
 Leber scheint kein verschrobenes Klischee zu schmierig um sein Bild von der kultivierten Kriegführung und dem Ethos der Schlachthäuser auszumalen.

 Etwas realistischer für einen jungen Mann, dem für Wochen kaserniert, drohen die Hormone durchzugehen, scheint der Wunsch seines Kumpels:
"Ein anderer sagt, er möchte lieber eine polnische Freundin."
Leber scheint auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Leider nur für kurze Zeit. Schon die nächsten Sätze zeugen wieder von seinem missionarischen Eifer, der auch von der Lächerlichkeit der er sich preisgibt nicht gestoppt werden kann:
"Dann werden sie hektisch und drücken ihre Zigaretten aus. Da hinten nähert sich eine Frau mit Kinderwagen. Das Baby soll keinen Rauch abkriegen, sagen sie."
 Ja wenns jetzt ein verdammter Russenbalg, oder eine Islamistenbrut wäre, dann wäre es die heilige Pflicht der Soldaten kurzen Prozess zu machen - sofort erschiessen - aber ein kleines süsses polnisches Kind, da werden die Herzen weich.

 Merkt Leber nicht welchen Schwachsinn er da absondert? Oder will er es nicht merken: Die jungen Soldaten sind zu Kampfmaschinen, zu Tötungsmaschinen ausgebildet und sie sind in Polen nur zu einem Zweck: Wenn sie den Befehl erhalten, dann werden sie jeden töten, der sich ihnen in den Weg stellt, ob Pole, Deutscher, Litauer oder Russe. Sie werden ohne zu fragen Städte, ob Zagan oder Bagdad, dem Erdboden gleich machen. Sie werden die Böden vergiften und die Flüsse zu Chemiekloaken machen, auf denen tausende von Leichen stromabwärts treiben. Sie werden von Polen, von Europa nichts übriglassen als eine strahlende Wüste, für zehntausende von Jahren unbewohnbar bleibt - und dieser Möchtegern-Journalist will uns eine rührseelige Geschichte von sechs jungen Männern erzählen, die ihre Zigaretten austreten um ein kleines Kind nicht dem schädlichen Rauch auszusetzen?

 Gäbe es eine Ekelskala für Ergüsse aus deutschen Redaktionsstuben, so hätte sich Sebastian Leber vom Tagesspiegel mit seiner Homestory aus einem der Hotspots realpolitischer Kriegstreiberei sicherlich einen der Spitzenplätze verdient. Leider gilt aber der Ansporn an seine Kollegen auch weiterhin: Schlimmer geht immer.

Freitag, 27. Oktober 2017

SPD feiert Sacharow-Preis für Putschisten und Neonazis genau wie der Front National Marine Le Pens und die Partij voor de Vrijheid von Geert Wilders

 Da ist sie glücklich, die bei der letzten Bundestagswahl so stark von den Wählern abgestrafte und dezimierte Fraktion der Sozialdemokraten:
"Sacharow-Preis für Opposition in Venezuela",
war die Pressemitteilung die Frank Schwabe, unter dem Briefkopf der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, in eine überaus irritierte Welt posaunte.

Screenshot: SPD

 Schwabe, der seit 2005 für die SPD im Bundestag sitzt, ist deren "Fraktionssprecher für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe". Da Schwabe daher für die SPD-Fraktion spricht, ist anzunehmen, dass also die gesamte Fraktion voller Begeisterung ist, für die Entscheidung des Europaparlamentes, der Opposition in Venezuela den diesjährigen Sacharow-Preis zu vermachen:
"Der Sacharow-Preis des Europaparlaments steht für Menschenrechte und Grundfreiheiten. Es ist eine gute Entscheidung, in diesem Jahr die demokratische Opposition in Venezuela zu würdigen und politisch zu stärken....Es würdigt in dem autoritären Staat den Mut der Regimekritiker, die ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte mit Schikanen, Haft und Folter bezahlen."
 Gar geplanten Völkermord sieht Schwabe in dem Südamerikanischem Land heraufziehen. Er verdächtigt die Maduro-Regierung, die eigene Bevölkerung systematisch auszuhungern:
"Nur noch das Militär und regierungstreue Kader kommen an Lebensmittel."
Die Preisträger 

Wer sind nun aber diese mutigen "Regimekritiker"? Namentlich erwähnt werden vom EU-Parlament z. B. Antonio Ledezma, Leopoldo López und Lorent Saleh. Die Internetseite "amerka21" nennt einige der Demokratie- und Menschrechtsaktivitäten:

  • Antonio Ledezma: Der ehemalige Bürgermeister des Großraums Caracas war mitverantwortlich für die militärische Niederschlagung sozialer Unruhen 1989. Bei dem sogenannten Caracazo kamen hunderte, wenn nicht tausende Menschen ums Leben. Ledezma steht derzeit unter Hausarrest und wartet auf den Prozess wegen Beteiligung an Putschvorbereitungen im Jahr 2015;
  • Leopoldo López: Der Politiker der rechtspopulistischen Partei Voluntad Popular (Volkswille) gehörte zu den aktiven Unterstützern eines blutigen Putschversuches im Jahr 2002 und nahm an der Entführung eines gewählten Ministers der Regierung von Ex-Präsident Hugo Chávez (1999-2013) teil. López verbüßt derzeit eine 14-jährige Haftstrafe wegen Anstachelung zu blutigen Unruhen im Jahr 2014. Das Oberste Gericht wandelte seine Haftstrafe am 8. Juli in einen Hausarrest um;
  • Lorent Saleh: Von den Befürwortern der Preisentscheidung in diesem Jahr als "Student und Aktivist" bezeichnet. Saleh wurde in Venezuela inhaftiert, nachdem er im Nachbarland Kolumbien Kontakte zu Neonazis und rechtsextremen Paramilitärs aufnahm, um in Venezuela einen bewaffneten Kampf zu beginnen. Saleh sorgte auch für Kontroversen, weil er Homosexualität und Pädophilie gleichsetzte.
Hinzu kommt Julio Borges, seines Zeichens Parlamentspräsident. Über ihn schreibt Wikipedia:
"Seit Hugo Chávez venezolanischer Präsident wurde, ist Borges ein lautstarker Kritiker der Regierung. Er und seine Partei unterstützten den Staatsstreich im April 2002. Seine Partei unterstützte offen den „Ölstreik“ 2002/2003. Borges wurde von der Regierung vorgeworfen, städtische Unruhen zu unterstützen, sich gegen die Regierung zu verschwören und ein Agent der CIA zu sein."
Das Borges natürlich bestreitet ein CIA-Agent zu sein, wird wohl ernsthaft niemanden überraschen.

So sieht sie aus, die neue SPD

Apropo Wikipedia: Zu dieser Seite pflegt auch der Menschenrechtsbeauftragte der SPD-Faktion Frank Schwabe ein besonderes Verhältnis:
"Schwabes Wikipedia-Artikel wurde öfter geändert und der Hinweis entfernt, dass er in keinem seiner Studienfächer einen Abschluss gemacht hat. Nach einer Recherche der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab Schwabe dann zu, dass sich sein Büro darum kümmere".
Aber das nur nebenbei.

 Schwabe ist übrigens nicht von dem so oft beschworenem Neuanfang der SPD nach der desaströse Wahl vom 24. September betroffen. Er hatte dieses Amt bereits schon in der letzten Legislaturperiode inne.

 Ein Neuanfang scheint sich allerdings in der politischen Ausrichtung der SPD und ihrer Bundestagsfraktion unter der genialen Strippenzieherin Andrea Nahles zu manifestieren. Nachdem der rechte Seeheimer Kreis so ziemlich alle zu vergebenen Posten unter seinen eigenn Mitgliedern verteilt hat (im Wettbewerb um den Posten des Vizepräsidenten des Bundestages zogen die zwei weiblichen Konkurrentinnen des Seeheimers Thomas Oppermann, Ulla Schmidt und Christine Lambrecht überraschend ihre Kandidatur zurück: Ein Schelm wär böses denkt) scheint man jetzt auch an einem Rechtsruck in der Politik selbst zu arbeiten.

Oppermann und seine Kungelpartnerin Nahles erhielten übrigens bei der Abstimmung im Plenum des Deutschen Bundestages von den Abgeordneten eine schallende Ohrfeige. Der Kandidat der SPD bekam nur 396 Ja-Stimmen, 220 Abgeordnete stimmten gegen ihn und 81enthielten sich der Stimme. Sogar die Kandidatin der Linken, Petra Pau konnte ein besseres Ergebnis vermelden. Sie bekam 456 Ja-Stimmen. Oppermanns Vorgängerin, die, sich selbst aufopfernd, auf eine Kandidatur verzichtende Ulla Schmidt, hatte 2013 noch 520 Stimmen für sich verbuchen können.

Die SPD und die Europäische Rechte

 Besonders pikant: Die von Frank Schwabe  und der SPD-Fraktion so enthusiastisch gefeierte Vergabe des Sacharow-Preises kam unter tätiger Mitwirkung der ENF-Fraktion im EU-Parlament zustande. ENF ist die Abkürzug für "Europe of Nations and Freedom". Die ENF ist die Fraktion der Rechtspopulisten und Rechtsradikalen im Europaparlament. In ihr haben sich solche politischen Schmuddelkinder wie die
  •  Vlaams Belang (VB), aus Belgien, 
  • die Lega Nord (LN) aus Italien, 
  • die Partij voor de Vrijheid (PVV) Geert Wilders aus den Niederlanden, 
  • die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) aus Österreich und dem 
  • Front National (FN) Marine Le Pens aus Frankreich 
zusammengeschlossen. Aus Deutschland gehört Marcus Pretzell, Ehemann von Frauke Petry und bis zu seinem Austritt aus der Partei, Landesvorsitzender der AFD in Nordrhein-Westfalen der Rechtsaussen-Fraktion an. Bahnen sich da etwa erste zarte Bande zwischen SPD und AFD im Bundestag an? Schliesslich teilt man ja gemeinsam die harten Bänke der Opposition.

 Das man diese skandalöse, und nur dem Ziel aller Rechten geschuldete Absicht, die sozialistische Regierung in Venezuela so schnell wie möglich zu Fall zu bringen, Preisverleihung an Putschisten, Neonazis und Aufwiegler zu Gewaltakten, auch anders sehen kann, dokumentierte die Fraktion der Linken im Europaparlament GUE/NGL. Sie kündigte an, der Preisverleihung an die
"Vertreter der extremen Rechten, die kein Interesse an der Wiederherstellung der Demokratie haben",
fern zu bleiben.

Wie schreibt doch der "menschenrechtspolitische Sprecher" der SPD-Fraktion Frank Schwabe:
"Venezuela hat den Weg der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verlassen".
 Mir scheint, in der SPD sollte man aufpassen, nicht den gleichen Weg zu gehen. Undemokratisches Postengeschacher, geistige Annäherung an die Rechtspopulisten in Europa und ein "menschenrechtspolitischer Sprecher", der Menschenrechte scheinbar ausschliesslich an der politischen Orientierung der Betroffenen ausrichtet sind nicht gerade ein Beleg für besondere Nähe zu Freiheit und Demokratie. - Einmal ganz abgesehen von der, von Sozialdemokraten in ihren Sonntagsreden so gern zitierten Solidarität aller Demokraten.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Verdeckt rassistische Wertung von Menschenleben bei ARD-Aktuell?

Am Samstag, den 14. Oktober kam es in der somalischen Hauptstadt Mogadischu zu einem entsetzlichen Terroranschlag. Als dort ein LKW in die Menschenmenge fuhr und anschliessend auf einer grossen Kreuzung seine Sprengstoffladung zündete starben mindesten 300 Menschen und viele Hunderte wurden zum teil schwer verletzt. Einer der schwersten Terroranschläge, die die Welt bisher erlebt hat.

Samstag 14. Oktober:
 Die ARD brachte in ihren Tagesthemen um 23:30 eine Kurzmeldung von 24 Sek. in der Rubik „Weiter Meldungen im Überblick“ zwischen einer Meldung um die bevorstehende Einnahme der syrischen Stadt Rakka durch die, wie es hieß, von den USA geführte Koalition und einer Meldung über die Waldbrände in Kalifornien (26 Sek.).

Selbst ein Beitrag über den Hollywood-Grabscher und Filmproduzenten Harvey Weinstein schien den Machern der Sendung um einiges wichtiger zu sein als die Opfer der Bluttat von Mogadischu. 2 Minuten und 58 Sekunden lang empörten sich die Tagesthemen über einen Fall sexueller Gewalt. Dabei ist das Phänomen der Besetzungscouch doch allenthalben bekannt, seitdem in Hollywood Filme gedreht werden. Bedauerlich für die Opfer, aber sicherlich keine weltweite Sensationsmeldung.

Sonntag 15. Oktober:
 Am Tag darauf, am Sonntag den 15. Oktober befleißigte sich die Tagesschau dann weiter ihre Zuschauer auf dem laufenden zu halten. In der knapp dreiminütigen Sendung um 12:00 Uhr war das scheinbar wichtigste Thema ein Ausblick auf die am gleichen Tag stattfindenden Landtagswahlen in Niedersachsen (40 Sek.).

 Ein Ausblick auf die Nationalratswahlen in Österreich, die ebenfalls an diesem Sonntag stattfanden wurde an zweiter Stelle gesendet und war DR. Gniffke und seiner Crew immerhin noch 28 Sekunden Sendezeit wert. Ebenso lang geriet der Bericht aus der Frankfurter Paulskirche, wo die kulturelle Elite des Landes sich versammelt hatte um den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood zu verleihen.

 Bevor man sich abschließend noch 30 Sekunden Zeit nahm um den Sieg des Deutschen Patrick Lange bei dem auf Hawaii stattfindenden Ironman-Wettbewerb gebührend zu feiern, blieben gerade einmal 21 Sekunden Zeit für die Meldung von zu diesem Zeitpunkt bereits angenommenen 90 Todesopfern in der Somalischen Hauptstadt.

 Auch um 13:15 Uhr hatte die Tagesschau 21 Sekunden für die gleichen, uninteressanten und uninspirierten Agenturfilmchen aus Mogadischu, unterlegt mit deutschem Kommentar, bevor wieder Harvey Weinstein die gesamte Aufmerksamkeit des gerade mit dem Sonntagsbraten vollgetopften Publikums galt. Die Oskar-Akademie habe den Badfinger nun aus ihren Reihen ausgeschlossen. Eine Meldung deren Brisanz, die satten Zuschauer, die schon im Begriff waren in den wohlverdienten Mittagsschlaf hinüberzudösen (28 Sek.), noch einmal hellwach werden liessen.

 Dermassen aufgeschreckt schob Dr. Gniffke noch eine Meldung von der Ostküste der USA nach. Die Waldbrände waren wieder da. 36 Sekunden Rauch, Flammen und heldenhaft kämpfende Feuerwehrleute, 10.00 sollten laut Tagesschau im Einsatz sein. Feuerlöschflugzeuge und Hubschrauber illustrierten die Meldung von ca. 40 Todesopfern, rund 200 vermissten Personen 5.700 zerstörten Gebäuden und Milliarden Dollar Wiederaufbaukosten.

 Zur Hauptmeldung hatte sich in der Zwischenzeit der Sieg des Deutschen Patrick Lange beim Ironman auf Hawaii entwickelt. 1 Minute und 50 Sekunden sonnte sich die Tagesschau im Ruhm des Extremsportlers.

 In ihrer Ausgabe um 17:15 hielt es die Tagesschauredaktion in Anbetracht der auf eine Anzahl von mindestens 230 Menschen die gestorben sind und der angenommenen 275 Verletzten signifikant angestiegenen Opferzahlen des Terroranschlags in Mogadischu für geboten, diesen Menschen auf ihre Art ihre Ehrerbietung entgegenzubringen. Sie verlängerte ihre Sendezeit von bisher 21 auf 31 Sekunden.

 Hollywood-Grabscher Harvey Weinstein, dem sexuelle Nötigung vorgeworfen wird und der sie wohl alle auf sein Couch zwang, bekommt von der Tagesschau eine Sendezeit von fast zwei Minuten eingeräumt. Dieses Missverhältnis an Aufmerksamkeit in den westlichen Medien sollte die Taliban stutzig machen. Vielleicht sollten sie in Zukunft weniger bomben und morden, als mehr durch die westlichen Innenstädte laufen und an Po und Busen grabschen. Reichlich Sendeplatz bei ARD-Aktuell wäre ihnen gewiss.

 Um 20:15 Uhr war natürlich die Niedersachsenwahl Thema Numero eins. Danach widmete sich die Tagesschau noch der Nationalratswahl in Österreich. Nach 12:56 Minuten dann der Terroranschlag in Mogadischu, der sich also zwischenzeitlich auf einen erstaunlichen dritten Platz in den Nachrichten gemausert hatte. Ein Umstand, der sich allerdings bei Inhalt und Länge des Beitrags nicht bemerkbar machte.

 Selbst die AFD-Truse Dana Guth durfte sich 34 Sekunden lang spreizen und der ebenfalls rechtspopulistische Heinz-Christian Strache von der Österreichischen FPÖ konnte 11 Sekunden kraftmeiern, nachdem uns die Tagesschau zuvor 8 Sekunden lang in den Genuss von Bildern aus einem Bierzelt der „Freiheitlichen“ hatte kommen lassen. Da blieben dann für die nun bereits annähernd 300 Todesopfer im fernen Somalia eben nur 29 Sekunden Sendezeit übrig.

 Wie schon am Tag zuvor war die Katastrophe von Mogadischu den Tagesthemen nur eine Erwähnung in der Rubrik „Weitere Meldungen im Überblick“ von 24 Sekunden Länge wert. Zwar rang sich Caren Miosga in der Anmoderation ein paar bedauernde Worte ab:
„Gestern wurde Somalias Hauptstadt Mogadischu von einem schweren Bombenanschlag erschüttert. Wie schwer er tatsächlich war, dass wurde erst heute deutlich“.
Am Beitrag aber hatte sich gegenüber des Filmchens in den 20:00 Uhr-Nachrichten nichts geändert. Die ARD weigerte sich weiterhin der menschlichen Tragödie in der somalischen Hauptstadt einen dem Ausmaß entsprechenden Raum in ihren Nachrichtensendungen einzuräumen.

Montag 16. Oktober:
In den Kurznachrichten der Tagesschau am Morgen des 16. Oktober fand der Terroranschlag in Mogadischu nicht mehr statt. Erst in der fünfzehnminütigen Sendung um 12:00 Uhr war ein Plätzchen von 27 Sekunden Länge für eine Meldung übrig. Aber erst nachdem Klaus-Rainer Jackisch seinen üblichen Business-Müll, in einer Schalte aus der Börse in Frankfurt unter das wissbegierige Volk gebracht hatte:
„Es gibt durchaus Sorgen, dass sich die Regierungsbildung auf Bundesebene nach dieser Landtagswahl in Niedersachsen nun noch weiter hinschleppt und noch schwieriger wird. Und nichts mag man hier weniger als Unsicherheit und eine lange Dauer bis so eine Regierungsbildung entsteht. Hinzu kommt natürlich, dass sich der Katalonienkonflikt immer weiter zuspitzt mit zunehmden wirtschaftlichen Folgen, sodaß die Anleger sich heute zurückhalten. Dennoch ist der deutsche Aktienindex über dreizehntausend Punkten mit einem kleinen Plus von 22 Punkten gegenüber Freitag…“
 Irgendeine Agentur hatte wohl neue Bilder geliefert: Um 14:00 am 16. Oktober, also ganze zwei Tage nach dem schrecklichen Ereignis, dann ein erstes Lebenszeichen vom Auslandsstudio der ARD in Nairobi. Die Sendeanstalt in Deutschland, die sich doch immer so viel auf ihre Auslandsstudios einbildet, verfügt in Nairobi über ein Studio mit zwei Fernseh- und einer Hörfunkjournalistin, die für 38 afrikanische Länder, von Niger und dem Tschad im Norden bis Sambia im Süden und vom Senegal und Gambia im Westen bis Somalia im Osten quer über den Kontinent verantwortlich sind. Dazu kommen noch die Inseln der Seychellen und Komoren, Madagaskar und Mauritius. Die Frage, wie unter diesen Umständen eine halbwegs vernünftige Berichterstattung zustande kommen soll, kann wohl nur jemand positiv beantworten, für den ja „da unten alles irgendwie Afrika ist und die Menschen dort alle irgendwie schwarz“.

 Immerhin, Caroline Hoffman aus dem Studio Nairobi hatte einen Beitrag von 1:30 Minuten aus Agenturmaterial zusammengeklöppelt und mit einem eigenen Kommentar versehen, sichtlich bemüht, den Konflikt in Somalia auf eine Auseinandersetzung zwischen der Regierung Mohamed Abdullahi Mohamed und den radikalislamistischen Al Shabaab Milizen einzugrenzen. Obwohl Al Shabaab erst ab 2007 eine führende Rolle im somalischen Bürgerkrieg zu übernehmen begann.

Die frühen 1990er Jahre und das Öl
In die Schlagzeilen der Weltpresse geriet der Konflikt in Somalia zum ersten Mal, als vor etwas mehr als 24 Jahren, am 3. und 4. Oktober 1993 in der sogenannten "Schlacht von Mogadischu" 18 US-Soldaten, ein Soldat aus Malaysia und etwa 1000 somalische Kämpfer und Zivilisten getötet wurden. Zwei Kampfhubschrauber wurden abgeschossen und mehrere getötete Mitglieder der Besatzungen unter dem Gejohle des Pöbels, nackt durch die Straßen Mogadischus geschleift.

 Diese schwere Niederlage führte dazu, dass die USA ihre Truppen, die an einer UNO-Mission teilgenommen hatten, im März 1994 aus Somalia zurückzogen.

1992 waren die erst US-Soldaten deren Kontingent sich zeitweise auf 30.000 Mann vergrößerte, in Somalia an Land gegangen. Offiziell sollten sie helfen eine große Hungersnot zu bekämpfen, die zum Zeitpunkt der US-Landung allerdings schon weitgehend überwunden war. Schon bald aber kamen Zweifel auf, an den rein altruistischen Beweggründen der USA.

In Somalia wurde Oil und Gas in nicht unbeträchtlichen Mengen vermutet. Die Heritage Foundation schreibt in ihrer 2014 erschienen Studie:
"Oil in Somalia - Adding Fuel to the Fire?":
"In Ostafrika wurden etwa 10 Prozent aller Bohrlöcher in Somalia gebohrt (Abiikar, 2012). Während die Exploration in dieser jüngsten und in vielerlei Hinsicht extremsten Kohlenwasserstoff-Grenzregion in den letzten Phasen bleibt, liegen Schätzungen zufolge die Ölreserven des Landes auf 110 Milliarden Barrel und liegen damit auf Augenhöhe mit Kuwait (United Press International, 2012)."
Bereits 25 Jahre zuvor, noch zu Regierungszeiten von Präsident Siad Barre hatten sich vier US-amerikanische Ölmultis zweidrittel de Fläche Somalias für die Suche nach Öl und Gas gesichert.
"Dieses Land könnte nach Ansicht von Geologen und Industriequellen beträchtliche Mengen an Öl und Erdgas liefern, wenn die von den USA geführte Militärmission den Frieden in der verarmten ostafrikanischen Nation wiederherstellen kann", 
schreibt Mark Fineman am 18 Januar in der "Los Agelas Times" in seinem Artikel "The Oil Factor in Somalia". Eine Depesche der US-Botschaft in Mogadischau aus dem März 1990 gibt Auskunft über die Bemühungen der Conoco Inc., einem der vier Konzerne und dessen enge Beziehungen zur US-Regierung.

 Fineman schreibt über den Beginn der US-Intervention in Somalia:
"Conoco, dessen unermüdliche Explorationsbemühungen in Nord-Zentral-Somalia kurz vor Siad Barres Sturz die ermutigendsten Aussichten geweckt hatten, erlaubte es, seine Mogadischu-Firmenzentrale einige Tage vor der Landung der US-Marineinfanterie in eine de facto amerikanische Botschaft zu verwandeln, mit Bushs Sonderbeauftragtem, der es als sein vorläufiges Hauptquartier benutzte. Darüber hinaus erhielt der Präsident der Tochtergesellschaft des Unternehmens in Somalia hohes offizielles Lob dafür, dass er in den Monaten vor und während der US-Intervention als freiwilliger "Vermittler" der Regierung fungierte.
Die Los Angeles Times zitiert einen Somaliaexperten:
"Was bleibt ist, dass alle denken, die große Frage sei hier nicht die Hungerhilfe, sondern das Öl - wenn die Ölkonzessionen, die unter Siad Barre gewährt wurden, übertragen werden, und wenn der Frieden wiederhergestellt wird, ist es potenziell Milliarden Dollar wert und glauben sie mir, so sieht das ganze Spiel aus." 
Der Krieg gegen den Terror
Am 28 November 2002 lenkten drei Männer ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in ein Hotel im kenianischen Kikambala. Dabei kamen die Attentäter und dreizehn weitere Menschen ums Leben, 80 wurden verletzt. Fast zeitgleich feuerten zwei Männer mit Boden-Luft-Raketen auf eine israelische Passagiermaschine. Beide Raketen verfehlten die Maschine nur knapp. Daraufhin begann eine Jagd nach den Hintermännern der Angriffe in ganz Ostafrika. Dabei stand Somalia im Zentrum des Interesses. Schon zuvor hatten die USA eine enge Zusammenarbeit mit den Warlords gepflegt, wie aus einer von WikiLeaks veröffentlichten Depesche des Botschafters Bellamy in Nairobi, Kenia vom 02. Juni 2002 hervorgeht. In der Folge errichtete diese „Alliance for the Restoration of Peace and Counterterrorism“ (ARPCT) wie sie von den USA genannt wurde, eine wahre Schreckensherrschaft.

Der US-amerikanische Journalist Jeremy Scahill schreibt in seinem Buch „Schmutzige Kriege“:
„In der Annahme, sie hätten die Rückendeckung Washingtons, entwickelten sich Qanyare (ein Warlord, den Scahill interviewt hatte) und seine CIA-gestützten Verbündeten von Gangstern, die um Territorien konkurrierten, zu paramilitärischen Milizen, die unter dem Vorwand des Kriegs gegen den Terrorismus ihre Aktivitäten rechtfertigten. CIA-Agenten und Spezialeinsatzkräfte flogen regelmäßig von Nairobi nach Mogadischu, im Handgepäck Geld und Listen mit Verdächtigen, die Washington beseitigen wollte.“
 Bereits seit dem Sturz von Siad Barre 1991 hatten islamistische Gerichtshöfe in weiten Teilen Somalias die  Verwaltung übernommen. Sie trafen auf breite Unterstützung der Bevölkerung, die in einem gesetzesfreien Raum lebend, der Willkür der einzelnen Warlords ausgesetzt war. Dabei waren diese Gerichtshöfe durchaus unterschiedlich in ihrer Interpretation islamischer Gerichtsbarkeit. Das Spektrum reichte von durchaus liberaler Auslegung der Sharia bis hin zu radikalislamistischen Ansichten. Mit der Zeit schlossen sich immer mehr dieser Gerichtshöfe zusammen. Im Jahr 2000 wurde die Islamic Courts Union (ICU), die Union islamischer Gerichte gegründet. Die ICU brachten nach langer Zeit wieder eine verlässliche Ordnung in das Land. Aus diesem Grund waren sie in der Bevölkerung sehr geschätzt.

 Die USA sahen in der ICU allerdings einen Gegner in ihrem Krieg gegen den Terror. Sie unterstützten massiv die Clanmilizen, die der Bevölkerung zutiefst verhasst waren. Die ICU war aber nach Aussage fast aller Experten eine echte Volksbewegung mit rein innersomalischen Zielen. Sie wollte Ruhe und Ordnung und eine gewisse Staatlichkeit wiederherstellen. Sie hatte keinerlei Verbindung zu Al Quaida oder gar zu Osama Bin Laden. Die Bush-Regierung aber sah in der Union islamischer Gerichte einen Feind.

Salim Lone, ein Kolumnist der Daily Nation in seinem Heimatland Kenia und zuvor 21 Jahre tätig bei der UN, schreibt am 04. Januar 2007 in "The Nation"
"Washington beschloss jedoch, die Situation nur durch das Prisma seines "Krieges gegen den Terror" zu betrachten. Die Bush-Administration unterstützte die Warlords - in Verletzung eines UN-Waffenembargos, das sie vor vielen Jahren gegen Somalia verhängt hatte - und schleusten Waffen und Koffer voll mit Dollars ins Land."
 So kam es zu schweren Kämpfen im ganzen Land, vor allen Dingen aber in der Hauptstadt Mogadischu. Am 5. Juni 2006 konnte die ICU den Sieg über die „Alliance for the Restoration of Peace and Counterterrorism“ (ARPCT) verkünden und deren vollständige Vertreibung aus Mogadischu. Sogar Wikipedia muss anerkennen:
"In Mogadischu wurde unter der Herrschaft der Union erstmals seit 16 Jahren ein gewisses Maß an Frieden und Ordnung hergestellt."
 In Washington schrillten allerdings die Alarmglocken, als die ICU auch auf den Sitz der von den USA eingesetzten Operettenregierung, Baidoa, zumarschierte. Äthiopische Truppen ausgerüstet geschult und finanziert von den USA drangen am 24 Dezember 2006 in Somalia ein und bekämpften die ICU. Salim Lone schreibt in "The Nation":
"Wieder unter Verstoß gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen entsandte Äthiopien 15.000 Soldaten nach Somalia."
Bereits am 27. Dezember räumte diese Mogadischu, zumindest offiziell.

 Am 22. Februar allerdings meldet BBC im Zusammenhang mit einem Mörserangriff auf den Flughafen von Mogadischu:
"Die Übergangsregierung sagt, dass rund 3.500 Islamisten in Mogadischu verblieben sind, die sie der Durchführung terroristischer Attacken beschuldigt.Einige Islamisten hatten damit gedroht, einen Guerillakrieg zu beginnen, nachdem sie im Dezember aus der Hauptstadt vertrieben worden waren."
Die Äthiopischen Truppen gebärdeten sich sehr bald wie ein brutales Besatzungsregime und verloren auch noch die letzte Reputation in der somalischen Bevölkerung. Die Anschläge nahmen bedenklich zu. Die USA reagierten. Salim Lone schreibt:
"Die Vereinigten Staaten, deren Truppen von kenianischen Journalisten in der an Somalia angrenzenden Region gesichtet wurden, wandten sich nun an den UN-Sicherheitsrat. In einem weiteren feigen Akt, der seiner post-facto-Legalisierung der US-Besetzung des Irak ähnelt, beugte sich der Rat vor dem Druck der USA und ermächtigte eine regionale Friedenstruppe, nach Somalia einzureisen, um die Regierung zu schützen und Frieden und Stabilität wiederherzustellen. Die Vereinten Nationen haben im Rahmen ihrer Charta kein Recht, im Namen einer der Parteien um die politische Vorherrschaft zu kämpfen, und Frieden und Stabilität waren bereits von den Islamisten wiederhergestellt worden."
Dem Unrechtsakt des Einmarsches der äthiopischen Truppen folgte also sogleich das nächste Vergehen gegen das Völkerrecht. Aber so konnte die BBC dann am 22. Februar vermelden:
"Etwa 4.000 Soldaten aus Uganda, Nigeria, Malawi, Ghana und Burundi sind bereit, äthiopische Truppen zu ersetzen, die sich zurückgezogen haben."
Der somalische Untergrund antwortete prompt:
"Wir versprechen, dass wir sie mit Kugeln aus schweren Geschützen, explodierenden Autos und jungen Männern begrüßen, die bereit sind, Selbstmordattentate gegen diese Kolonialkräfte durchzuführen" 
Al Shabaab war geboren und unterhielt in der Zukunft enge Beziehungen zu Al Quaida. Der Terror war zurück in Somalia.

 In den USA war man sich dieser Entwicklung schon längere Zeit vollkommen bewußt. Bereits vor jenem 5. Juni 2006 waren in Washington bereits warnende Stimmen laut geworden. Mark Mazzetti schreibt in der "New York Times" am 7. Juni 2006 rückblickend:
"Eine verdeckte Aktion der Central Intelligence Agency, somalische Kriegsherren zu finanzieren, hat scharfe Kritik von amerikanischen Regierungsbeamten hervorgerufen, die sagen, die Kampagne habe die Terrorismusbekämpfung in Somalia vereitelt und die gleichen islamischen Gruppen, die marginalisiert werden sollen, gestärkt.  
Ein amerikanischer Regierungsbeamter, der dieses Jahr nach Nairobi reiste, sagte, Beamte aus verschiedenen Regierungsbehörden, die in Somalia arbeiten, hätten Bedenken geäußert, dass die amerikanischen Aktivitäten im Land nicht im Rahmen einer breiteren Politik durchgeführt würden.
'Sie waren sich völlig bewusst, dass sie dies ohne strategischen Rahmen tun", sagte der Beamte.' Und sie haben erkannt, dass es negative Auswirkungen auf das haben kann, was sie tun." 
In den folgenden Jahren weitet sich der Machtbereich der Al Shabaab kontinuierlich aus. Am 10 Dezember 2014 veröffentlicht der Blog "The Nation.com" einen Artikel von Jeremy Scahill, der aus dem gleichnamigen Magazin vom 1. - 8. August 2011 stammt:
"Heute kontrollieren somalische Regierungstruppen ungefähr dreißig Quadratmeilen Territorium in Mogadischu, was zum großen Teil der von den USA finanzierten und bewaffneten 9.000-köpfigen AMISOM-Streitmacht entspricht. Ein Großteil des Restes der Stadt steht unter der Kontrolle des Shabaab oder der Warlords."
Die USA weigerten sich standhaft mit der vion ihnen selbst eingesetzten Regierung Somalias zusammenzuarbeiten. Scahill beklagt:
"Auf der einen Seite leitet die CIA somalische Geheimdienstagenten, die nicht unter der Kontrolle der somalischen Regierung sind, während JSOC (Joint Special Operations Command)  einseitige Schläge ohne vorherige Kenntnis der Regierung durchführt; Auf der anderen Seite verstärkt das Pentagon seine Unterstützung für die Terrorismusbekämpfung der nicht-somalischen afrikanischen Streitkräfte." 
In dem Bericht von "The Nation" wird beklagt, dass der Senat zwar 75 Mio. Dollar für die Bekämpfung der AL Shabab Somalia bewilligt habe:
"Die Gesetzesvorlage erlaubte jedoch keine zusätzliche Finanzierung für Somalias Militär, wie die Führer des Landes wiederholt gefordert haben. Stattdessen würde das Hilfspaket die US-Bewaffnung und Finanzierung der AMISOM-Truppen, insbesondere aus Uganda und Burundi, sowie die Militärs von Dschibuti, Kenia und Äthiopien dramatisch erhöhen."
Die USA führten  ihren "War on Terror" stattdessen weiterhin gemeinsam  mit den von der "Afrikanischen Union " gestellten und unter der somalischen Bevölkerung verhassten AMISOM-Truppen. Diese, so "The Nation",
 haben (...) in den vergangenen Monaten eine gnadenlose Kampagne des wahllosen Beschusses von Shabaab-Gebieten geführt, von denen einige stark von Zivilisten bevölkert sind. Während AMISOM regelmässig Pressemitteilungen mit Gewinnen gegen den Shabaab und die Wiedererlangung von Territorien herausbringt, zeichnet die Realität ein viel komplizierteres Bild."
 Die von der Shabaab zurückeroberten Gebiete seien großflächig mit unterirdischen Tunnels durchzogen, die
"von Shabaab-Kämpfern genutzt wurden, um von einem Gebäude zum anderen zu gelangen. Nach einigen Berichten erstrecken sich die Tunnel kontinuierlich über Meilen".
 Tunnel, die weiterhin genutzt werden konnten um Anschläge mitten hinein nach Mogadischu zu tragen. Dazu kam noch, dass eine wildgewordene Soldateska die Bevölkerung immer mehr gegen die AMISOM-Truppen und somit auch gegen deren Unterstützer, die UN, die USA und Europa aufbrachte. Scahill schildert die unerträglichen Zustände:
"Nicht nur die Shabaab-Kämpfer wurden aus den oberirdischen Gebieten vertrieben; Die Zivilisten, die dort einst wohnten, mussten ebenfalls die Gebiete verlassen. Ende Juni feuerten die AMISOM-Truppen mehrmals Artillerie von ihrem Flughafen aus auf dem Bakaara-Markt ab, wo ganze Stadtviertel völlig verlassen sind. Häuser liegen in Trümmern und Tiere wandern ziellos umher und fressen Müll. In manchen Gegenden wurden Leichen schnell in Schützengräben vergraben, wobei der Schmutz die Überreste kaum bedeckte. Auf der Straßenseite in einem ehemaligen Shabaab-Viertel lag ein enthaupteter Leichnam nur wenige Meter von einem neuen Kontrollpunkt der Regierung entfernt."
 Hinzu kamen Ereignisse, die die USA höchstselbst zu verantworten hatten und die den Rückhalt der Islamisten von der Al Shabaab in der Bevölkerung eher stärkten. Armin Wert schildert in seinem Buch "Die Weltbeherrscher - Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA" zwei missglückte Operationen in Obamas Drohnenkrieg aus dem Jahr 2016:
"11. April - Somalia: Am späten Abend begannen Drohnen ihren Angriff auf ein al-Shabaab-Lager in Yontyo in der Provinz des Unteren Juba, etwa 24 Kilometer nördlich von Kismayo, der bis in die Morgenstunden des folgenden Tages andauerte. Das Pentagon bestätigte, dass zwölf Milizionäre getötet worden seien, bestritt aber zivile Verluste. Presseberichte widersprachen dieser Version und betonten, es habe acht Tote gegeben, von denen fünf Zivilisten gewesen seien. Zudem flohen viele nach den Angriffen aus der Region, weil dabei auch ihre Ziegenherden getötet worden waren.  

28. September - Somalia: Nach amerikanischen Angaben wurden bei einem Drohnenangriff in Galcayo neun mutmaßliche al-Shabaab-Milizionäre getötet. Ein somalischer Sicherheitsoffizier der Region, Osman Issa, hingegen räumte ein, bei dem Drohnenangriff seien 22 somalische Soldaten getötet und 16 weitere verwundet worden. Verantwortlich dafür seien Nachrichtenoffiziere der Puntland-Region, die den US-Streitkräften falsche Informationen gegeben hätten. Scheich Abdiasis Abu Musab, der Militärsprecher von alShabaab, erklärte gegenüber Reuters, sie hätten keinen Stützpunkt in Galcayo. In einer am 15. November veröffentlichten Presseerklärung räumte das US Africa Command den Fehler ein und bestätigte, dass bei dem Angriff zehn Mitglieder einer lokalen Miliz und nicht - wie ursprünglich angenommen - al-Shabaab-Kämpfer getötet wurden."
Wenn die Tagesschau nun in Person von Caroline Hoffman ein Schwarz-Weiß-Gemälde zu erstellen versucht, indem die ganz einfachen Botschaften einmal mehr lauten "Hier die Guten und auf der anderen Seite die Bösen" ohne jede Schattierung von grau, so führen Herr Dr. Gniffke und sein Crew einmal mehr ihre Zuschauerinnen und Zuschauer an der Nase herum. Dazu nutzt die Tagesschau ein immer wieder verwendetes Muster. Man sagt nicht die Unwahrheit, weist die Zuschauer aber ganz bewußt und äusserst zielgerichtet in die gewünschte Richtung. Hier: Es waren die Islamisten von der Al Shabaab, basta! Caroline Hoffmann:
"Die Regierung macht die AL Shabaab- Miliz für die Anschläge verantwortlich. Diese hat sich aber bisher nicht dazu bekannt."
 Wenn auch die Annahme, die AL Shabaab stecke hinter den Anschlägen, nicht von der Hand zu weisen ist, so gilt trotzdem nach wie vor: Nichts genaues weiß man nicht.

 Das hindert Hoffman aber nicht daran, in ihrem Beitrag nun nicht weiter über etwaige Einzelheiten und Hintergründe der Anschläge zu berichten, sondern ihr neues und ab jetzt einzige Thema ist die islamistische Terrortruppe. So verfestigt sich beim Zuschauer immer mehr der Eindruck,, die Al Shabaab war's:
"Die radikalislamistische Terrorgruppe verübt seit Jahren immer wieder Anschläge. Sie kontrolliert den Süden des Landes und will in Somalia einen sogenannten Gottesstaat errichten."
Auch die Bevölkerung wird von ARD-Aktuell dazu herangezogen dieses verzerrte Schwarz-Weiß-Bild zu zeichnen.
"Am Sonntag demonstrierten etliche Einwohner Mogadischus gegen den Einfluss der Miliz",
und obwohl Maryan Nor Weheliye, die Frau die in die Kamera spricht, kein Wort von Al Shabaab oder islamistischen Terroristen sagt, muss Sie als Zeugin herhalten, indem man ihre Aussage in den gewünschten Kontext stellt:
"Wir haben kein Vertrauen in den Schutz des Landes. Der Konflikt dauert schon 27 Jahre. wir hoffen endlich auf Frieden."
Ob die Frau weiß, dass ihre Empörung im fernen Deutschland so manipulativ eingesetzt wird?

So etwas bezeichnet man wohl gemeinhin als Manipulation.

  Es ist nicht Aufgabe einer Nachrichtensendung, so wird Dr. Gniffke, nicht ganz zu Unrecht einwenden, die vielen Facetten dieses Konfliktes in der hier betriebenen Länge und Breite darzulegen. Allerdings möchte man sich wünschen, dass ausser den üblichen Trümmerbildern, den Propagandafilmchen der somalischen Regierung - Der Präsident bei der Blutspende und bei seiner Fernsehansprache - auch ein paar Informationen geliefert werden, die mit dem Anschlag  in unmittelbarem Zusammenhang stehen.





300 Tote, mehrere hundert Verletzte, für die Tagesschau von geringerem Interesse als der Hollywood-Grabscher Harvey Weinstein. Alles Routine, die üblichen Trümmerbilder, die Propagandafilmchen der somalischen Regierung: Der Präsident bei der Blutspende, der Präsident bei seiner Fernsehansprache.
Alle Bilder: Screenshots ARD

 Will man näheres zu den Hintergründen dieses schrecklichen Anschlags erfahren, so sollte man die Tagesschau als Lieferant für seriöse Informationen nicht mehr in Betracht ziehen und sich im Netz andere zumeist internationale Quellen suchen.

 Selbst die "International Crisis Group", deren Verlautbarungen wegen ihrer ausgesprochenen Nähe zur US-Regierung sicher mit Vorsicht zu geniessen sind, liefert da weit mehr Information als die Tagesschau, die doch per Staatsvertrag dazu verpflichtet ist, die Menschen umfassend zu unterrichten. In ihrem Briefing Nr. 131 vom 20. Oktober berichtet der Think Tank von ersten Erfolgen, aber auch von Streitigkeiten zwischen den Sicherheitskräften:
"Bis zu den tragischen Angriffen hatte die allgemeine Sicherheit von Mogadischu dieses Jahr allmählich, wenn auch bescheidene Verbesserungen gesehen. Attentate und Autobomben wurden seltener und weniger tödlich als in den vergangenen Jahren (von denen das Jahr 2016 am tödlichsten war) und somalische Sicherheitskräfte haben mehrere versuchte, improvisierte Sprengstoffangriffe mit Fahrzeugen vereitelt. Besseres Training, Fahrzeugkontrollen und Patrouillen auf den Hauptstraßen der Stadt haben mit Sicherheit dazu beigetragen. Aber die endemischen Streitigkeiten zwischen den offiziellen Sicherheitskräften haben den Aufständischen offenbar die Möglichkeit gegeben, einen größeren Angriff zu begehen."
 Die Analyse fährt fort:
"Aufkommender Fraktionalismus und Spannungen zwischen den Clans führten zu einzelnen Scharmützeln im September. Zum Beispiel als eine somalische Armeeeinheit und Elemente der neu gegründeten Mogadischu-Stabilisierungseinheit sich ein Feuergefecht lieferten, bei dem sechs Soldaten starben. Solche Zusammenstöße entstehen oft aus der Konkurrenz um die Kontrolle von Territorien, Checkpoints und anderen Einnahmequellen. Sie untergraben die Moral und den Zusammenhalt in den Sicherheitskräften, verringern die Wirksamkeit des Militärs und machen es wahrscheinlicher, dass Truppen oder Fraktionen mit dem Feind zusammenarbeiten." 
So soll, und die Crisis Group beruft sich auf mehrere Quellen:
 "der Angriff auf Zoobe Junction ein alternder Lastwagen von TM (Bedford) - ein Modell, das früher überall im Land verwendet wurde, auch von der somalischen Armee - für den zivilen Einsatz als Frachttransporter umgebaut und mit Sprengstoff voll gepackt wurde. Er soll angeblich aus dem Shabelle-Tal stammen und mehrere Kontrollpunkte von somalischen Soldaten auf der Straße Afgoye-Mogadischu passiert haben."
Das Schabelle-Tal, etwa 45 Kilometer von Mogadischu entfernt, gilt als einer der wichtigsten Zugangswege in die Hauptstadt. Es fiel kürzlich in die Gewalt der Al Shabaab zurück:
"nachdem sich die Regierungstruppen Anfang diesen Monats zurückgezogen hatten, um dagegen zu protestieren, dass sie für die letzten drei Monate keine Gehälter erhalten hatten."
Zu allen diesen Problemen kommt, so die "Crisis Group", noch eine relativ neue Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung:
"Wachsende Spannungen zwischen Mogadischu und Somalias Bundesstaaten beeinflussen ebenfalls die Sicherheit. Die Kluft zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten einerseits und Katar andererseits verschärft die Spannungen. Da die Saudis und Emiratis direkte Verbindungen zu den (somalischen) Bundesstaaten entwickeln und ihre Beziehungen zur Bundesregierung zurückfahren, (...Riad und Abu Dhabi haben auch die direkte Budgethilfe für Somalia eingestellt, was die Fähigkeit des Bundesstaats, Soldaten, Polizisten und Geheimdienste zu bezahlen, beeinträchtigt....) sind die Spannungen durch den Umstand gewachsen, von welcher Seite des Golfes die Unterstützung kommt. Das lenkt die Aufmerksamkeit von Sicherheitsproblemen in Mogadischu ab."
Sicherlich hat letztlich nur einer die Bombe gezündet und da spricht vieles für Al Shabaab. Aber man sieht, das die Wirklichkeit viel differenzierter und klomplexer ist, als sie von der Tagesschau dargestellt wird.

Mag es ein diffuser Rassismus sein, weit weniger spektakuläre Selbstmordattentate mit weit weniger Opfern in der sogenannten "zivilisierten", westlichen Welt, in Europa, den USA, Kanada oder Australien wurde bereits wesentlich ausführlicher, mit Hintergrundberichten, Kommentaren und Spekulationen von den jeweiligen Terrorexperten versehen, gesendet. Oder mag es dem Bestreben der Tagesschau geschuldet sein, die Welt in gut und böse zu teilen und alles was sich dazwischen befindet einfach zu unterschlagen. Tatsache ist, eine umfassende ausgewogene Berichterstattung, sowie es das Rundfunkgesetzt fordert über die Ereignisse in Mogadischu hat es nicht gegeben obwohl diese nicht geringfügig zum Verständnisse der Vorgänge in unserer unmittelbaren Nachbarschaft hätte beitragen können.

 Sei's drum, für ARD-aktuell war die Sache an diesem Tag erledigt. Zwar ging man in der Tagesschau um 15:00 Uhr noch einmal auf das Attentat in einem 20-Sekunden Beitrag ein aber in den Hauptnachrichten um 20:00 Uhr und danach hatte das Thema allen "human Interest" verloren. 300 Tote, mehrere hundert Verletzte, ein zutiefst geschundenes Volk und Jahrzehnte währende Kriegsverbrechen - für die deutsche Tagesschau eine Sache von 3:54 Minuten, verteilt auf neun Sendungen in Beiträgen zu durchschnittlich 26 Sekunden, deren Inhalt sich zudem noch mehrfach wiederholte: Dr Gniffke kann rigoros sein, wenn ein Ereignis nicht in sein Weltbild passt.